Österreichischer Meteoritenexperte zweifelt am Einschlagskrater von Grönland

    16. November 2018, 15:12
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    Christian Köberl sieht "einiges an Überinterpretation und viele Widersprüche"

    Wien – Erst vorgestern stellte ein internationales Geologenteam in der aktuellen Ausgabe von "Science Advances" seine Erkenntnisse über einen Einschlagskrater in Grönland vor. Mit 31 Kilometern Durchmesser wäre er einer der 25 größten jemals auf der Erde entdeckten. Mit einem geschätzten Alter von drei Millionen bis gar nur 12.000 Jahren hätte der Einschlag noch dazu in geologisch betrachtet junger Vergangenheit stattgefunden – ein Großereignis, von dem man bislang nichts wusste.

    Zweifel meldet nun allerdings der Impakt-Experte und Generaldirektor des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien, Christian Köberl, an. Für ihn enthält die Studie "einiges an Überinterpretation und viele Widersprüche". Für Köberl zeigen nur auf Fernerkundung basierende Untersuchen nichts anderes als die mögliche Existenz einer kreisähnlichen Struktur unter dem Gletscher, "von einem Nachweis eines Einschlagkraters unter dem Eis zu sprechen, ist schlichtweg falsch".

    "Mehr als gewagt"

    Welcher Natur die Struktur sei, könne man ohne Untersuchungen der Gesteine nicht nachweisen. Die Existenz einzelner loser Gesteinsstücke mit möglichen geschockten Quarzen als Beweis für einen Einschlag anzunehmen, sei "mehr als gewagt". Man könne nicht wissen, wo das Gestein genau herkomme, eine eindeutige Zuordnung sei keinesfalls möglich. Laut den Forschern stammen die Proben aus einem Fluss, der von dem Gletscher gespeist wird, unter dem sich der Krater respektive die "kreisähnliche Struktur" abzeichnet.

    Das Minimalalter des Kraters gaben die Forscher mit 12.000 Jahren an. Für Köberl müsste ein so frischer Krater aber erstens noch thermale Anomalien aufweisen. Und zweitens fehle der für alle Krater mit einem größeren Durchmesser als vier Kilometer typische Zentralberg oder innere Ring. "Ein so junger Krater müsste erhebliche topographische Veränderungen zeigen, was sich am darüberliegenden Eis aber nicht abzeichnet", so Köberl. Zudem müsste es bei einem jungen Krater dieser Größe fünf bis zehn Kraterdurchmesser entfernt die sogenannte "proximale Auswurflage" geben, die viele hundert Meter dick wäre – "aber die gibt es nicht". (red, APA, 16. 11. 2018)

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