Smartphones werden laut Studie häufiger ersetzt als Bekleidung

    26. November 2018, 16:37
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    Alle 2,7 Jahre wird im Schnitt ein neues Smartphone angeschafft. Experten fordern eine längere Lebensdauer

    Wien – Konsum ist keine freie und individuelle Entscheidung. Was man kauft und wie oft, orientiere sich auch an der "sozialen Praxis in einer Gesellschaft", sagte Renate Hübner von der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt bei einem Expertengespräch im Umweltministerium am Montag. Das werde vor allem bei dem neuen Leitmedium sichtbar: dem Smartphone, das durchschnittlich bereits alle 2,7 Jahre gewechselt wird und damit häufiger ersetzt wird als etwa eine Jeans, die durchschnittlich nach drei Jahren ausgetauscht wird.

    Bei vielen Geräten, etwa der Waschmaschine, zählt eine lange Lebensdauer. Smartphones werden dagegen auch ersetzt, wenn sie noch funktionieren. Dabei sind es laut einer Studie Hübners nur höchstens 30 Prozent der Österreicher, die tatsächlich immer das neueste Produkt haben wollen. Den restlichen zwei Dritteln sei das nicht weiter wichtig. Diese Informationen hat Hübner 2014 erhoben und 2015 in der Studie "Smartphones werden häufiger ersetzt als T-Shirts" verarbeitet.

    Smartphone als neues Leitgut

    Dieses Nutzungsverhalten sei ein Punkt, der bei der Diskussion über Obsoleszenz meistens zu kurz komme, so Hübner: "Mit diesem Ansatz unterscheiden wir uns von allen anderen Obsoleszenzstudien in den vergangenen Jahren in Europa." 20 Gebrauchsgüter wurden dafür näher untersucht, wobei das Smartphone besonders beleuchtet wurde.

    Hübner erklärt den Grund: "Gesellschaftliche Muster entwickeln sich oft entlang von Konsumgütern. Lange Jahre war das Auto das Leitgut, jetzt folgt das Smartphone." So wurde rund um das Auto die Infrastruktur ausgebaut, aber auch das Kaufverhalten abgepasst. Hübner nennt als Folge etwa Einkaufszentren außerhalb der Stadt. Auch für das Smartphone werde nun Infrastruktur geschaffen, etwa mithilfe der Breitbandoffensive, und das beeinflusse die Menschen bis in ihr Privatleben.

    "Schwächste Stelle bestimmt, wohin die Reise geht"

    Josef Plank, Generalsekretär im Umweltministerium, will die Lebensspanne von Smartphones auf zumindest fünf Jahre ausdehnen. "Die Klima- und Energiestrategie funktioniert nur, wenn sie mit bewusstem Konsum kombiniert wird." Es reiche nicht, in der gesamten Produktions- und Konsumkette nur einen Aspekt hervorzuheben.

    Dazu gehöre eben auch, sich selbst kritisch zu fragen: Brauche ich das wirklich? "Die schwächste Stelle bestimmt, wohin die Reise geht", sagte Plank.

    Rohrstoffe bei Design mitdenken

    Als Konsequenz müsse aber auch schon im Design von Produkten und bei der Herstellung intensiver mitgeplant werden, wie am Ende der Nutzung die wertvollen Rohstoffe wieder zurückgeführt werden. Bei der Entsorgung von Siedlungsabfällen gebe es schon Vorgaben: 55 Prozent müssen bis 2025 recycelt werden. Ab 2030 gilt das für 60 Prozent und ab 2035 für 65 Prozent.

    Bei dem häufigen Wechsel von Smartphones handle es sich weniger um ein Phänomen der Wegwerfgesellschaft, ergänzte Hübner, "sondern um eine Jäger-und-Sammler-Gesellschaft". Denn nachdem die neuesten Schnäppchen erlegt wurden oder ein billiges Angebot durch den Abschluss eines neuen Vertrags erworben wurde, werden die alten Smartphones oft zu Hause aufgehoben. "Es wäre sinnvoll, neue Konzepte zu denken und den Konsumenten eventuell als Supplier von Rohstoffen zu erkennen", so Hübner.

    Reparieren und Service stärken

    Ein Zukunftsmodell könnte in Reparatur, Tausch, aber auch im Service liegen. "Der stationäre Handel könnte damit zum Anwalt der Konsumenten werden und sich damit gegen den Onlinehandel bewähren", so Hübner.

    Die Studie zur Nutzungsdauer von Smartphones lief über ein Jahr, es wurden 1.000 Haushalte online befragt und 25 vertiefende Interviews geführt. (Julia Schilly, 26.11.2018)

    • Die Nutzung von Smartphones müsse nachhaltiger werden, fordern Umweltexperten.
      foto: apa/dpa/sebastian gollnow

      Die Nutzung von Smartphones müsse nachhaltiger werden, fordern Umweltexperten.

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