Rabattwoche an der Wall Street

    24. November 2018, 14:00
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    Schnäppchenjäger können derzeit auch an den US-Börsen fündig werden. Es sprechen aber nicht viele Faktoren für eine Erholungsrally.

    Im Einzelhandel wird in der bis Montag laufenden Cyber-Week mit einer Rabattschlacht das Weihnachtsgeschäft eröffnet. Aber es gibt heuer auch an der Wall Street die meisten Aktien zu ermäßigten Preisen. Schließlich hat der Dow Jones seit Anfang Oktober neun Prozent verloren und ist unter das Niveau von Ende 2017 gerutscht. Nur eine Korrektur oder eine beginnende Phase dauerhaft sinkender Kurse?

    Für Andreas Rieger, Fondsmanager bei der Erste Asset Management, ist Ersteres zutreffend. Aus seiner Sicht ist vor allem der derzeitige Zinserhöhungszyklus der US-Notenbank Fed belastend, zumal sich das Liquiditätsumfeld generell verschlechtere. In den vergangenen Jahren habe die Bilanzausweitung der Notenbanken durch deren Anleihenkaufprogramme den Börsenaufschwung mitgetragen – für 2019 sehen Prognosen nun eine Abnahme der kumulierten Notenbankbilanzen vor.

    Prognosen gesenkt

    Zudem wurden Rieger zufolge zuletzt die Gewinnprognosen für 2019 für den US-Markt zurückgenommen, von einem Anstieg um elf auf neun Prozent. Für heuer werden noch um 24 Prozent höhere Firmengewinne erwartet.

    Auf eine bevorstehende Erholungsrally deutet für den Experten die sehr negative Stimmung hin, oftmals Vorbote einer Trendwende. Auch die Saisonalität spreche grundsätzlich für höhere Kurse, schließlich zählen November und Dezember statistisch zu den stärksten Börsenmonaten.

    Schwenk zu defensiven Titeln

    Der Fondsmanager weist darauf hin, dass zuletzt defensive Bereiche wie Versorger, Gesundheit oder Basiskonsum deutlich besser als zyklische, konjunkturabhängige Werte aus Industrie oder Finanz abgeschnitten hätten. Auch der zyklische, exportlastige, deutsche Leitindex Dax habe zu leiden gehabt. "Da hat der Markt mit klarer Sprache gesprochen."

    Die US-Konjunktur sieht Rieger noch auf Spur, aber in Europa und Asien schwäche sie sich bereits ab. An eine dauerhafte Abkoppelung glaubt er aber nicht. Fraglich bleibe, ob auch die US-Wirtschaft Schwung verlieren werde oder die anderen Kontinente wieder in die Gänge kommen. (Alexander Hahn, 24.11.2018)

    • An der Wall Street gab es zuletzt deutlich Kursrückgänge.
      foto: ap

      An der Wall Street gab es zuletzt deutlich Kursrückgänge.

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