Spinnen verlieren allmählich ihre Scheu vor künstlichem Licht

26. November 2018, 08:00
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Neue Studie liefert Hinweise auf zunehmende Lichttoleranz von Spinnen im städtischen Raum

Dass Insekten unter der zunehmenden Lichtverschmutzung leiden, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Zuletzt hat eine Studie deutscher Wissenschafter nachgewiesen, dass künstliches Licht die Populationen von Fluginsekten zersplittern, was nicht zuletzt auch deren genetischen Austausch erschwert. Spinnen dagegen meiden normalerweise das Licht. Eine aktuelle Studie zeigt allerdings, dass die Arachniden mit den Umweltveränderungen ganz gut umgehen können und vielleicht sogar davon profitieren.

Das Phänomen lässt sich mittlerweile in urbanen Umgebungen häufig beobachten: Wo Straßenlaternen ihr Licht verbreiten, bauen auch Spinnen ihre Netze. Auch im Inneren von Gebäuden fühlen sich die Spinnen zunehmend wohl. Um diese Wahrnehmung auf ein wissenschaftliches Fundament zu stellen, hat ein Team um Tomer Czaczkes von der Universität Regensburg genauer hingesehen.

Spinnenart aus beiden Welten

"Zuerst mussten wir eine gewöhnliche Spinnenart finden, die sowohl in urbanen wie in ruralen Gegenden vorkommt", erklärt Cristina Tuni (Ludwig-Maximilian-Universität in München), Koautorin der Studie im Fachjournal "The Science of Nature". "Wir haben uns auf Steatoda triangulosa geeinigt, wahrscheinlich die häufigste Spinne in unseren Gebäuden. Wir haben nur ungefähr fünf Minuten gebraucht, um eine hinter einem Schreibtisch in unserem Büro zu finden." Im Gegensatz zur Stadt wurde es zur Herausforderung Eiersäcke von ländlichen Achtbeinern zu finden. Daher wurde Spinnenexperte Paolo Ghislandi in Städte und Nationalparks an der Mittelmeerküste geschickt.

Zurück im Labor in München hat das Team die frisch geschlüpften Spinnen auf ihre Lichtpräferenz getestet. Dabei zeigte sich, dass Jungtiere aus ländlichen Gegenden die helle Seite gemieden und ihre Netze bevorzugt im Dunklen gebaut haben. Den städtischen Jungtieren war es hingegen egal, wo sie ihre Netze gebaut haben. Das Licht schien sie nicht zu stören.

Vorteilhafter Verlust der Lichtscheue

Damit scheint klar: Die urbanen Spinnen haben ihre Abneigung gegen Helligkeit abgelegt – aber warum? "Das ist nicht ganz klar", sagt Czaczkes. "Es könnte sein, dass sie eine Vorliebe für Licht entwickeln, da sie dort mehr Nahrung finden. Oder es könnte sein, dass es einfacher ist, innerhalb von Gebäuden zu überwintern, also Spinnen, denen das Licht nichts ausmacht, besser überleben. Es könnte beides oder etwas komplett anderes sein." Was jedoch offensichtlich ist: Durch den Menschen verändert sich die natürliche Umwelt stark und die Tiere müssen sich den neuen Gegebenheiten anpassen oder haben verloren. (red, 26.11.2018)

  • Steatoda triangulosa aus der Gattung der Fettspinnen hat mit der Lichtverschmutzung leben gelernt.
    foto: tobias hauke

    Steatoda triangulosa aus der Gattung der Fettspinnen hat mit der Lichtverschmutzung leben gelernt.

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