WHO-Europaregion: 160.000 HIV-Neudiagnosen im Jahr 2017

    29. November 2018, 06:00
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    In der EU ist die Zahl der neu festgestellten Infektionen zurück gegangen. Besonders stark war der Anstieg in Russland und der Ukraine

    Das Europa-Büro der WHO in Kopenhagen und das EU-Zentrum für Krankheitskontrolle (ECDC) in Stockholm schlagen anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember Alarm: Mit fast 160.000 festgestellten HIV-Neuinfektionen wurde in der WHO-Europaregion im vergangenen Jahr ein neuer Höchststand erreicht. Diese Zahlen ergeben sich aus dem entsprechenden Jahresbericht der Organisationen zu HIV/Aids.

    "159.420 Neudiagnosen von HIV wurden von 50 der 53 Staaten der Region berichtet. Das ergibt eine Rate von 20 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in der gesamten Region", heißt es in dem Report mit den aktuellsten Daten aus 2017. 2007 waren es beispielsweise noch rund 120.000 Neuinfektionen, 2013 etwa 140.000.

    Die Kernaussagen zu den Trends: Mit diesen knapp 160.000 Neuinfektionen im Jahr 2017 wurde erneut ein Höchststand registriert. Der Anstieg gegenüber den Vorjahren habe sich allerdings verlangsamt.

    Rückgang in Westeuropa

    Die positive Nachricht kommt aus vor allem aus Westeuropa (inklusive Österreich): "Die Mitgliedsländer der EU und des Europäischen Wirtschaftsraumes (EU/EEA) haben einen Rückgang bei der Neuinfektionsrate berichtet." Das sei vor allem auf eine Verringerung der Häufigkeit der Ansteckung bei Männern, die mit Männern Sex haben, um 20 Prozent zurückzuführen.

    Im Osten der WHO-Europaregion ist die Situation hingegen extrem besorgniserregend. Von den fast 160.000 registrierten HIV-Neuinfektionen entfielen allein rund 104.000 auf Russland. Knapp 16.000 waren es 2017 in der Ukraine. "Die Neudiagnosen aus diesen zwei Ländern allein machten 75 Prozent der Fälle in der WHO-Region aus", so der Bericht.

    Die WHO-Region Europa besteht aus 53 Staaten. Dazu zählen die Staaten West- und Zentraleuropas, aber auch Süd- und Osteuropa (darunter Russland) sowie zentralasiatische Nachfolgestaaten der ehemaligen UdSSR (z.B. Usbekistan, Tadschikistan, Georgien und die baltischen Staaten).

    Extreme Unterschiede

    Das Bild rund um HIV/Aids klafft nach den einzelnen Regionen extrem auseinander. In der EU/EEA-Region wurden (31 Staaten) 2017 genau 25.353 Neuinfektionen registriert. Das entsprach einer Rate von 6,1 pro 100.000 Einwohner und einem deutlichen Rückgang von der Häufigkeit von 6,9/100.000 im Jahr 2008.

    In Russland gab es 2017 hingegen 71,1 HIV-Neudiagnosen pro 100.000, in der Ukraine 37,0 je 100.000 und in Weißrussland 26,1 pro 100.000 Einwohnern. Die soziale Lage, der Zustand des Gesundheitswesens sowie Diskriminierung und Stigmatisierung bestimmter sozialer Gruppen (z.B. Drogenabhängige, Homosexuelle etc.) sind bestimmende Faktoren rund um die Ausbreitung von HIV/Aids, so die Einschätzung der WHO-Experten. (red, 29.11.2018)

    • Homosexuelle und Drogenabhängige werden in Russland, Weißrussland und der Ukraine oft diskriminiert und stigmatisiert. Aus diesen Gründen ist die Zahl der Neuinfektionen dort besonders hoch.
      foto: dpa/fredrik von erichsen

      Homosexuelle und Drogenabhängige werden in Russland, Weißrussland und der Ukraine oft diskriminiert und stigmatisiert. Aus diesen Gründen ist die Zahl der Neuinfektionen dort besonders hoch.

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