Der Sternstein zieht Wanderer, Läufer und Skifahrer an

    23. November 2018, 15:00
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    Von der Kaiser-Franz-Josef-Jubiläumswarte hat man nach bewältigtem Trailrun eine royale Aussicht über die rollenden Hügel des Mühlviertels.

    Der letzte Anstieg kostet Anstrengung – und 1,20 Euro für Erwachsene. Alpenvereinsmitglieder bezahlen 80 Cent. Und Schüler gar nur 40. Teuer ist er also nicht, der Eintritt zum Turm. Doch ob tatsächlich alle Besucher ihren Obolus entrichten und sich dabei an den passenden Tarif halten, lässt sich unmöglich sagen. Hier oben am Eingang zur Sternsteinwarte ist nämlich niemand, der kassiert.

    Die meisten wandern zur Warte, doch für einige ist sie auch Ziel eines Trailruns. Nicht ohne Grund ist der "Sternsteinlauf" zumindest in der oberösterreichischen Geländelaufszene "weltberühmt". Wer sich am Ende die Treppe auf den 20 Meter hohen Turm hinaufschraubt, ist vom Ausblick komplett überwältigt. Der 1899 als Kaiser-Franz-Josef-Jubiläumswarte errichtete Aussichtspunkt sollte das 50. Regierungsjahr des Monarchen unvergesslich machen, und er ragt so knapp über die Baumwipfel, dass man ihn von anderswo gar nicht sieht. Doch von oben sieht man das "Anderswo" umso besser.

    Morgendliches Nebelleuchten

    Das Mühlviertel breitet sich wie ein wellenförmiger Teppich aus. Man versteht sofort, was mit dem Begriff "rollende Hügel" gemeint ist. Bei gutem Wetter sieht man aber nicht nur Hügel, sondern auch den Dachstein und Watzmann. Wobei die Suche nach Namhaften eigentlich der falsche Zugang zum 1.122 Meter hohen Sternstein (die Tafel am Fuß der Warte gibt ihm sogar 1.125 Meter) ist: So wie das Mühlviertel an sich, punktet der Hausberg Bad Leonfeldens, von dessen mittelalterlichem Brunnen auf dem Hauptplatz man allerhöchstens eine Stunde raufläuft (oder zwei wandert), mit seiner Unprätentiösität.

    Idealerweise kommt man am frühen Morgen herauf. Der Moment, an dem die Sonne über den Horizont klettert, ist auf dem Sternstein ein besonderer: Es gibt nicht viele Orte, an denen das Aufsteigen des Nebels aus den Tälern so pittoresk ausgeleuchtet wird. Den Weg herauf kann man nach Lust und Laune wählen, es gibt derer etliche. Jeder Weg, der "Sternstein" im Namen trägt, führt zur granitenen Warte, doch es kann mitunter verwirren, wenn die Wanderkarte, die Wegweiser und die Laufuhr in unterschiedliche Richtungen weisen. Die Direttissima über die Skipiste sollte man sich aber auf jeden Fall für den Abstieg aufbewahren.

    Der Sternstein ist übrigens auch ein kleines, immer noch leistbares Familienskigebiet. Solange kein Schnee liegt oder wenn die Lifte morgens noch nicht fahren, ist der Weg ins Tal für Wanderer wie Läufer eine echte Überraschung: Was auf Skiern so flach wirkt, ist zu Fuß schwer zu bewältigen. (Thomas Rottenberg, 23.11.2018)

    Weitere Outdoor-Tipps:

    Google Maps: Wandern, Radfahren, Schneeschuh- und Skitouren in Österreich

    Service & Info

    karte: der standard

    Anreise: mit dem Zug bis Linz, weiter mit dem Postbus nach Bad Leonfelden (32 km)

    Strecken: Wege von Bad Leonfelden auf den Sternstein gibt es etliche – in der Regel beginnen sie alle am Hauptplatz der 4.200-Einwohner Stadt. Egal ob "Sternsteinweg", "Sternsteinrunde" oder eine der vielen als GPX-Tracks unter dem Namen "Sternstein" im Netz abgelegten Routen: Irgendwann landet man dann doch immer auf dem Platz zwischen den Granitblöcken und vor der Aussichtswarte. Die ist offiziell zwar ab November gesperrt – tatsächlich ist die Tür aber oft auch im Dezember noch unversperrt.

    Andere Wanderziele: Quer durch das Gemeindegebiet von Bad Leonfelden verläuft die Europäische Hauptwasserscheide. Die Linie, an der sich die Europas Wasserläufe entweder nach Norden – über die Moldau in die Elbe und in die Nordsee – oder nach Süden –über die Donau ins Schwarze Meer – orientieren, läuft über den Sternstein, ist aber lediglich in der Nähe des Miesenwaldes (einer anderen beliebten Wander- und Laufroute der Region) durch einen pittoresken Granitstein gekennzeichnet. Dort findet man auf Granitsteinen auch Artefakte ländlicher Arbeitswelten, Heimatdichter-Gedenksteine und Erinnerungen an den Eisernen Vorhang. Ein wenig weiter liegt die "Schwedenschanze", die Reste einer Befestigungsanlage aus dem 30-jährigen Krieg.

    Wellness & Tourismus: 1881 eröffnete Franz Kastner in Bad Leonfelden das erste Moorbad, das "Franzensbad". Nach dem ersten Weltkrieg wurde es geschlossen. Seit den 1960er-Jahren gibt es das Moorbad wieder. Moor wird unter dem Namen "Leonfelder Heilmoor" abgebaut und vertrieben.

    Skigebiet: Das gilt auch für das kleine Skigebiet am Sternstein: Zwei Sessel- und ein Schlepplift erschließen rund fünf Pistenkilometer, die – sobald die Temperaturen das zulassen – auch künstlich beschneit werden. Das Gros der Besucher stammt aus Oberösterreich oder Tschechien, meist sind es Tagesgäste mit Kindern, die erste Erfahrungen im Schnee sammeln. Von den Sternsteinliften aus führen auch zwei Langlaufloipen Richtung Bad Leonfelden und Miesenwald. Sie werden allerdings nur bei ausreichender Schneelage gespurt.

    Im Ort: Die Firma Kastner ist seit 1559 in Bad Leonfelden ansässig und stellt unter anderem Lebkuchen her. Besucherzentrum: www.lebzeltarium.at

    Der Aufenthalt in Bad Leonfelden erfolgte auf Einladung des Hotels Falkensteiner

    • So wie das Mühlviertel an sich, punktet der Hausberg Bad Leonfeldens mit seiner Unprätentiösität.
      foto: thomas rottenberg

      So wie das Mühlviertel an sich, punktet der Hausberg Bad Leonfeldens mit seiner Unprätentiösität.

    • Irgendwann landet man dann doch immer auf dem Platz zwischen den Granitblöcken.
      foto: thomas rottenberg

      Irgendwann landet man dann doch immer auf dem Platz zwischen den Granitblöcken.

    • Die meisten wandern zur Warte, doch für einige ist sie auch Ziel eines Trailruns.
      foto: thomas rottenberg

      Die meisten wandern zur Warte, doch für einige ist sie auch Ziel eines Trailruns.

    • Der 1899 als Kaiser-Franz-Josef-Jubiläumswarte errichtete Aussichtspunkt  sollte das 50. Regierungsjahr des Monarchen unvergesslich machen
      foto: thomas rottenberg

      Der 1899 als Kaiser-Franz-Josef-Jubiläumswarte errichtete Aussichtspunkt sollte das 50. Regierungsjahr des Monarchen unvergesslich machen

    • Eine lohnende Variante führt über das "1.000 Meter Platzl", einen Rastplatz mit schönem Fernblick in Richtung Südwest, auf – erraten – 1.000 Metern Seehöhe, bevor es dann, quasi "hintenrum" zur Warte hinauf geht.
https://connect.garmin.com/modern/activity/3147044502
      foto: thomas rottenberg

      Eine lohnende Variante führt über das "1.000 Meter Platzl", einen Rastplatz mit schönem Fernblick in Richtung Südwest, auf – erraten – 1.000 Metern Seehöhe, bevor es dann, quasi "hintenrum" zur Warte hinauf geht.

      https://connect.garmin.com/modern/activity/3147044502

    • Der Sternstein ist übrigens auch ein kleines, immer noch leistbares Familienskigebiet.
      foto: thomas rottenberg

      Der Sternstein ist übrigens auch ein kleines, immer noch leistbares Familienskigebiet.

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