Dompfarrer Faber: "Man sagt, ich würde auch Hundehütten einweihen"

    25. November 2018, 10:00
    154 Postings

    Einen sachlichen Grund gibt es für Gebäude-Einweihungen nicht. Dennoch hat der Brauch Tradition – auch bei kuriosen Objekten

    Er hat schon so ziemlich alles eingeweiht, was man nur einweihen kann: Wiens Dompfarrer Toni Faber segnet pro Jahr zwischen 100 und 150 Gebäude und Räumlichkeiten. Darunter Geschäftslokale, Banken, Hotels, Büros, Anwaltskanzleien, Arztpraxen, Pflegeheime, Lokale oder die neue Postzentrale am Rochusmarkt.

    Auch medienwirksame Objekte wie der Würstelstand Bitzinger bei der Albertina, der Atlantiktunnel im Haus des Meeres und ein Kloster, das vorher ein Bordell gewesen war, waren dabei. 2002 weihte der Dompfarrer die Absprungrampe für Bungee-Jumper am Donauturm ein und stürzte sich dabei aus über 150 Metern selbst in die Tiefe. Ein anderes Mal fand er sich inmitten von Strapsen und Reizwäsche wieder, als er eine Palmersfiliale in der City einweihte. "Warum soll ich so ein Geschäft nicht segnen, wenn der Geschäftsführer, der Oberministrant war, mich darum bittet?", so Faber, der die mediale Aufmerksamkeit bei solchen Events gewöhnt ist.

    foto: apa / hans klaus techt
    Da staunten sogar die Fische: Dompfarrer Toni Faber bei der Eröffnung des Atlantiktunnel-Aquariums im Haus des Meeres.

    Was der Segen nützt

    "Die Leute spotten immer, ich würde auch Hundehütten einweihen", so der Dompfarrer. Er mache das aber aus der Überzeugung heraus, dass eine Segnung eine schöne Gelegenheit ist, sich daran zu erinnern, dass man am Ende nicht alleine für den Erfolg eines Projektes verantwortlich ist: "Mit Zuspruch verändert man ein Werk, Komplimente verändern Menschen. Mir ist es daher zu wenig zu sagen: ‚Nutzt es nichts, schadet es nichts.‘ Denn die neue Physik lehrt uns, dass nicht nur das Messbare existiert. Dazu muss ich nicht esoterisch sein", erklärt Faber seinen Standpunkt zum Thema Segnungen. Da gebe ihm der bekannte Mediziner und Theologe Johannes Huber recht.

    Religiöse Gegenstände und Weihwasser

    Doch was braucht man, um ein Gebäude oder Räumlichkeiten einweihen zu lassen? Auf alle Fälle einen religiösen Gegenstand, etwa ein Kreuz oder ein Bild von gefalteten Händen. Der Dompfarrer geht bei Bedarf auch auf verschiedene religiöse Gruppen ein und segnet dann mit ökumenisch interreligiöser Offenheit.

    Weihwasser ist grundsätzlich wichtig für die Zeremonie, aber zur Not tun es auch ein paar Tropfen Champagner, wie Faber von einer außergewöhnlichen Geschäftseinweihung im ersten Bezirk berichtet, die ganz spontan zustande kam. Im Normalfall trägt er aber eine Art Stift, das sogenannte Aspergill, mit sich, der mit geweihtem Wasser gefüllt ist. Toni Faber erscheint zu Einweihungen mit Priesterhemd und einer Stola.

    Den Gebetsschal sucht er je nach Anlass aus: "Bei den Farben versuche ich Rücksicht auf die Firmenfarben zu nehmen. Das muss man schon lebenszugewandt und humorvoll machen, damit die Leute nicht glauben, sie sind bei einem Kerzenschluckerverein." Je nach Situation geht er auf die Geschichte, die Gründung und die Umstände der Segnung ein. Vor kurzem hat er die Vereinsniederlassung der Österreichischen Gesellschaft vom Goldenen Kreuz gesegnet. Auch bei der Segnung des Vinzidorfes durch Weihbischof Franz Scharl war Faber mit dabei.

    foto: österreichische post ag / dean treml
    Andere haben den Kugelschreiber immer dabei, der Dompfarrer sein Aspergill. Hier in passenden Farben bei der Einweihung der neuen Postzentrale am Rochus.

    Aufmerksamkeit garantiert

    Bei der Wirtschaftskammer Wien erklärt man sich die Motivation der Handels- und Gewerbetreibenden, aber auch vieler Einpersonenunternehmer für Einweihungen so: "Die Menschen sind stolz auf den neuen Standort, haben ihn oft selbst gebaut oder eingerichtet und möchten das zelebrieren und nebenbei bekanntmachen." So eine Eröffnung funktioniert natürlich auch ohne Kirchenmann, doch wo Toni Faber dabei ist, ist auch Aufmerksamkeit garantiert, was auch nicht schlecht fürs Geschäft ist.

    Beim Office-Opening der Beratungsagentur Czipin im Palais Helmer & Fellner in Wien hat man heuer eine geheimnisvolle Kiste mit gesegneten Gegenständen, die für die tägliche Arbeit wichtig sind, mit dem Dompfarrer vergraben, darin ein kleiner roter Elefant (Firmenlogo), ein Schlüssel und ein Auto. "Ich entstamme einer gläubigen Familie, Rituale hatten immer eine wichtige Bedeutung, und diese haben bei uns in der Agentur ebenso eine tragende Rolle", so Alois Czipin.

    Dass seine Einweihungen oft als Promi-Events abgetan werden, will der Dompfarrer so nicht stehenlassen: "Weil ich beim geplanten Steirereck-Segnungstermin wegen einer Fortbildung nicht dabei sein konnte, habe ich es im intimen Rahmen mit Familie und Mitarbeitern gemacht."

    Segen vom Papst

    Man müsse nicht unbedingt einen bekannten Namen haben, um seinen Segen zu bekommen. Eine junge Frau, deren Mutter er vor 20 Jahren seelsorgerisch geholfen hat, hat ihn gebeten, ihre Wohnung einzuweihen, und das hat er vor kurzem auch gemacht.Seine Dienstwohnung hat übrigens indirekt der Papst höchstpersönlich gesegnet: Benedikt XVI. hat 2007 seinen Segen beim Gottesdienst im Stephansdom genau in Richtung des Pfarrhauses gespendet. Eine Woche später ist Faber dort eingezogen. Gesegnet hat er sie dann selber auch noch. Doppelt hält schließlich besser. (Marietta Adenberger, 25.11.2018)

    Share if you care.