Behandlung von Krebs: Enorme Unterschiede in Europa

    21. November 2018, 12:19
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    Die Heilungsraten bei Brustkrebs schwanken in den einzelnen europäischen Ländern zwischen 65 und 90 Prozent

    Wien – In Europa erkranken rund 2,7 Millionen Menschen jährlich an Krebs. Der insgesamt rückläufigen Krebsmortalität steht – demografisch bedingt – ein starker Anstieg der Erkrankungsfälle gegenüber. Doch es gibt enorme Unterschiede von Land zu Land. Am schlechtesten schneiden die osteuropäischen Staaten ab. Bei einer Tagung in Wien berieten am Dienstag Experten, wie das am besten zu ändern wäre.

    "Zwischen 1995 und 2012 ist in Europa die Zahl der Krebs-Neuerkrankungen um 30 Prozent gestiegen. Die Krebssterblichkeit sank um elf Prozent. Von den 2,7 Millionen Neuerkrankungen im Jahr 2016 entfiel ein Drittel auf Menschen im Alter über 75 Jahre", sagte Nils Wilking vom Karolinska Institut in Stockholm.

    Der Bevölkerungszuwachs insgesamt, aber besonders die Zunahme des Anteils von Hochbetagten an der Bevölkerung trage zu der Entwicklung maßgeblich bei, erklärte der Experte bei der Konferenz, die von Governmental International Affairs (GOIA), der Central European Cooperative Oncology Group (CECOG) und dem Aspen Institute Romania organisiert wurde.

    Ausschlaggebende Faktoren

    Die Situation rund um die Krebserkrankungen ist ausgesprochen komplex. Europa zeigt ein extrem zersplittertes Bild. "In Osteuropa beträgt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei Brustkrebs 65 bis 75 Prozent. In Nordeuropa sind es 85 bis 90 Prozent, in Großbritannien um die 80 Prozent.

    Der Gesundheitszustand der Bevölkerung insgesamt, die Diagnose in späten Stadien, die Infrastruktur im Gesundheitswesen und bei den apparativen Einrichtungen, die Qualität und Quantität des Personals und der Zugang der Patienten zur Medizin sowie zu onkologischen Medikamenten sind für diese Ungleichheiten verantwortlich", sagte der rumänische Onkologe Alexandru Eniu.

    "Die Problematik spielt sich auf staatlicher Ebene – von der Prävention und Früherkennung bis zum Zugang zur Therapie – ab. Die europäische Arzneimittelagentur EMA lässt innovative und wirksame Krebsmedikamente schnell zu. Doch bis die Patienten sie in den einzelnen Staaten Europas auch vom Gesundheitssystem bezahlt bekommen, können drei Monate bis zehn Jahre vergehen", sagte CECOG-Präsident und GOIA-Mitbegründer Christoph Zielinski vom Comprehensive Cancer Center der MedUni Wien am AKH. Und noch immer sei das Lungenkarzinom, das durch das Zurückdrängen des Rauchens am besten zu bekämpfen sei, in Europa ein treibender Faktor bei der Zunahme der Zahl der Krebserkrankungen.

    Stabile Kosten

    In vielen Fällen schauen die Gesundheitspolitiker auf innovative Behandlungsmöglichkeiten bei Krebserkrankungen wegen einiger weniger, extrem teurer Onkologika wie das sprichwörtliche Kaninchen auf die Schlange. Onkologe und Gesundheitsökonom Nils Wilking hat in den vergangenen Jahren mit seinen Studien gezeigt, dass die oft diskutierte "Kostenexplosion" in der Krebsmedizin eine sehr einfache Sicht der Dinge ist. "In Österreich ist der Anteil der Kosten für Krebs an den Gesundheitsausgaben zwischen 1995 und 2014 von sechs auf 6,8 Prozent gestiegen, in Belgien von 6,6 auf 6,8 Prozent. In Schweden blieb er mit jeweils 6,8 Prozent gleich. In der EU kam es zu einem Anstieg von 5,9 auf 6,1 Prozent."

    Ein bei dieser recht stabilen Situation maßgeblicher Faktor war eine Entwicklung, in der immer mehr Krebspatienten immer länger zu Hause behandelt werden können und viel seltener auf Spitäler angewiesen sind. "Die direkten medizinischen Kosten für Krebs haben sich stabilisiert. Die Ausgaben für Onkologika sind gestiegen, die Ausgaben für den einzelnen Krebspatienten aber gefallen", sagte Wilking.

    Krebs für ein Viertel der Todesfälle verantwortlich

    Insgesamt gab es im Jahr 2015 5,21 Millionen Todesfälle in der EU. Ein Viertel davon (25,4 Prozent) waren auf Krebs zurückzuführen. Laut Eurostat-Daten lag Slowenien mit einem Anteil von 31,5 Prozent an der Spitze. Bulgarien war mit 16,4 Prozent an Todesfällen durch Krebs auf dem positiven letzten Platz. Österreich rangierte mit 24,9 Prozent knapp unter dem EU-Durchschnitt.

    In absoluten Zahlen wies Deutschland mit 226.662 Sterbefälle die meisten Krebstoten auf, gefolgt von Italien (169.835) und Großbritannien (164.411). In Österreich waren es 20.404. Die geringste Anzahl hatte, auch aufgrund der Größe des Landes, Malta mit 917 Todesfällen. (APA, 21.11.2018)

    • Besonders auffällig sind die Unterschiede in den Fünf-Jahres-Überlebensraten zwischen dem Norden und Osten Europas.
      foto: getty images/istockphoto

      Besonders auffällig sind die Unterschiede in den Fünf-Jahres-Überlebensraten zwischen dem Norden und Osten Europas.

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