Sturm-Trainer Mählich plant sanfte Revolution

    21. November 2018, 12:48
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    Neo-Trainer will bei den Grazern "nicht alles umkrempeln", er ist von der Qualität im Kader überzeugt und möchte "vorneweg marschieren" – Leidenschaft und defensive Kompaktheit seien Basics

    Graz – Roman Mählich hat seine Vorstellungsrunde beim SK Sturm abgeschlossen. Beim bisher hinter den Erwartungen gebliebenen Bundesliga-Vizemeister will der neue Chefcoach vorerst "nicht alles umkrempeln", er zeigt sich von der Qualität im Kader überzeugt. Die Grazer Spielidee soll gezielt auf den Gegner abgestimmt werden, Sturm müsse ein Alleskönner sein.

    Kennenlernen des Riesenapparats

    Mählich musste sich in den vergangenen Tagen viele Namen zu vielen neuen Gesichtern einprägen. "Das Kennenlernen stand im Vordergrund." Der 47-Jährige machte sich vertraut mit einem "Riesenapparat, der nicht mit dem zu vergleichen ist, was ich als aktiver Spieler vorgefunden habe." Die Trainingsplätze seien jetzt schöner, die Kabinen größer und das Sportgewand besser. "Das Umfeld ist ein anderes, aber die Farben sind die gleichen. Die Zuschauer kommen noch immer ins Stadion, um ihr Sturm Graz zu sehen. Das hat sich in all den Jahren nicht geändert."

    Ihn sahen die Fans ganz besonders gern. Als es einmal schlechter lief, stand in der Fankurve auf einem Transparent: "Elf Mählichs müsst ihr sein." Es bezog sich auf den Siegeswillen und die Einsatzbereitschaft, die Mählich als Mittelfeldspieler während seiner über 250 Partien für die Steirer zwischen 1995 und 2003 vorexerziert hatte. Bei seiner Vorstellung als Chefcoach 15 Jahre später, bezeichnete ihn Präsident Christian Jauk als "Kampfschwein" und "fleißige Biene".

    Optimismus

    Mählich muss nun nicht mehr dem "magischen Dreieck" Haas-Vastic-Reinmayr, sondern einer unter Druck geratenen Sturm-Mannschaft den Rücken freihalten. Es sei zuletzt nicht alles nach Wunsch verlaufen, merkte er an. "Sonst wäre ich nicht hier." Doch monierte Vorgänger Heiko Vogel noch fehlende Qualität im Kader, so bekräftigte Mählich gegenüber der APA: "Ich bin von der Qualität der Mannschaft überzeugt und sehr optimistisch, dass wir das hinkriegen." Später sagt er: "Ich werde vorneweg marschieren." So wie früher.

    Peter Zulj konnte sich schon vor seiner Abreise zum ÖFB-Team ein Bild vom neuen Coach machen. "Das Kämpfen steht bei ihm an erster Stelle", erzählte der Grazer Regisseur während seiner Nationalteam-Zeit. Für Mählich sind Leidenschaft und defensive Kompaktheit "die Basics", wie er sagt. Diese wären im Fußball "höchstwahrscheinlich" genauso wichtig wie System und Spielanlage. "Ob es dann bei uns an erster Stelle steht, da lassen wir uns einfach mal überraschen. Für mich ist das nichts Außergewöhnliches."

    Veränderungen

    Der Niederösterreicher betonte neuerlich den Neustart, nicht nur für ihn, sondern für alle Kaderspieler. "Es werden möglicherweise Spieler zum Einsatz kommen, die es in den letzten Wochen schwer hatten hineinzurutschen." Der Start sei für eine Hausikone wie ihn möglicherweise etwas leichter. "Fakt ist aber auch: Das einzige, was zählt, ist, dass Sturm Graz Spiele gewinnt."

    Wie das gelingen soll, was unter Vogel in 14 Bundesliga-Versuchen heuer nur dreimal klappte, wird sich bald zeigen. Auf eine fixe Spielidee will sich Mählich – zumindest öffentlich – nicht festlegen. "Wir sind in einer Situation, wo wir unsere eigene Idee auch ein bisserl darauf abstimmen müssen, wie der Gegner auftritt. Ich glaube, dass ich das ganz gut kann."

    Sein Vorgänger forcierte das Positionsspiel, legte viel Wert auf Ballbesitz. Unter dem Neuen dürfte es schnörkelloser nach vorne gehen. Mählich: "Das könnte sein." Es gelte aber erst ein Gespür dafür zu entwickeln, "was für die Mannschaft das Beste" sei. "Ich kann, gerade in einer Länderspielpause, wo viele Spieler gefehlt haben, nicht alles umkrempeln. Komplett anders spielen zu lassen als zuletzt, wird garantiert nicht funktionieren."

    Mehr Variabilität

    Entscheidend scheint für ihn, variabel zu sein, auch das gilt es in den kommenden Wochen einzuüben. Sturm müsse im Grunde "alles können". Soll heißen: Ballbesitzfußball gegen tief stehende Gegner und schnelles Umschalten gegen Teams, "die schon tabellarisch eine andere Ausgangsposition haben und sehr dominant auftreten."

    Will Sturm nach Ende des Grunddurchgangs in der Meistergruppe der Top sechs mitmischen, sind in den verbleibenden acht Runden dringend Punkte notwendig. Auf die Austria fehlen zwei, auf Hartberg bereits fünf. Das Mählich-Debüt steigt am Sonntag in Altach (14.30 Uhr). Er verspüre, so Mählich, keinen Druck: "Ich fühle mich gerüstet."

    "Elf Mählichs müsst ihr sein", das hat ihm damals gut gefallen. Ob die derzeitige Truppe ebenfalls ein geeigneter Adressat sein könne? "Ich weiß nicht so recht", sagte Mählich zögerlich. "Kopfballtore werden wir dann wohl keine schießen." (APA, 21.11.2018)

    • Roman Mählich: "Wir sind in einer Situation, wo wir unsere eigene Idee auch ein bisserl darauf abstimmen müssen, wie der Gegner auftritt. Ich glaube, dass ich das ganz gut kann."
      foto: apa/erwin scheriau

      Roman Mählich: "Wir sind in einer Situation, wo wir unsere eigene Idee auch ein bisserl darauf abstimmen müssen, wie der Gegner auftritt. Ich glaube, dass ich das ganz gut kann."

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