Viel Zucker in der Kindheit erhöht Alkoholkonsum als Jugendlicher

    21. November 2018, 06:00
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    Kinder, die viel zucker- und fettreiche Nahrung zu sich nehmen, haben ein deutlich höheres Risiko, als Jugendliche regelmäßig Alkohol zu konsumieren

    Lebensmittel, die sehr ungesund sind, weil sie hohe Mengen Fett und Zucker enthalten, schmecken vielen Kindern leider besonders gut – etwa Pizza, Bratwurst oder Limonaden. Ein europäisches Forscherteam wollte nun wissen, ob es einen direkten Zusammenhang zwischen der Nahrungsmittelpräferenz in der Kindheit und dem späteren Konsum der am meisten verbreiteten Droge Alkohol gibt. Sprich: Greifen Kinder, die viel Zucker und Fett zu sich nehmen, als Heranwachsende auch häufiger zu alkoholischen Getränken?

    Die Antwort auf diese Frage lieferten Daten, die im Rahmen der europäischen Idefics/I-Family-Kohortenstudie erhoben wurden. Dabei wurden mehr als 16.000 Kinder im Alter von zwei bis neun Jahren in acht Ländern (Belgien, Deutschland, Estland, Italien, Spanien, Schweden, Ungarn und Zypern) untersucht, um den Einfluss von Ernährung und Lebensstil auf ihre Gesundheit zu erforschen.

    Bildungsstand der Eltern

    Im Rahmen der Folgestudie I-Family wurde ein großer Teil der Kinder – nun zwischen sieben und 17 Jahre alt – zu einem späteren Zeitpunkt erneut untersucht. Zudem wurden ihre Familienmitglieder befragt.

    Das Team um Studienerstautorin Kirsten Mehlig von der Universität Göteborg hat diese Daten nun ausgewertet. Das Ergebnis bestätigt die Vermutung: Wer als Kind viel zucker- und fettreiche Nahrung konsumiert hat, trinkt als Jugendlicher deutlich häufiger regelmäßig Alkohol als die Vergleichsgruppe.

    Dieses Muster fand sich bei beiden Geschlechtern und in allen untersuchten Ländern. Zwar haben die familiären Lebensumstände der Kinder – also etwa Einkommen und Bildungsstand der Eltern – Einfluss auf die Qualität der Ernährung, den positiven Zusammenhang zwischen ungesunder Ernährung und späterem Alkoholkonsum konnten sie allerdings nicht erklären. Die Gründe dafür müssen daher andere sein.

    Gegenseitig verstärkt

    Eine mögliche Erklärung zeigen frühere Experimente: Bei Versuchstieren konnte nachgewiesen werden, dass sich zum Beispiel das Verlangen nach Fett und Alkohol gegenseitig verstärkt. Möglicherweise wird also durch eine fett- und zuckerreiche Ernährung im Kindesalter ein grundsätzliches Verlangen nach Sucht erzeugenden Stoffen "erlernt", das sich in späteren Jahren etwa in erhöhtem Alkoholkonsum manifestiert. Ein dem zugrunde liegender neurologischer Mechanismus konnte mit den verfügbaren Daten jedoch nicht identifiziert werden.

    Die Studienergebnisse machen deutlich, wie stark ungesunde Ernährungsgewohnheiten im Kindesalter das Leben und dabei vor allem die Gesundheit im Erwachsenalter negativ beeinflussen können. Es sei daher enorm wichtig, das Bewusstsein für die Auswirkungen ungesunder Ernährung zu schärfen und Produktion und Vertrieb ungesunder Nahrungsmittel stärker zu regulieren, etwa mit einer Zuckersteuer, so das Fazit der Studienautoren. (red, 21.11.2018)

    • Das Verlangen nach Fett und Alkohol könnte sich gegenseitig verstärken – das haben Experimente mit Tieren gezeigt.
      foto: apa/afp/charly triballeau

      Das Verlangen nach Fett und Alkohol könnte sich gegenseitig verstärken – das haben Experimente mit Tieren gezeigt.

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