OnePlus 6T im Test: Ein tolles Handy muss nicht 1.000 Euro kosten

    25. November 2018, 11:24
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    Der Hersteller verfeinert die Formel für sein Flaggschiff, das nun aber ohne Kopfhörerklinke auskommt

    Die Zeiten, in denen namhafte Hersteller ihre Topsmartphones für 500 oder 600 Euro angeboten haben, sind schon länger vorbei. Seit Apples iPhones die 1.000-Euro-Marke durchbrochen hat, haben andere Größen nachgezogen. 999 Euro wollte Samsung zum Marktstart mindestens für sein Note 9. Und auch Huawei setzte den Mindestpreis für das Huawei Mate 20 Pro auf einen "Tausender". Wer stattdessen zu Sony und Co. greift, kommt nur geringfügig günstiger davon.

    Doch es gibt noch Firmen, die diese Hochpreis-Strategie nicht verfolgen. Da wäre etwa Huaweis Tochtermarke Honor, deren Topmodelle allerdings im Vergleich ein paar Abstriche machen. Anders OnePlus. Das neue OnePlus 6T soll in allen Belangen vorne mitspielen, aber mit 550 Euro nur halb so viel kosten, wie die Premiummodelle der "Großen". Der STANDARD hat das Versprechen überprüft.

    foto: standard/pichler

    Gutes AMOLED-Display

    Über die Jahre hat auch OnePlus seine Strategie angepasst. Denn Smartphones wie das OnePlus One, 2 oder 3 und 3T waren für ihren vergleichsweise enorm niedrigen Preis sehr gut, den etablierten Spitzengeräten aber in einigen Aspekten – besonders der Kamera – aber um eine Klasse unterlegen. Seit dem Vorjahr will man aber technisch an diese Elite anschließen, dafür müssen die Käufer allerdings einen Preissprung von einst 250 auf nunmehr 550 Euro in Kauf nehmen.

    Dafür gibt es nun aber eben Ausstattung, die sich vor Samsung und Konsorten nicht verstecken muss. Ein AMOLED-Display mit einer Diagonale von 6,4 Zoll im Format 19,5:9 liefert 2.340 x 1.080 Pixel. Die Farbdarstellung ist kräftig und kontrastreich, die maximale Helligkeit sollte auch unter hellem Sonnenlicht gute Ablesbarkeit garantieren.

    foto: standard/pichler

    Gut verarbeitet, aber groß

    Das Gehäuse, in der beliebten Metall-Glas-Ausführung ist top verarbeitet. Die Rückseite wurde angeraut und beschichtet. Das Erleichtert nicht nur das Fotografieren des Handys, sondern sorgt auch für besseren Halt. Sie ist aber immer noch relativ glatt, weswegen die Verwendung einer Schutzhülle empfohlen ist. Ein Exemplar aus teiltransparentem Silikon ist beigelegt.

    Trotz der schlanken Ränder ist das OnePlus 6T mit Maßen von 157,5 x 74,8 x 8,2 Millimeter definitiv kein kompaktes Handy und mit 185 Gramm Gewicht auch auf der schwereren Seite. So man nicht besonders große Hände hat, lässt sich vieles auf dem Gerät nicht mehr sinnvoll einhändig erledigen. Ein/Aus-Schalter und Lautstärkewippe sind noch gut zu erreichen. Wer den dreistufigen Regler für den Benachrichtigungsmodus (Ton, nur Vibration, komplett lautlos) betätigen will, muss allerdings etwas Fingerakrobatik betreiben.

    foto: standard/pichler

    Zurück zu den Rändern: Um diese rundum schmal zu halten, bedient sich OnePlus zweier "Tricks". Direkt zu sehen ist der "Notch", in dem Frontkamera und Näherungssensor sitzen. Fiel er beim Vorgänger, dem OnePlus 6, noch relativ breit aus, hat man ihn nun auf einen "Tropfen" reduziert. Störend fiel dieser im Betrieb nicht auf. Einzig bei Spielen oder anderen Vollbildapps, die das Bildschirmformat unterstützen, könnte er zum Problem werden. Ob dieser Designzugang gefällt, bleibt darüber hinaus Geschmacksfrage. Subjektiv ist er jedenfalls schöner, als sein "rechteckiges" Pendant.

    In-Display-Fingerabdruckscanner

    Nicht gleich zu sehen ist die zweite Maßnahme. Beim OnePlus 5T und 6 verlagerte man ihn von der Front auf die Rückseite, nun sitzt er wieder vorne. Allerdings nicht im "Kinn" des Gerätes, sondern direkt im Display – ein noch seltenes Feature, das bislang sonst nur dem Huawei Mate 20 Pro/RS, Xiaomi Mi 8 Pro/Explorer und Meizu 16 vorenthalten geblieben ist.

    Eine entsprechende, grafische Markierung zeigt nun, wo man den Finger auflegen muss, um das Gerät zu entsperren. Das klappte auch fast immer zuverlässig, wenn auch einen Tick langsamer als mit "traditionellen" Sensoren.

    foto: standard/pichler

    Alternativ verspricht OnePlus auch einen sicheren Login via Faceunlock, der aber in seiner Umsetzung nicht mit Apples FaceID vergleichbar ist. Auch das klappt recht gut, solange es halbwegs hell ist. Für die Gesichtsentsperrung kann das Handy die Displayhelligkeit optional hoch schalten, sollte das Umgebungslicht nicht ausreichen. Doch auch das verhindert nicht, dass die Erkennung abends im Licht der Straßenbeleuchtung öfters versagt.

    Spezifikationen

    Unter der Haube steckt Qualcomms Spitzenchip des Jahres 2018, der Snapdragon 845. Je nach Modell stehen ihm 6 oder 8 GB RAM zur Seite. Der Onboardspeicher bietet eine Kapazität von 128 oder 256 GB, erweitert werden kann er nicht. Auf der Kommunikationsseite werden auch alle "Stückl'n" gespielt. Das OnePlus 6T beherrscht LTE, ac-WLAN, Bluetooth 5.0 und NFC. In den SIM-Einschub passen zwei Telefonkarten im nano-Format. Diese Spezifikationen entsprechen – abgesehen vom Upgrade des Einstiegsmodells von 64 auf 128 GB Speicher – dem direkten Vorgänger.

    foto: standard/pichler

    Das gilt auch für das Kamera-Setup, das unverändert geblieben ist. Auf der Rückseite findet sich eine Dualkamera mit 20 + 16 Megapixel mit optischer Bildstabilisierung und Dual-LED-Blitz und hybridem Autofokus. Die Frontkamera bietet 16 MP auf, wird mithilfe des Bewegungssensors elektronisch stabilisiert und ist mit Autofokus und HDR-Funktion ausgestattet.

    Gut optimiert

    Zur grundlegenden Performance gibt es nicht viel zu sagen. Wie auch das OnePlus 6 spielt es in den Benchmarks vorne mit. Knapp 300.000 Zähler gibt es beim Allroundtest mit Antutu, eine leichte Steigerung von rund 10.000 Punkten. Beim 3D-Benchmark 3DMark (Slingshot Extreme) gibt es einen Score von 4.700, ebenfalls ein Wert im oberen Spitzenfeld. Auch mit grafisch aufwändigen Games hat das Handy dementsprechend keine Schwierigkeiten. Bei längerer Last erwärmt sich der obere Bereich des Telefons, allerdings nicht in einem unangenehmen Maß.

    foto: standard/pichler

    Nach wie vor spitze ist OnePlus auch bei der restlichen Optimierung seiner Android-Version "Oxygen OS", die hier ab Werk auf Android 9 "Pie" basiert. Das Interface läuft butterweich und verzichtet auf große ästhetische Änderungen. Dafür gibt es allerlei Zusatzoptionen. Der Spielemodus priorisiert etwa das gerade laufende Game und unterbindet störende Benachrichtigungen. Der Lesemodus erhöht den Kontrast, aktiviert den Blaulichtfilter und stellt auf monochrome Darstellung um.

    Kamera mit neuem Nachtmodus

    Die Kamera kann sich bei Tageslicht nach wie vor mit Samsung und Konsorten messen. Selbst im trüben Herbstwetter gelingen schöne Bilder mit recht hohem Detailgrad und knackiger, aber nicht übertriebener Farbdarstellung. Ein hybrider 2x-Zoom ermöglicht es, Motive mit nur geringen Verlusten näher heran zu holen. Bei knappen Nahaufnahmen neigt die Kamera dazu, äußere Bereiche etwas unscharf darzustellen.

    Neu dabei ist nun ein Nachtmodus, der auch ohne Stativ gute Aufnahmen bei problematischen Lichtverhältnissen bieten soll. Der Test zeigt: Das funktioniert erstaunlich gut. Die Ergebnisse erreichen zwar nicht die Qualität des Nachtmodus der Huawei-Flaggschiffe, bei deren Einsatz von langer Belichtungszeit ist ein Stativ aber unumgänglich. Das Ergebnis des OnePlus-Nachtmodus ist für rund eine Sekunde Aufnahmezeit mehr als beachtlich.

    foto: standard/pichler

    Übrigens: Wer das Ganze um noch eine Stufe upgraden will, kann eine portierte Version der Google Camera-App installieren und dann am OnePlus 6 und 6T den KI-gestützten Night Sight-Modus nutzen.

    Gut schlägt sich auch die Frontkamera. Es scheint, als wäre das Handy nun besser darin, im Porträtmodus die Kanten des Vordergrunds zu erkennen. Fotos sind detailreich und scharf. lediglich die Farbdarstellung fällt eine Spur blasser aus, als bei der Hauptkamera.

    Akustische Fortschritte

    Das Akustik-Defizit, mit dem das OnePlus 6 im Frühsommer auffiel, hat der Hersteller teilweise beseitigt. Der Sound aus dem Mono-Lautsprecher klingt nun deutlich "voller" und macht beinahe den Eindruck einer Stereo-Wiedergabe. hier gehört das OnePlus 6T nun zu den besseren Smartphones am Markt.

    foto: standard/pichler

    Allerdings fällt auf, dass keine Miniklinken-Kopfhörer mehr direkt an das Handy angehängt werden können. In Ermangelung eines entsprechenden Anschlusses muss entweder ein Hörer mit USB-C-Stecker, oder der beigelegte Dongle verwendet werden. Zum Opfer gefallen ist die Klinke offiziell dem In-Display-Fingerabdruckscanner.

    Ob dieser Handel ein guter ist, muss freilich jeder für sich selbst beurteilen. Die Entscheidung mutet zumindest seltsam an, hat sich OnePlus doch noch Anfang des Jahres darauf berufen, wie populär dieses Feature sei und auch immer wieder Seitenhiebe gegen Apple ausgeteilt, nachdem der Kopfhöreranschluss dort mit dem iPhone 7 beerdigt wurde.

    Verbesserungswürdig bleibt aber die Telefonieakustik. Das Handy ist gut darin, Hintergrundgeräusche auszufiltern. Die eigene Stimme kommt beim Gesprächspartner aber nur mir einer gewissen Undeutlichkeit an, als würde man durch einen Vorhang sprechen. Umgekehrt lässt die Ausgabe über den Ohrhörer auch an Klarheit vermissen, womit ein höchst durchschnittlicher Eindruck zurück bleibt.

    foto: standard/pichler

    Etwas bessere Akkulaufzeit

    Einen Sprung nach vorne hat OnePlus bei der Akkulaufzeit versprochen. Die Kapazität deR Lithium-Polymer-Batterie wurde von 3.300 auf 3.700 mAh erhöht, auch als "Gegenleistung" für den entfernten Kopfhöreranschluss. In der Praxis kommt man auch als Vielnutzer nach wie vor recht gut über einen Arbeitstag und hat nun etwas mehr Reserven. Die Akkulaufzeit ist gut, aber nicht überragend. Andere Spitzenhandys mit ähnlichen Spezifikationen schneiden tendenziell besser ab.

    Dank der Schnellladefunktion, die wie gehabt mit bis zu 20 Watt und 4 Ampere arbeitet. Binnen einer halben Stunde lässt sich der Füllstand ungefähr von 0 auf 50 Prozent anheben. Die Bezeichnung "Dash Charge" wurde gestrichen, was wohl mit dem Markenrechtsstreit zwischen dem Zubehörhersteller Bragi und OnePlus zu tun hat.

    foto: standard/pichler

    Fazit

    Ein größeres Display, ein neuer Fingerabdruckscanner, ein frischer Kameramodus, besserer Lautsprecher-Sound, ein vergrößerter Akku, aber keine Kopfhörerklinke mehr. Der Sprung vom OnePlus 6 auf das 6T ist zwar nicht revolutionärer Natur, aber für ein Halbjahresupgrade durchaus ordentlich. Und als Paket überzeugt das Handy nach wie vor. Dazu gibt es gewohnte Stärken, wie sehr gute Performance und ein recht "sauberes" Android-System mit ein paar Zusatzfunktionen.

    Die Basisversion ist zwar um 20 Euro teurer geworden, bietet nun aber auch 128 statt 64 GB Speicher. Für die anderen Ausgaben hat sich preislich nichts geändert. Wer die Vorgängermodelle bis zum OnePlus 5 schon mochte, wird auch hier ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis vorfinden. Auf jeden Fall zeigt OnePlus, dass ein Handy, das vielen Spitzengeräten gut das Wasser reichen kann, keine 1.000 Euro kosten muss. (Georg Pichler, 25.11.2018)

    Update, 13:55 Uhr: Angabe zur Soundwiedergabe über Lautsprecher korrigiert. Es handelt sich weiter um einen – allerdings deutlich aufgewerteten – Mono-Lautsprecher.

    Testfotos

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    Hinweis im Sinne der Leitlinien: Das Testgerät wurde von OnePlus zur Verfügung gestellt.

    Links

    OnePlus 6T

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