Amazon: Retouren werden weiterhin massenhaft zerstört

    23. November 2018, 10:57
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    Amazon versucht Rücksendungen zu reduzieren. Derzeit gehen 30 Prozent der Pakete zurück an den Absender

    Die Geschichte sorgte im Juni dieses Jahres für Schlagzeilen: Amazon vernichtet massenhaft Rücksendungen und neuwertige Produkte. Eine Mitarbeiterin des Onlinehändlers berichtete, dass sie jeden Tag Waren im Wert von mehreren zehntausend Euro vernichtet habe. Dazu gehörten Kühlschränke, Wasch- und Spülmaschinen, Handys, Tablets, Matratzen und Möbel. Amazon zerstöre dabei nicht nur unbrauchbare Produkte, sondern auch funktionstüchtige und teilweise neue Artikel.

    Retouren landen auf dem Müll

    Nach STANDARD-Recherchen hat sich seit den Enthüllungen im Sommer daran wenig geändert. Zwar bemüht sich der Onlinehändler, von dieser Praxis Abschied zu nehmen, aber weiterhin landen Retouren auf dem Müll.

    Laut Informationen der Österreichischen Post gehen rund 30 Prozent der bei Amazon gekauften Pakete wieder zurück an den Absender. Wobei es zwischen den Produktgruppen große Unterschiede gibt: Bei Büchern oder CDs gehen nur sechs bis acht Prozent wieder zurück, bei Bekleidung sind es über 40 Prozent.

    Maßnahmen und Kosten

    Amazon betont, dass nicht alle Retouren vernichtet würden. Man habe mehrere Programme, um die Zahl der entsorgten Produkte zu reduzieren. Dazu gehören verbilligter Verkauf von Retouren, Produktspenden an gemeinnützige Organisationen, Recycling oder die Veräußerung an Aufkäufer. Ergänzend wird versucht, mithilfe von Algorithmen Nachfrageprognosen zu erstellen, um die Anzahl der nicht verkauften Artikel zu minimieren.

    Da jede Rücksendung Kosten verursacht, ist Amazon besonders bemüht, die Zahl der Retouren nicht ins Unermessliche steigen zu lassen. Ein Mittel zur Retourenvermeidung sind möglichst genaue Artikelbeschreibungen. Wie viele Produkte tatsächlich auf dem Müll landen, ist bei Amazon nicht in Erfahrung zu bringen.

    Retourenquote bei Zalando bei durchschnittlich 50 Prozent

    Branchenunübliche Transparenz praktiziert das Online-Modehaus Zalando. Das Berliner Unternehmen hat 300.000 Artikel von 2.000 Marken im Sortiment und verschickte 2017 über 90 Millionen Sendungen in 15 europäische Länder. Bekleidung und Schuhe werden besonders häufig zurückgeschickt: "Über alle Märkte liegt die Retourenquote bei durchschnittlich 50 Prozent", erklärte eine Sprecherin – die Retourenquote im Modegeschäft ist höher als bei anderen Produkten.

    Der Großteil kommt unbeschädigt zurück und wird wiederverkauft. Leicht beschädigte Ware wird billiger abgegeben, manches gespendet. "Zalando vernichtet Waren nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel wenn dies aus gesundheitlichen Gründen – Schädlingsbefall, Schadstoffbelastung oder Ähnliches – notwendig ist. Das betrifft etwa 0,05 Prozent aller Artikel", heißt es von dem Unternehmen. (sum, 23.11.2018)

    • Laut Informationen der Post gehen rund 30 Prozent der bei Amazon gekauften Pakete zurück an den Absender.
      foto: apa

      Laut Informationen der Post gehen rund 30 Prozent der bei Amazon gekauften Pakete zurück an den Absender.

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