Bombenanschlag auf Dortmund: Urteil erwartet

25. November 2018, 11:23
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Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft, Verteidigung weniger als zehn Jahre – Spruch wohl am Dienstag

Dortmund – Elf Monate hat das Dortmunder Schwurgericht verhandelt. Die Richter haben Zeugen vernommen, Gutachten in Auftrag gegeben und immer wieder auch den Angeklagten Sergej W. selbst zu Wort kommen lassen. Am Dienstag wird nun das Urteil erwartet – gegen den Mann, der am 11. April 2017 drei Bomben neben dem Mannschaftsbus von Borussia Dortmund gezündet hat.

Mordversuch oder nicht? Lebenslange Haft oder deutlich weniger als zehn Jahre? Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung haben zuletzt noch einmal deutlich gemacht, wie unterschiedlich die Prozessbeteiligten die Tat bewerten. Der Angeklagte hatte frühzeitig zugegeben, dass er derjenige war, der die Bomben gebaut, in einer Hecke am Mannschaftshotel versteckt und bei der Abfahrt des Busses zum Champions-League-Heimspiel gegen AS Monaco zur Detonation gebracht hat.

foto: apa/afp/dpa/thissen
Der Angeklagte Sergej W.

Angeklagter bestreitet Tötungsabsicht

Sergej W., der vor 29 Jahren in Russland geboren wurde, heute aber nur noch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, beteuert jedoch, dass er niemanden töten oder verletzen wollte. Es sei dem Angeklagten allein darum gegangen, Angst und Schrecken zu verbreiten, sagte Verteidiger Carl Heydenreich in seinem Plädoyer. Er habe keinen Tötungsvorsatz gehabt und sei deshalb "nur" wegen der Sprengstoffexplosion zu bestrafen. Das alleinige Ziel des 29-Jährigen sei es gewesen, den Kurs der BVB-Aktie zum Absturz zu bringen. W. hatte zuvor mit geliehenem Geld Optionsscheine erworben, mit denen er auf einen Kurssturz wettete.

foto: apa/webiste borussia dortmund
Der Screenshot von der Website von Borussia Dortmund zeigt den Kursverlauf der BVB-Aktie am Tag des Anschlags.

Ankläger: Versuchter Mord

Oberstaatsanwalt Carsten Dombert glaubt davon kein Wort. Immerhin habe der Angeklagte jeden Sprengsatz mit 65 Stiften aus Metall bestückt, die er extra an seinem Arbeitsplatz gesägt und gefeilt hatte. Die Schrapnelle wurden bei der Detonation durch die Luft geschleudert. Einer drang in den Mannschaftsbus ein und blieb in einer Kopfstütze stecken. Ein weiterer landete im Wohnzimmer eines benachbarten Hauses.

"Die Bomben waren nicht zu kontrollieren", sagte Dombert in seinem Schlussvortrag. Es komme nicht darauf an, dass bei der Tat zum Glück "nur" der damalige BVB-Verteidiger Marc Bartra am Arm verletzt wurde und ein Motorradpolizist ein Knalltrauma erlitt. Der Bombenanschlag sei in jedem Fall ein versuchter Mord gewesen, der mit lebenslanger Haft zu bestrafen sei. (APA, red – 25.11. 2018)

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