Wie man sich nach EMS-Training fühlt

    Kolumne20. Februar 2019, 11:01
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    EMS-Training soll durch Stromschläge Muskeln aufbauen. Doris Knecht hat's ausprobiert

    Nur weil ich wieder einmal gefragt wurde, was nochmal dieses Bodyweight-Training sei, ob das etwas mit Abnehmen zu tun hat: Nein, hat es nicht. Es heißt so, weil man fürs Training keine Geräte, sondern das eigene Körpergewicht einsetzt. Liegestütze, Burpees, Squats oder Lunges, effiziente Übungen mit Muskelkatergarantie, wenn man es nicht gewohnt ist.

    Apropos Muskelkater. Bis vor kurzem kannte ich niemandem, der je EMS-Training gemacht hat, abgesehen von einem Schauspieler, der für eine Rolle schnell ein bisschen Bauch-, Brust und Oberarmmuskulatur benötigte.

    EMS bedeutet Elektronische Muskel-Stimulation, es regt die Muskeln mit Stromreizen zur Kontraktion an, was sie schnell und effizient aufbauen und dabei den Körperfettanteil reduzieren soll. Ich bin in so ein Studio gegangen. Es gibt jetzt viele, oft in leerstehenden Geschäftslokalen, sie brauchen nicht viel Platz: ein Gerät pro Trainierenden, ein paar Umkleidekabinen, Dusche und WC, mehr ist nicht nötig.

    foto: getty images/istockphoto/ kanzefar
    EMS-Training ist ein bisschen, wie wenn man einen Weidezaun angreift.

    Nasse Jacke

    Ich wurde freundlich von einer Trainerin mit überzeugender Muskulatur begrüßt, bekam etwas zu trinken, wurde sorgfältig ausgefragt: bisheriges Training, Fitnessziele, körperliche Beschwerden. Rückenprobleme? – Okay, dann sind wir da sehr vorsichtig. Ich bekam eine Kombi aus Shirt, Hose und rutschfesten Socken und dann eine schwere, nasse Jacke und ein paar Manschetten umgeschnallt, mit Elektroden und Kabeln, die in einem Trainingsgerät mit Haltegriffen und elektronischer Anzeige mündeten.

    Bei Grün ist Entspannungspause, bei Gelb lädt es. Bei Rot schickt es ein paar Sekunden lang Strom in die Muskelgruppen, die man in verschiedenen Übungen anspannt, immer angeleitet und korrigiert von der Trainerin, die auch die Stromstärke mit Reglern einstellt.

    Es kribbelt; so ein bisschen, wie wenn man einen elektrischen Weidezaun angreift. Es ist anstrengender, als es klingt, man kommt durchaus ins Schwitzen. Nach zwanzig Minuten ist es vorbei. Es kostet je nach Vertrag zwischen 25 und 40 Euro pro Einheit. Man trinkt noch ein Glas Wasser und geht seiner Wege.

    Sportmediziner raten von EMS-Training von "eher" bis "dringend" ab: Ungeschult betreut und falsch durchgeführt kann es zu Muskel- und Nierenschäden führen. Ich wartete auf den Ganzkörpermuskelkater, zwei Tage lang, er kam nicht. Entweder weil die Trainerin die Stromintensität moderat gehalten hatte. Oder weil man durch das regelmäßige Bodyweight-Traininig bereits Muckis hat. Ich neige selbstverständlich letzterer Erklärung zu.

    Weil man es dadurch gewohnt ist, Muskeln nicht nur aufzubauen, sondern auch zu dehnen, abzurollen und mit Balanceübungen zu stabilisieren, hinterlässt EMS das unbefriedigende Gefühl, dass man nicht alles getan und geschummelt hat. (Doris Knecht, RONDO, 20.02.2019)

    • Diese Woche lernt Doris Knecht Elektronische Muskel-Stimulation (EMS) kennen. Das ist anstrengender als vermutet, hinterlässt aber den Beigeschmack der Untätigkeit.
      foto: irina gavrich

      Diese Woche lernt Doris Knecht Elektronische Muskel-Stimulation (EMS) kennen. Das ist anstrengender als vermutet, hinterlässt aber den Beigeschmack der Untätigkeit.

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