Diskriminierung: Österreich oft im negativen Spitzenfeld

    28. November 2018, 15:44
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    30 Prozent der Schwarzafrikaner in EU rassistischen Belästigungen ausgesetzt – Grundrechteagentur fordert "wirksame und zielgerichtete" Strategien gegen Benachteiligung

    Wien – Trotz EU-Gesetzen, die Diskriminierung verbieten, sind Ausgrenzung in Europa lebender Schwarzafrikaner und Vorurteile gegen sie weitverbreitet. Zu diesem Schluss kommt die in Wien ansässige EU-Grundrechteagentur (FRA) in einem Bericht, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Österreich schneidet dabei oft nicht gut ab.

    Der Bericht analysiert die Befragung von 5.803 Migranten aus Afrika beziehungsweise ihrer Nachkommen in zwölf der 28 EU-Staaten: Österreich, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Luxemburg, Malta, Portugal und Schweden. Der Bogen reicht von rassistischen Beleidigungen und Gewalt über Anhaltungen durch die Polizei bis zu Diskriminierung in Bereichen wie Arbeit und Wohnen.

    Ein Drittel rassistisch belästigt

    Fünf Prozent der Befragten gaben im Schnitt aller zwölf Staaten an, in den vergangenen fünf Jahren aus rassistischen Motiven tätlich angegriffen worden zu sein. Spitzenreiter ist hier Finnland mit 14 Prozent, gefolgt von Irland und Österreich mit je 13 Prozent. Rassistischen Belästigungen waren demnach im Schnitt knapp ein Drittel (30 Prozent) der Befragten ausgesetzt. Hier liegt Österreich mit 37 Prozent zwar darüber, aber im Mittelfeld.

    Schlusslicht Finnland kommt auf 63 Prozent. Dort sagten also knapp zwei Drittel der Teilnehmer, in den zurückliegenden fünf Jahren aus Rassismus belästigt worden zu sein. Die EU-Staaten sollten größere Anstrengungen unternehmen, um Opfer von Rassismus besser zu unterstützen und die Täterinnen und Täter angemessen zu verfolgen, fordert die FRA.

    Wegen Hautfarbe von Polizei kontrolliert

    In Sachen Polizeikontakte gaben 24 Prozent der Umfrage-Teilnehmer an, ein oder mehrmals im Fünf-Jahres-Rahmen von der Polizei angehalten worden zu sein. 41 Prozent jener, die kontrolliert wurden, schätzten die Kontrollen als gezieltes, diskriminierendes "Racial Profiling" ("Ethnic Profiling") ein. Speziell in Österreich war der Anteil derer, die von einer Kontrolle auf Basis ihrer ethnischer Zugehörigkeit ausgingen, mit 66 Prozent besonders hoch. Zugleich gaben 29 Prozent der Befragten an, von der Polizei respektlos behandelt worden zu sein. Nur in Dänemark waren es mehr (30 Prozent).

    Im Schnitt der Zwölf beklagten sich 16 Prozent darüber, wie sie von Polizisten behandelt wurden. An letzter Stelle liegt Österreich, was das Vertrauen der Schwarzafrikaner in die Polizei betrifft. Auf einer Skala von 0 (überhaupt kein Vertrauen) bis 10 (volles Vertrauen) kommt die heimische Exekutive auf 3,6. Zum Vergleich: Auf Platz eins landete Finnland mit einem Index von 8,2.

    Nur acht Prozent meldeten Diskriminierung

    Im negativen Spitzenfeld liegt Österreich auch in punkto rassistischer Diskriminierung. Für die letzten zwölf Monate gaben 42 Prozent der Befragten hierzulande an, sich diskriminiert gefühlt zu haben. Nur in Luxemburg (50 Prozent) und Finnland (45 Prozent) war der Anteil größer. Der Schnitt beträgt 24 Prozent, am wenigsten sahen sich die Afrikaner in Großbritannien benachteiligt (15 Prozent).

    Durchschnittlich nur 16 Prozent der Menschen, die sich mit rassistischer Diskriminierung konfrontiert sahen, meldeten das auch. In Österreich waren das gar nur acht Prozent. Das ist der letzte Platz.

    Höchste Arbeitslosigkeit unter Schwarzafrikanern

    Überdurchschnittlich hoch wurde die Diskriminierung speziell bei der Jobsuche in Österreich empfunden. Gemeinsam mit Italien landete Österreich auf dem vorletzten Platz (36 Prozent). Nur in Luxemburg nahmen anteilsmäßig etwas mehr Befragte in den vergangenen fünf Jahren Diskriminierung wahr. Die große Mehrheit geht von ihrer Hautfarbe als Grund dafür aus.

    18 Prozent aller Teilnehmer im Alter von 16 bis 24 Jahren gaben an, weder bezahlte Arbeit zu haben noch eine Ausbildung zu machen. In Österreich trifft das auf 76 Prozent zu, mehr als in allen anderen der elf EU-Länder der Studie.

    Höchster Wert auch bei Rassismus am Wohnmarkt

    Auch beim Zugang zu Wohnraum schnitt Österreich nicht gut ab. So fühlten sich im Schnitt 21 Prozent der Migranten aus Afrika bzw. ihre Nachkommen innerhalb der vergangenen fünf Jahre bei der Wohnungssuche diskriminiert. In Österreich und Italien waren es je 39 Prozent – ein Spitzenwert. Erneut ein Spitzenwert: In Österreich wurden den Angaben der Befragten zufolge 37 Prozent als Mieter von privaten Vermietern wegen ihrer Herkunft abgelehnt (Durchschnitt: 14 Prozent).

    FRA-Direktor Michael O'Flaherty forderte angesichts der Studienergebnisse "wirksame und zielgerichtete Strategien und Gesetze, die gewährleisten, dass dunkelhäutige Menschen in unserer Gesellschaft voll integriert werden". "Rassendiskriminierung ist im 21. Jahrhundert durch nichts zu entschuldigen." (APA, 28.11.2018)

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