Weltweit sechs getötete Frauen pro Stunde durch Bezugspersonen

    25. November 2018, 23:00
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    Frauen würden "den höchsten Preis für Geschlechterungleichheiten, Diskriminierung und negative Klischees" zahlen, so UNODC-Exekutivdirektor Yury Fedotov

    Wien – Rund 87.000 Frauen sind weltweit im vergangenen Jahr getötet worden, 50.000 von ihnen (58 Prozent) von ihren Partnern oder Familienmitgliedern. Das sind rund sechs Frauen pro Stunde, die durch eine Person, die sie kennen, ihr Leben verlieren, wie eine vom United Nations Office on Drugs and Crime (UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung, Unodc) veröffentlichte Studie zeigt.

    Generell sei zwar der Großteil der Mordopfer männlich, Frauen würden aber weiterhin "den höchsten Preis für Geschlechterungleichheiten, Diskriminierung und negative Klischees" zahlen, sagte Unodc-Exekutivdirektor Juri Fedotow. Sie tragen das höchste Risiko, von Partnern oder Angehörigen getötet zu werden. Um geschlechtsspezifische Tötungsdelikte zu bekämpfen, brauche es zielgerichtete Antworten von Exekutive und Justiz. Mit den nunmehr präsentierten Daten sollten das Bewusstsein für die Problemlage verbessert und Gegenstrategien angestoßen werden. Weil sie um so viel häufiger von Gewalt in den eigenen vier Wänden betroffen sind, sei das Zuhause potenziell "der gefährlichste Ort für Frauen".

    Afrika am gefährlichsten

    Die höchste Rate weiblicher Mordopfer wies Afrika auf, wo drei von 100.000 Frauen durch Partner oder Familienmitglieder getötet werden. In Europa war die Rate mit 0,7 am niedrigsten, für die Amerikas lag sie bei 1,6. In absoluten Zahlen gab es die meisten weiblichen Mordopfer in Asien, dort wurden 20.000 Frauen innerhalb der Familie oder (Ex-)Beziehung getötet. Die Politik sei aufgerufen, Geschlechterungleichheiten und Diskriminierung von Frauen zu bekämpfen, hieß es von Unodc.

    In Österreich erlebt eine von fünf Frauen häusliche Gewalt. Angesichts der Zahlen zu Femiziden (Morden an Frauen, Anm.) und Mordversuchen in Österreich sehen auch die Organisatorinnen des Frauenvolksbegehrens im Bereich Gewaltschutz einen klaren Auftrag an die Regierung. 77 Frauen und Mädchen wurden 2017 Opfer eines Mordes oder Mordversuchs, fast zwei Drittel aller 42.079 Anzeigen wegen Tötung, Körperverletzung, sexueller Übergriffe und Raub standen in Zusammenhang mit Beziehungstaten.

    Die weltweite Kampagne "16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen" hat am 25. November, dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen, begonnen und endet am 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte. Auch in Österreich wird es zahlreiche Veranstaltungen geben. (APA, 25.11.2018)

    • Im spanischen Gijon wurde am Sonntag gegen sexuelle Gewalt an Frauen demonstriert. Dabei wurden auf einem Baum die Namen von ermordeten Frauen gehängt.
      foto: reuters/eloy alonso

      Im spanischen Gijon wurde am Sonntag gegen sexuelle Gewalt an Frauen demonstriert. Dabei wurden auf einem Baum die Namen von ermordeten Frauen gehängt.

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