Warum jeden Sommer Massen von Bachforellen sterben

    28. November 2018, 14:57
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    Deutsche Forscher spüren in mühevoller Detektivarbeit ein bislang unbekanntes Virus auf, das eine tödliche Krankheit auslöst

    foto: apa/oebf-archiv
    Die Bachforelle ist in fast ganz Europa verbreitet und als Speisefisch überaus beliebt.

    München/Wien – Es ist ein alljährlich wiederkehrendes Phänomen: Jeden Sommer sterben in den Gewässern der Voralpengebiete Österreichs, Süddeutschlands und der Schweiz Massen von Bachforellen (Salmo trutta fario). Die Haut der befallenen Tier verfärbt sich dunkel, kurz drauf sterben die Tiere – die Todesrate beträgt annähernd 100 Prozent. Und stets sind es dieselben Abschnitte in Flüssen und Bächen, in denen das Massensterben stattfindet.

    Forscher der Technischen Universität München (TUM) sind dem Rätsel nachgegangen und haben es nach insgesamt zehn Jahre währender "Detektivarbeit" nun gelöst: Der Täter ist ein bisher unbekanntes Virus, wie das Team um den Zoologen Ralph Kühn im Fachmagazin "Plos One" berichtet. "Am Anfang war nicht klar, ob es sich um ein Bakterium, ein Virus, einen Parasiten oder ein Umweltgift handelt"; sagt Kühn. "Es war eine Suche der Nadel im Heuhaufen."

    Experiment liefert Nachweis

    Um die Frage zu kläre, legten die Forscher zwei Versuchsstationen mit Aquarien an der Iller, einem Nebenfluss der Donau, im Allgäu an. Die Aquarien wurden mit Flusswasser gespeist. Von Mai bis September beobachteten die Forscher anschließend die Fische in den Aquarien und entnahmen jeden Tag Gewebeproben, die tiefgekühlt ins Labor der TUM geschickt und dort analysiert wurden.

    So konnte letztendlich das verantwortliche Virus identifiziert und sein Genom entschlüsselt werden. Die Krankheit, die es auslöst, erhielt wegen des auffälligsten Symptoms die Bezeichnung "Proliverative Darkening Syndrom", kurz PDS. Zu dem Zeitpunkt, an dem sich die Fische dunkel verfärben, weisen aber längst ihre inneren Organe Veränderungen auf, wie man inzwischen weiß.

    Jetzt gilt es noch herauszufinden, woher der Krankheitserreger kam. Die Wissenschafter vermuten, dass der globale Handel zur Verbreitung beigetragen haben könnte. In Norwegen, Kanada und Südamerika seien vor kurzem und fast zeitgleich ähnliche Viren bei Lachsen – nahen Verwandten der Forellen – entdeckt worden. Da Lachse als beliebte Speisefische weltweit transportiert werden, müsse man sich laut Kühn künftig mehr Gedanken um mögliche Auswirkungen machen. (red, 28. 11. 2018)

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