Sharing im Wohnbau: Geteilte Waschmaschine, geteiltes Auto

    24. November 2018, 08:00
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    Gemeinschaftsflächen in Wohnhäusern gibt es schon lang. Nun kommen gemeinsam genutzte Fahrzeuge hinzu, auch E-Scooter sind ein Thema

    Ein Umzug ist die beste Gelegenheit. Dann orientieren sich Menschen neu, müssen sich überlegen: Wie komme ich in die Arbeit? Wo gehe ich einkaufen? Wie kommen die Kinder in die Schule? Durch den Wohnungswechsel findet ein Umbruch statt, gleichzeitig ist das der beste Zeitpunkt, um das eigene Mobilitätsverhalten zu überdenken und auf andere Verkehrsmittel zu wechseln.

    Zum Beispiel: auf das eigene Auto verzichten und auf Carsharing umsteigen. Denn wer es schon einmal ausgerechnet hat, weiß, wie viel ein Auto monatlich kostet. Inklusive Abnutzung sind es für einen Haushalt mit Neuwagen pro Monat 500, mit einem Gebrauchtwagen immerhin noch 180 Euro, sagt Stefan Melzer vom Mobilitätsservice MO Point. "Sharingangebote scheinen oft teuer, bis man die Preise mit den monatlichen Kosten fürs eigene Auto vergleicht und sich überlegt, wie viel man für andere Dinge bereit ist zu zahlen, etwa für Netflix oder Spotify", sagt Melzer. Mit anderen Fahrzeuge zu teilen ist dann oft billiger. Vor allem weil Autos in Städten 95 Prozent der Zeit stillstehen.

    Günstiger kann ein Mobilitätskonzept auch für den Bauträger sein. Denn wenn es in einem Wohnbau alternative Fortbewegungsmittel gibt, lässt die Stadt zu, dass weniger Stellplätze errichtet werden müssen als eigentlich vorgeschrieben sind. "Bei durchschnittlichen Kosten von 15.000 Euro pro Stellplatz kommt da einiges zusammen", sagt Melzer. Damit kann jedenfalls die Mobilitätsstation finanziert werden. "Ob darüber hinaus Kosten gespart werden, ist Verhandlungssache und von Projekt zu Projekt unterschiedlich", so Melzer.

    Bequemes Auto

    Für viele Städter ist Bequemlichkeit das Hauptargument für das eigene Auto. Dabei spielt die "Last Mile", also der Weg von der Wohnung bis zur nächsten Öffi-Station oder bis zum nächsten Sharingfahrzeug eine Rolle. Praktischer wäre, das geteilte Auto direkt im Haus zu haben. Genau das ist auch das Konzept von MO Point: Im Wohnhaus sollen Fahrzeuge, vorwiegend mit Elektroantrieb, für alle Bewohner zur Verfügung stehen. "Sie werden genutzt wie Gemeinschaftsräume, die man mieten kann, oder die Waschmaschine in der Waschküche", sagt Melzer.

    Er kritisiert, dass im geförderten Wohnbau das Thema Mobilität noch kaum abgedeckt ist. "Vor allem im Betrieb sind die Kosten dafür zu hoch", sagt er und fordert eine Änderung im Mietrechtsgesetz. Insgesamt steigern sich durch die Sharingmöglichkeiten vor allem die Standortqualität und das Image einer Wohnimmobilie. Viele Bauträger freifinanzierter Wohnungen brauchen das zwar nicht, weiß Melzer, weil sie ohnehin alle Wohnungen gut verkaufen können. "Manche investieren aber trotzdem in die Zukunft", sagt er und erklärt, dass der Service mit den laufenden Betriebskosten abgerechnet werden kann. Bei einem Projekt mit 500 Wohnungen würden für eine 70 Quadratmeter große Wohnung zusätzlich etwa 10,50 Euro brutto pro Monat anfallen.

    Leicht zugänglich

    Melzers Unternehmen ist selbst Fahrzeughalter und Betreiber der Stationen. Man will vor allem Alternativen zum Auto attraktiver machen. Melzer weiß: Bei den meisten Bauträgern ist angekommen, dass etwa die Nutzung von Fahrrädern niederschwellig möglich sein muss. So sollten Fahrradabstellräume im Erdgeschoß und leicht zugänglich sein. "Im Idealfall muss man nicht drei Türen öffnen, um das Rad abzustellen. So wird es jeden Tag genutzt."

    Nicht jeden Tag, aber zumindest hin und wieder können jene Fahrzeuge genutzt werden, die der MO Point anbietet, dazu gehören etwa E-Autos, E-Mountainbikes oder E-Lastenfahrräder. Die Mobilitätsstationen – eine gibt es etwa in einer Anlage des Österreichischen Siedlungswerks in der Perfektastraße – können von einem Shop, Café oder einer Fahrradwerkstatt betrieben werden, sind aber auch im öffentlichen Raum und ohne Personal umsetzbar. Dann wird vollautomatisch gebucht und das Schließsystem mit einer App bedient. "Das kann man sich vorstellen wie das Foyer einer Bank, das rund um die Uhr geöffnet ist", sagt Melzer.

    Auch E-Scooter, die aktuell in Wien Schlagzeilen machen, können zum Angebot einer Station gehören. Mangelnde Aufklärung darüber, wie sie zu bedienen sind, gibt es bei MO Point aber nicht. Denn die Mitarbeiter bieten von Anfang an – auch schon vor der Fertigstellung – für die Bewohner einer Anlage Workshops und Einschulungen an, in denen erklärt wird, wie die Fahrzeuge zu bedienen sind. (Bernadette Redl, 24.11.2018)

    • Die Mobilitätsstationen können in privaten Wohnanlagen oder im öffentlichen Raum untergebracht sein.
      foto: mo.point gmbh

      Die Mobilitätsstationen können in privaten Wohnanlagen oder im öffentlichen Raum untergebracht sein.

    • In der Stadt gibt es viele Möglichkeiten, sich fortzubewegen. Wenn Fahrzeuge geteilt werden, spart das Stellplätze und schont die Umwelt.
      foto: istock/derstandard

      In der Stadt gibt es viele Möglichkeiten, sich fortzubewegen. Wenn Fahrzeuge geteilt werden, spart das Stellplätze und schont die Umwelt.

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