Was tun, damit Antibiotika wirksam bleiben?

    18. November 2018, 10:00
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    Jahrzehntelang wurden Antibiotika bedenkenlos eingesetzt – jetzt verlieren sie ihre Wirkung. Was Patienten selbst gegen Resistenzen machen können

    Sie beginnt wieder: die Husten- und Schnupfenzeit. Mitunter können Infekte auch schwerer verlaufen, mit Fieber zum Beispiel. "Es gibt viele Patienten, die ein Antibiotikum fordern, weil sie schnell wieder fit sein wollen", berichtet Internist Oskar Janata vom SMZ Ost Donauspital Wien. Die Praxis der inflationären Verschreibung dieser Medikamente hat dazu geführt, dass bestimmte Bakterien wie etwa Escherichia coli Strategien entwickelten, sich gegen die Wirkstoffe zu behaupten.

    "Das ist Evolution", so Janata, und einer der Gründe, warum EU-weite Initiativen zur Eindämmung der Antibiotikaresistenzen anlaufen. "Arznei und Vernunft" heißt die Awareness-Kampagne in Österreich. Federführend dabei ist Erich Singer von der Ethikkommission der Med-Uni Wien. "Wir sitzen alle im selben Boot und können das Problem nur gemeinsam angehen" , sagt er. Nicht der einzelne Mensch ist immun, sondern Bakterien sprechen nicht mehr auf Medikamente an.

    Die Lage ist ernst. Wie das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) unlängst errechnete, sterben 33.000 Menschen jährlich, weil Antibiotika nicht mehr wirken.

    Viele Ursachen

    Das lässt die Alarmglocken läuten. Zur Eindämmung müssen einerseits ärztliche Verschreibungspraktiken verändert werden, andererseits sind Behandlungsroutinen und Hygienemaßnahmen in Spitälern an die neue Situation anzupassen. Antibiotikaresistenzen sind nicht nur im medizinischen Bereich, sondern auch in der Landwirtschaft bei Fragen der Viehzucht ein Thema. Dort ist der Antibiotikaeinsatz in den letzten Jahrzehnten ebenfalls massiv gestiegen.

    Die gute Nachricht: Im EU-Vergleich steht Österreich nicht schlecht da. Die Antibiotikaresistenzen sind rückläufig. Trotzdem mahnt Janata: "Die meisten Infekte sind viral, da können Antibiotika, die ja nur gegen Bakterien wirksam sind, nichts", sagt er und empfiehlt Patienten stets, einige Tage abzuwarten und sich mit Hausmitteln zu behelfen statt auf fiebersenkende Medikamente zurückzugreifen. "Am meisten sorgen sich immer Eltern kleiner Kinder", dabei könne ein Gespräch mit dem Arzt oft Sorgen nehmen, so Infektiologe Janata.

    "Im Kampf gegen Antibiotikaresistenz geht es um die Zukunft unserer Kinder", betont ECDC-Programmdirektor Dominiqe Monnet, der hofft, dass diese Überzeugung sich bei allen Europäern als Leitgedanke im Krankheitsfall durchsetzt. "Wenn Ärzte vergessen, sich die Hände zu desinfizieren, sollten Patienten sie unbedingt erinnern", sagt er, weil er weiß, dass Verhaltensänderungen immer eine Zeit dauern, bis sie sich etablieren.

    Gemeinsame Anstrengung

    Janata verschweigt seinen Patienten auch nicht die Nebenwirkungen, die bestimmte Antibiotikasubstanzklassen auslösen können. So können sowohl Makrolide als auch Chinolone Herzrhythmusstörungen auslösen, Letztere erhöhen auch das Risiko einer Achillessehnenruptur bzw. eines Aortenrisses. "Diese Nebenwirkungen sollten wir nicht verschweigen", so Janata, der sich gegen Panikmache und für einen verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika einsetzt. Das sei eine gemeinsame Anstrengung für die Zukunft, sagt er.

    Gut zu wissen

    Patienten können mithelfen, Antibiotikaresistenzen einzudämmen, indem sie ein paar simple Anweisungen befolgen.

    • Gesund leben Ein starkes Immunsystem kann sich gegen Infekte wehren. Deshalb sind genug Schlaf, Sport und regelmäßiges Saunieren empfehlenswert, sagt Infektiologe Oskar Janata vom SMZ Ost. Er empfiehlt Echinacea-Produkte.
    • Vorbeugen Infekte schwächen den Körper. Impfungen helfen, Krankheiten von vornherein zu vermeiden. Gewissenhaftes Händewaschen etwa nach Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Einkaufen im Supermarkt (Einkaufswagerln!) hat eine erwiesenermaßen präventive Wirkung. Wer niesen muss, sollte es in die Armbeuge tun.
    • Abwarten Nicht jede Erkrankung muss sofort mit Antibiotika behandelt werden. Die meisten Infekte mit rinnendem Schnupfen oder ausschließlich Husten, so Janata, sind viral. Gegen Viren können Antibiotika nichts ausrichten. Verantwortungsvoll ist: Im Bett bleiben (nicht ins Büro gehen und andere anstecken), ausreichend trinken und Fieber senken. Erst wenn die Beschwerden nach drei Tagen nicht besser werden, sollte man zum Arzt.
    • Dosis und Dauer Wer Antibiotika einnimmt, sollte nie früher als vom Arzt verordnet damit aufhören, auch dann, wenn die Symptome abnehmen. Oft lässt Durchfall, eine Nebenwirkung von Antibiotika, Patienten die Einnahme stoppen. Das fördert Resistenzbildung. Zudem sollten "übrig gebliebene" Antibiotika niemals an andere weitergegeben werden. Die Dosis und die Dauer der Einnahme sind entscheidend, um Resistenzen zu bekämpfen. (Karin Pollack, 18.11.2018)
    • Wenn die Wirkung verpufft: Bei einigen Antibiotika ist das bereits der Fall. Krankmachende Bakterien wie etwa E.coli sind immun geworden. Damit gibt es ein Medikament weniger gegen Harnwegsinfekte.
      foto: apa

      Wenn die Wirkung verpufft: Bei einigen Antibiotika ist das bereits der Fall. Krankmachende Bakterien wie etwa E.coli sind immun geworden. Damit gibt es ein Medikament weniger gegen Harnwegsinfekte.

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