Darum wächst diesem Jumbo ein Triebwerk aus dem Kopf

    2. Dezember 2018, 08:00
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    Ein Triebwerk, wo eigentlich keines sein sollte: Was wie die Mutation eines Jumbo-Jets aussieht, hat einen handfesten wirtschaftlichen Hintergrund.

    Planespotter würden wohl viel dafür geben, dieses Motiv vor die Linse zu bekommen, denn der Anblick dieser alten Boeing 747 ist in der Tat merkwürdig. Sie hat ein Triebwerk dort, wo eigentlich keines sein sollte. Und dennoch erfüllt dies einen Zweck: Auf diese Weise wird ein Triebwerk getestet, das einst den neuen Businessjet Falcon 6X des Anbieters Dassault antreiben soll. Damit will man das Scheitern des Falcon 5X wettmachen.

    Neuer Lieferant

    Der französische Businessjet-Hersteller Dassault stellte im Dezember 2017 die Entwicklung der Falcon 5X ein und begründete dies mit etlichen Verzögerungen beim Triebwerkshersteller Safran. Keine drei Monate später präsentierte der französische Flugzeugbauer als Ersatz Pläne für die Falcon 6X – und setzte dabei nicht mehr auf Triebwerke von Safran, sondern von Pratt & Whitney.

    Vor Kurzem erklärte Dassault nun, man komme gut voran bei der Entwicklung des neuen Businessjets, der zu großen Teilen auf die 5X-Pläne aufbaut. Die detaillierte Konstruktionsphase habe begonnen, Verträge mit allen wesentlichen Partnern seien unterzeichnet. Auch die Triebwerkstests bei Pratt & Witney Canada liefen gut, so der Hersteller.

    Test an 38 Jahre alter Boeing

    Angetrieben wird die Falcon 6X von einem Triebwerk namens PW812D, einer neuen Variante des PW800. Erste Tests in der Luft finden an einer Boeing 747 SP von Pratt & Whitney Canada statt. Das PW812D ist mittels eines Pylons an der rechten Seite des Rumpfes auf Höhe des Oberdecks angebracht. Das heutige Testflugzeug mit der Kennung C-GTFF ging im März 1981 bei Korean Air in Betrieb und ist schon fast 38 Jahre alt.

    747 SP steht für 747 Special Performance. Durch einen kürzeren Rumpf konnte diese bis 1989 gebaute Variante schneller und weiter fliegen als übliche Jumbo-Jet zu der Zeit. Im Jahr 2012 testete Pratt & Whitney mit der Maschine das PW1200G für den Mitsubishi Regional Jet. Der Triebwerkshersteller hat noch immer die alten Business-Class-Sitze von Korean Air in der Maschine stehen.

    Platz für bis zu 16 Passagiere

    Die Falcon 6X soll mit dem PW812D nun bis zu 5.500 Seemeilen oder 10.186 Kilometer weit fliegen können. "Alles ist auf Kurs für die Falcon 6X, damit die Auslieferungen 2022 beginnen können", sagt Dassault-Aviation-Chef Eric Trappier. Man sei zuversichtlich, dass der Jet 2021 zum ersten Mal anheben werde. An Bord haben zwölf bis 16 Passagiere Platz. (Timo Nowack, 2.12.2018)

    Dieser Artikel stammt von aeroTELEGRAPH, einer Medienagentur unabhängiger Aviatikjournalisten in Zürich.

    • Ein Jumbojet als fliegender Prüfstand: Eine Boeing 747 SP von PRatt & Whitney mit dem Triebwerk PW812D.
      foto: dassault falcon

      Ein Jumbojet als fliegender Prüfstand: Eine Boeing 747 SP von PRatt & Whitney mit dem Triebwerk PW812D.

    • Der Flieger ist heute fast 38 Jahre alt.
      foto: dassault falcon

      Der Flieger ist heute fast 38 Jahre alt.

    • 1981 wurde er bei Korean Air in Dienst gestellt.
      foto: dassault falcon

      1981 wurde er bei Korean Air in Dienst gestellt.

    • Das ist das Triebwerk, von dem die Rede ist: das PW812D.
      foto: dassault falcon

      Das ist das Triebwerk, von dem die Rede ist: das PW812D.

    • Es soll diesen Businessjet antreiben: den Falcon 6X von Dassault.
      foto: dassault falcon

      Es soll diesen Businessjet antreiben: den Falcon 6X von Dassault.

    • Zwölf bis 16 Fluggäste sollen in ihm Platz haben.
      foto: dassault falcon

      Zwölf bis 16 Fluggäste sollen in ihm Platz haben.

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