Mit der Metallereinigung sollte der heiße Herbst nun beendet sein

    Analyse19. November 2018, 08:21
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    Die Betriebe müssen die Durchsetzung des Zwölfstundentags abgelten. Im Gegenzug kann die Gewerkschaft jetzt abrüsten

    Der Wintereinbruch Montagmorgen in Ostösterreich kommt gerade rechtzeitig, um die Gemüter abzukühlen. Die Emotionen waren zuletzt ziemlich aufgeschaukelt unter den Metallerverhandlern, ja in der Sozialpartnerschaft insgesamt. Nun konnte doch eine Einigung in der richtungsweisenden Lohnrunde für 130.000 Beschäftigte metalltechnischer Betriebe erzielt werden. Noch dazu ein Abschluss mit einer ordentlichen Einkommensverbesserung, wie sie auch von der Regierung gefordert wurde. Fragt sich nur, ob die kämpferische Stimmung notwendig war, um dieses Ergebnis zu erreichen.

    Von den wirtschaftlichen Fundamentaldaten hätten die durchschnittlich rund 3,5 Prozent Lohnplus auch leichter erzielt werden können. Sie spiegeln die Inflation und die Produktivitätssteigerung wider, wenngleich eher am oberen Ende der Bandbreite. Doch wegen des neuen Arbeitszeitgesetzes wurde die Metallerrunde zu einer Art Lackmustest hochstilisiert: Die Gewerkschaften, die den Zwölfstundentag mit Protest, aber ohne Kampfmaßnahmen über sich hatten ergehen lassen, haben die Kollektivvertragsanpassung zum Schauplatz ihres Gegenangriffs auserkoren. Sieben Verhandlungsrunden, Warnstreiks und die Drohung mit einer umfassenden Arbeitsniederlegung ab diesem Montag, sollte es zu keiner Einigung kommen, zeugten von der Kampfbereitschaft der Arbeitnehmervertreter.

    Große Zugeständnisse

    Die Arbeitgeberseite ist zwar nicht in die Knie gegangen, hat aber doch umfangreiche Zugeständnisse gemacht. Neben der ansehnlichen Lohnanpassung wurden hohe Zuschläge auf Mehrarbeit ab der zehnten Arbeitsstunde gewährt. Das geht ins Geld, und das in einer Phase, in der dunkle Konjunkturwolken am Horizont aufziehen.

    Dennoch ist der Abschluss auch für die Industrie vertretbar: Das Arbeitszeitgesetz ist zwar keineswegs eine derartige Schikane, wie es von der Gewerkschaft dargestellt wird. Doch die Empörung der Arbeitnehmervertretungen erscheint angesichts des Drüberfahrens verständlich. Immerhin hat die Koalition mit der Einführung des Zwölfstundentags auf einen Wunsch der Wirtschaft reagiert: Von da her wirkt die Forderung der Arbeitgeber, man möge die Politik nicht in die Tarifrunde hineintragen, heuchlerisch.

    Rechnung fürs Drüberfahren

    Man könnte sagen, die Unternehmen müssen nun einen Teil der Flexibilisierung und der Ausschaltung der Gewerkschaft in barer Münze abstottern. Das wäre auch einfacher gegangen: in Form einer sozialpartnerschaftlichen Einigung auf ein neues Arbeitszeitgesetz. Doch da war den Unternehmen das Hemd näher als der Rock, die türkis-blaue Regierung zögerte keinen Moment, den Betrieben die Wünsche von den Lippen abzulesen. Dafür müssen sie nun bezahlen. Zu Recht. Bleibt zu hoffen, dass sich die Gemüter mit der Einigung nun beruhigen. Der Kälteeinbruch sollte ein frühzeitiges Ende des heißen Herbstes begünstigen. (Andreas Schnauder, 19.11.2018)

    • Pro-Ge-Chef Rainer Wimmer (rechts) und der Chef der GPA-djp, Karl Dürtscher, nach Verhandlungsabschluss am Sonntag.
      foto: apa_georg hochmuth/

      Pro-Ge-Chef Rainer Wimmer (rechts) und der Chef der GPA-djp, Karl Dürtscher, nach Verhandlungsabschluss am Sonntag.

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