Stieg Larsson: Der Tod ist nicht das Ende

    Kopf des Tages20. November 2018, 18:14
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    Der Journalist und Autor sorgt auch 14 Jahre nach seinem Tod für Aufdeckergeschichten

    Mit dem 2015 erschienenen Roman Verschwörung, der der aktuellen gleichnamigen Kinoverfilmung zugrunde liegt, hat Stieg Larsson nichts zu tun. Dieser erschien elf Jahre nach dem Tod des schwedischen Bestsellerautors der "Millennium-Trilogie" (Verblendung, Verdammnis, Vergebung), die wiederum erst ab 2005 zum Welterfolg wurde.

    Die Erben, vor allem Larssons Lebensgefährtin Eva Gabrielsson, gaben dem schwedischen Autor David Lagercrantz zwar die Erlaubnis, die Geschichte um den Journalisten Mikael Blomkvist und die Hackerin Lisbeth Salander 2015 fortzusetzen. Allerdings durfte Lagercrantz dafür nicht ein unvollendetes Manuskript aus dem Nachlass Larssons als Grundlage verwenden, sondern musste frei dichten.

    Gut gehütetes Geheimnis

    Es wird noch verzwickter: Inwiefern der 2004 mit nur 50 Jahren verstorbene schwedische Journalist Stieg Larsson überhaupt als alleiniger Verfasser der "Millennium-Trilogie" angesehen werden kann, wird wohl für immer ein gut gehütetes Geheimnis bleiben. Frühere Kollegen des in Schweden vor allem als linker politischer Aktivist und Aufdeckerjournalist in Sachen Rechtsextremismus bekannt gewesenen Thrillerautors, der seine Romane nachts nach der Tagesarbeit konzipierte, vermuten aufgrund seines zumindest als "einfach", "schnörkellos" und "dürftig" beschriebenen Schreibstils viel eher eine Ghostwriterin. Stieg Larsson habe die Romane um den autobiografisch eingefärbten Journalisten Mikael Blomkvist und rechte Verschwörungen zwar nachts zusätzlich zu einer 60-Stunden-Arbeitswoche entworfen. Die Endausfertigung sei allerdings bei Eva Gabrielsson gelegen.

    Brisante Recherchen

    Derzeit sorgt der tote Bestsellerautor Larsson mit einem anderen Thema vor allem in Schweden für Furore: Bis zu seinem Tod hatte Larsson intensiv und über Jahre die Hintergründe des Mordes an dem sozialdemokratischen schwedischen Regierungschef Olof Palme (er wurde 1986 erschossenen) recherchiert. Im Nachlass, sprich 20 Kartons voller Akten, fand Journalist Jan Stocklassa tatsächliche Hinweise auf den möglichen Mörder und Spuren zum südafrikanischen Geheimdienst, der gute Kontakte zu schwedischen Rechtsextremisten pflegte. Es ging um Waffendeals, denen Apartheidsgegner Olof Palme im Weg stand.

    Stocklassas aktuelles Buch nennt sich Stieg Larssons Erbe und ist auf Deutsch im Europa-Verlag erschienen – ein Kampf gegen Faschismus aus dem Grab heraus. (Christian Schachinger, 21.11.2018)

    • Stieg Larsson in einer Aufnahme von 1998.
      foto: ap

      Stieg Larsson in einer Aufnahme von 1998.

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