Immer mehr Kinder müssen wegen "Fortnite"-Sucht in Therapie

    29. November 2018, 09:44
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    Das Game zieht Millionen Spieler an und hat sich für viele Jugendliche zu einem großen Problem entwickelt

    Mehr als 200 Millionen Fortnite-Spieler gibt es mittlerweile. Darunter sollen auch etliche Jugendliche sein, die nach dem Game süchtig geworden sind. Bloomberg hat sich dieses Themas angenommen und das Gespräch mit betroffenen Eltern und einem Verhaltensexperten gesucht.

    Eine Mutter zeigt sich gegenüber dem Medium verzweifelt und spricht davon, dass ihr Sohn zwölf Stunden täglich Fortnite spielt und sich seine Noten in der Schule stark verschlechtert haben, weil er während des Unterrichts regelmäßig schläft.

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    "Fortnite ist wie Heroin"

    Lorrine Marer, ein britischer Verhaltensexperte, hat auch eine Erklärung dafür. "Dieses Spiel ist wie Heroin", sagt er. "Ist man einmal süchtig danach, kommt man auch nicht mehr weg davon", erklärt Marer. Mit dem Thema konfrontiert, wollte Hersteller Epic Games gegenüber Bloomberg keinen Kommentar abgeben.

    Michael Jacobus bietet schon länger Camps für Kinder mit Videospiele-Sucht an. Er sagt, dass Fortnite fast schon eine gewisse Epidemie mit sich gebracht hat. 60 Prozent der 120 Kinder in seinem Camp sollen süchtig nach dem Millionen-Hit von Epic Games sein. "Ein Kind hat mir erzählt, dass es bereits 300 Siege bei Fortnite hat. Ich habe mir dann ausgerechnet, wie viel Zeit es im Grunde schon in das Spiel investiert hat".

    Was in den Camps passiert

    In dem Camp wird den Kindern und Jugendlichen das Handy weggenommen. In weiterer Folge lernen sie gesund zu essen und einen regelmäßigen Schlafrhythmus zu entwickeln. Danach sprechen sie gemeinsam über ihre Videospiele-Sucht. Die Nachfrage nach den Camps ist groß. Im nächsten Jahr soll die Anzahl der Kinder gar verdoppelt werden.

    Die Sucht der Jugendlichen führt zumeist auch dazu, dass deren Eltern viel Geld verlieren. Fortnite ist kostenlos, Spieler können allerdings sogenannte Skins für ihre Charaktere und Waffen kaufen. Dies sind im Grunde einzigartige Verschönerungen, die teilweise nur kurzzeitig verfügbar sind. "Eltern haben deswegen eine große Menge Geld verloren, wenn sie nicht darauf geachtet haben, dass ihre Kreditkarte bei der Konsole hinterlegt ist", warnt Marer.

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    Games-Sucht offizielle Krankheit

    Seit Juni 2018 hat die WHO übrigens Videospiele-Sucht als offizielle Krankheit anerkannt. Dies hätte laut Psychiater Paul Weigle dazu geführt, dass Eltern nun vermehrt Behandlungen für ihre Kinder in Anspruch nehmen. Weigle selbst betreut bereits 20 Kinder, die nach Fortnite süchtig sein sollen. Er rät dazu, dass man Kindern unter zehn Jahren das Spielen komplett verbietet und danach die Zeit stark limitiert und Grenzen aufzeigt.

    Für Hersteller Epic Games ist Fortnite übrigens ein Millionengeschäft. Der Konzern setzt mit dem Verkauf von Skins monatlich hunderte Millionen Dollar um. Auch auf der Streaming-Plattform Twitch zählt das Spiel zu den populärsten Games. Dort schauen hunderttausende anderen beim Spielen von Fortnite zu. (red, 29.11.2018)

    • Immer mehr Kinder werden süchtig nach "Fortnite".
      foto: epic games

      Immer mehr Kinder werden süchtig nach "Fortnite".

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