Indiens Polizei beobachtet Ureinwohner nach Tötung von US-Bürger

    23. November 2018, 08:50
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    Der 27-jährige Missionar besuchte trotz Verbots die isolierte Andamanen-Insel. Bemühungen zur Bergung der Leiche gestalten sich schwierig

    Neu-Delhi – Ein von Ureinwohnern auf den indischen Andamanen-Inseln getöteter US-Bürger wollte das Volk der Sentinelesen missionieren. Als er auf der Insel North Sentinel ankam, habe der 27-jährige John Allen Chau gerufen: "Mein Name ist John. Ich liebe euch und Jesus liebt euch", berichteten Medien am Donnerstag. Die in selbst gewählter Isolation lebenden Bewohner beschossen den Eindringling mit Pfeilen.

    Chau hatte sich den Berichten zufolge zuvor entschlossen gezeigt, das Inselvolk zum Christentum zu bekehren. "Ihr werdet mich für verrückt halten, aber ich denke, dass es sich lohnt", schrieb Chau demnach in einem Brief an seine Eltern. "Bitte seid nicht wütend auf sie oder auf Gott, wenn ich getötet werde." Der 27-Jährige fügte jedoch hinzu: "Gott, ich will nicht sterben."

    grafik: der standard

    Mit Pfeilen beschossen

    Als er mit seinem Kanu auf der Insel anlegte, habe Chau eine Bibel dabei gehabt sowie Fisch und Fußbälle als Geschenke. Die Bewohner hätten ihn mit Pfeilen beschossen und seine Bibel getroffen. Anschließend sei der Missionar zu einem Fischerboot zurückgekehrt, habe seine Eindrücke aufgeschrieben und auf dem Boot übernachtet.

    Am nächsten Tag sei er trotz der Vorwarnung noch einmal zur Insel gefahren – und nicht mehr zurückgekommen. Die Fischer, die Chau zu der Insel gebracht hatten, sagten den Medienberichten zufolge, nach dem Beschuss mit Pfeilen hätten die Inselbewohner ein Seil um den Hals gelegt und ihn hinter sich hergezogen. Die "Washington Post" berichtete, ein anderer Missionar habe seiner Mutter geschrieben, die Sentinelesen hätten Chaus Leiche am nächsten Tag auf der Insel begraben.

    Auf Chaus Instagram-Seite wurde im Namen der Familie eine Erklärung veröffentlicht. Darin wurde versichert, der 27-Jährige habe "nichts als Liebe für das Volk der Sentinelesen gehabt." "Wir verzeihen denjenigen, die Berichten zufolge für seinen Tod verantwortlich sind", hieß es weiter.

    Polizei beobachtet unkontaktiertes Volk

    Behördenvertreter auf den Andamanen hatten am Mittwoch von der Pfeil-Attacke berichtet. Die nur 150 noch lebenden Sentinelesen zählen zu den letzten sogenannten unkontaktierten Völkern. Sie wollen nichts mit der Außenwelt zu tun haben, Fremde müssen fünf Kilometer Abstand zu ihren Wohngebieten einhalten, haben indische Behörden verfügt. Dadurch sollen sie ihre Kultur pflegen können und vor der Ansteckung mit Zivilisationskrankheiten bewahrt werden. 2006 hatte das Inselvolk Berichten zufolge zwei Fischer getötet, deren Boot auf die Insel getrieben war.

    Nach der Tötung Chaus hat die indische Polizei am Freitag mit verstärkten Kräften Position nahe der Insel North Sentinel bezogen. "Um ein besseres und klareres Bild zu bekommen, wird ein weiteres Polizeiteam in die Gewässer von North Sentinel entsandt", sagte der Polizeichef der Andamanen, Dependra Pathak.

    foto: reuters/indian coast guard
    Ein seltenes Foto eines Sentinelesen, das 2004 entstand. Ein Sentinel-Stammesmann zielt mit Pfeil und Bogen auf einen Hubschrauber der indischen Küstenwache, während er über die Insel fliegt, um einen Überblick über die Schäden zu erhalten, die durch einen Tsunami verursacht wurden.

    Sie unterliegen seit 1996 einem strengen Schutz, um ihre Insel muss ein Abstand von fünf Kilometern eingehalten werden. Das Verbot wird eigentlich von der indischen Marine und Polizei überwacht. Seit den späten 90er-Jahren soll kein Außenstehender mehr die Insel betreten haben.

    Bergung schwierig bis unmöglich

    Um Chaus Leiche oder den Ort seines Todes zu orten, hatte die indische Polizei bereits ein Schiff und einen Hubschrauber entsandt. Die Bemühungen blieben jedoch bisher erfolglos. Zwar wurde offiziell ein Mordfall registriert; Experten sehen jedoch keine Möglichkeit, dass die Behörden rechtlich gegen den Stamm vorgehen können.

    Die Bergung der Leiche könnte Tage dauern. Da die indischen Behörden jedoch darauf verweisen, dass die Ureinwohner nicht gestört werden dürfen, ist unklar, ob die Leiche jemals geborgen werden kann. "Wir müssen aufpassen, dass wir sie nicht stören", sagte der örtliche Polizeichef Dependra Pathak.

    foto: ap/gautam singh
    Den Angaben zufolge bestach der Missionar Fischer, damit sie ihn zur Insel North Sentinel, hier im Bild, bringen.

    Rechtliche Konsequenzen unklar

    Weil auch indische Behördenvertreter die Insel nicht betreten, ist zudem unklar, ob die Tötung rechtliche Konsequenzen haben wird. Mehrere Fischer wurden festgenommen, weil sie Chau in die Nähe der Insel gebracht haben sollen. (red, APA, 22.11.2018)

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