Satellitenbilder dokumentieren Ausbeutung der Erde

Ansichtssache15. Dezember 2018, 16:48
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Von Flugzeugfriedhöfen und Inselparadiesen: Fotografische Zeugnisse einer Welt im Umbruch legt der Bildband "New Human Footprint" vor

Der Blick aus dem All auf die Erde hat eine lange Tradition in der Klimadebatte: Das Foto Blue Marble, das die Besatzung von Apollo 17 im Jahr 1972 von der Erde aufgenommen hat, wurde zum Coverfoto für die Umweltbewegung. Die Erdbeobachtung im Rahmen von Satellitenmissionen ist wiederum von zentraler Bedeutung für die Klimaforschung, um etwa Veränderungen bei Wetterphänomenen zu analysieren.

Satellitenaufnahmen der Erde verdeutlichen den menschlichen Einfluss auf den Planeten – in all seiner Schönheit und Zerstörungskraft. Der kürzlich erschienene Bildband New Human Footprint versammelt Satellitenbilder zu den menschlichen Hinterlassenschaften auf der Erde. "Der Mensch hat seit frühester Zeit bleibende Zeugnisse seines Wirkens hinterlassen, die unsere Umwelt zum Teil bis heute prägen", schreiben die Autoren Markus Eisl, Gerald Mansberger und Paul Schreilechner.

Im Fokus des opulenten Bildbandes steht der 1994 eingeführte Begriff des ökologischen Fußabdrucks. Dieser stellt einen Zusammenhang zwischen den Aktivitäten des Menschen und den Ressourcen, die auf der Erde verfügbar sind, her. Der ökologische Fußabdruck wird als Fläche angegeben, die pro Kopf benötigt wird, um den jeweiligen Lebensstil aufrechtzuerhalten. Momentan liegt der ökologische Fußabdruck pro Mensch bei etwa 2,85 Hektar, wobei die Ressourcennutzung lokal sehr unterschiedlich ist.

Narben der Erde

In fünf Kapiteln werden einprägsame Beispiele des menschlichen Fußabdrucks auf der Erde dargestellt. Die fotografische Reise um die Welt beginnt beim Bergbau und den "unübersehbaren Narben, die er im Gesicht der Erde hinterlässt", schreiben die Autoren. Weiters wird die Wald- und Landwirtschaft aus der Satellitenperspektive betrachtet.

Das dritte Kapitel dreht sich um Energie- und Verkehrsinfrastrukturen. Wie sich Konflikte verschiedenster Art auf die Erde auswirken, zeigt das abschließende, vierte Kapitel des Buches.

Insgesamt gelingt dem Bildband die heikle Balance, einerseits die drängenden globalen Fragen in den Blick zu nehmen, sich aber andererseits auch der überwältigenden Schönheit unseres Planeten zu erfreuen. So lautet denn auch die Leseempfehlung der Autoren: "Trotz der bestehenden Widersprüche und der Größe der zu bewältigenden Aufgaben soll der Bildband ein positives und verbindendes Bild des Reichtums und der Vielfalt unseres Planeten am Beginn des dritten Jahrtausends zeigen." (Tanja Traxler, 15.12.2018)


Markus Eisl, Gerald Mansberger, Paul Schreilechner: "New Human Footprint – Unsere Welt im Umbruch", € 49,95 / 256 Seiten. eoVision, Salzburg 2018

Entstanden in Kooperation mit European Space Imaging.

Link:
Website des Buches "New Human Footprint"

Weiterlesen:
Naturgewalt Mensch: Die Unterwerfung der Erde

foto: eovision 2018/european space imaging

Im chinesischen Bayan Obo wurde bereits 1972 mit der Gewinnung von Eisenerz begonnen. Kurze zeit später wurden die ersten Metalle der Seltenen Erden entdeckt die für die Produktion von elektronischen Geräten verwendet werden. Mit zwei weiteren chinesischen Minen liefert Bayan Obo 80 Prozent der weltweit produzierten Seltenen Erden.

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foto: eovision 2018/eovision 2018/european space imaging

Ein touristisches Luxus-Ressort wurde auf den flachen Inseln des Barriereriffs von Bora Bora in Französisch-Polynesien errichtet: Pfahlbauten der Hotels und Bungalowanlagen im seichten, türkisen Wasser locken kaufkräftige Besucher in das vermeintliche Naturparadies.

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foto: eovision 2018/eovision 2018/european space imaging

An einer Einschnürung des Juba-Flusses hat sich die somalische Stadt Luuq gebildet. Entlang des Flusses gedeihen prächtige Obstgärten, in einiger Entfernung herrscht hingegen Wassermangel.

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foto: eovision 2018/ us geological survey 2018

Ein Meilenraster regelt die landwirtschaftlichen Besitzverhältnisse bei Fargo im Mittelwesten der USA. Nur ein Fluss bringt Unordnung in die quadratische Felderaufteilung.

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foto: eovision 2018/european space imaging

In der Davis Monthan Air Base bei Tucson, USA, werden am weltweit größten Flugzeugfriedhof alte Militärflugzeuge zerlegt und brauchbare Bestandteile entnommen.

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foto: eovision 2018/european space imaging

Mit 28.000 Einwohnern pro Quadratkilometer zählt Manhattan zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Erde.

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foto: eovision 2018/european space imaging

Immer wieder kommt es in der Sahel-Zone zu längeren Dürrezeiten. Auch in Magaria Tounkour, Niger, wirkte sich die lange Dürrephase um das Jahr 2010 stark aus und brachte eine massive Bedrohung für das Überleben der Menschen.

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foto: eovision 2018/european space imaging

Große Teile des Salzsees Salar de Atacama in Chile sind von Verdunstungsbecken bedeckt, die der Lithiumgewinnung dienen. Als wichtiger Bestandteil von Akkus spielt Lithium in der Elektronik oder bei Elektroautos eine wichtige Rolle.

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foto: eovision 2018/european space imaging

Die Goldmine bei Kalgoorlie ist eine der bekanntesten Minen Australiens. 28 Tonnen Gold werden hier jährlich abgebaut, dafür müssen 15 Millionen Tonnen Gestein aus dem Felsen gesprengt werden.

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foto: eovision 2018/european space imaging

Wie deutlich der wirtschaftliche Aufschwung Chinas mit einer Umgestaltung der Landschaft verbunden ist, zeigt sich in der Nanhui New City südlich von Shanghai. Mit 5,6 Quadratkilometern ist der dort angelegte Dishui-See der größte künstliche Süßwassersee Chinas.

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foto: eovision 2018/european space imaging

Das am südlichen Rand der Lagune von Venedig gelegene Chioggia existiert bereits seit der Zeit der Römer. So wie auch Venedig ist die Stadt auf Inseln gebaut und von Kanälen durchzogen.

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foto: eovision 2018/european space imaging

Lujiazui ist ein Teil des Bezirks Pudong in Shanghai und beheimatet mehrere Superlative: Der 2015 fertiggestellte Shanghai Tower ist mit 632 Metern der zweitgrößte Wolkenkratzer der Welt und der höchste in China. Das 492 Meter hohe Shanghai World Financial Center zählt ebenfalls zu den höchsten Gebäuden der Erde.

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foto: eovision 2018/european space imaging

Die kasachische Steppe bei Schubarschi ist von einem dichten Netz von Bohrlöchern, Leitungen und Straßen überzogen. Mehr als 62 Millionen Tonnen Erdöl pro Jahr wurden zuletzt von Kasachstan exportiert.

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foto: eovision 2018/european space imaging

Bei Naivasha in Kenia wird Gemüse in Kreisbewässerungsfeldern angebaut. Die Kreise sind in unterschiedlich große Sektoren unterteilt, auf denen diverse Kulturen angebaut werden.

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foto: eovision 2018/european space imaging

Künstliche Inseln wie The Palm in Dubai an der Südküste des Persischen Golfs stillen die Nachfrage an direkt am Wasser gelegenen Flächen.

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foto: eovision 2018/european space imaging

Um das hügelige Gelände des chinesischen Lösshochlands für den Reisanbau nutzbar zu machen, wurden dort über Jahrtausende hinweg Terrassen errichtet. Diese schützen auch den Boden vor Erosion.

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foto: eovision 2018/european space imaging

In der Nähe der Nordostspitze Borneos erstrecken sich Korallenriffe und kleine Inseln. Einst lebten dort Seenomaden auf Booten, mittlerweile haben sich bei Semporna aber Pfahlbaudörfer gebildet.

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foto: eovision 2018/european space imaging

Die Verdrängung von Eukalyptuswäldern durch Äcker hat im Südwestens Australiens einen starken Einfluss auf den Salzgehalt des Bodens. Bei wird Landwirtschaft um Salztümpel betrieben – die Bodenversalzung ist ein großes Problem für die Region.

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foto: eovision 2018/european space imaging

Ein Herz der Solarenergie: Das Solarturmkraftwerk Khi Solar One bei Upington, Südafrika, liefert mit einer Fläche von 1,4 Quadratkilometern 50 Megawatt Leistung. Mehr als 4000 herzförmig angeordnete Spiegel richten sich nach dem Sonnenstand aus, um das Sonnenlicht auf der Turmspitze zu bündeln.

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foto: eovision 2018/ european space imaging

Zwischen 2000 bis 2500 Metern Höhe ist die Regionen Al-Khuraibah im Jemen gelegen. Nur die tiefen Lagen sind von Menschen besiedelt, da dort Wasser fließt und Vegetation gedeiht.

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