Zahl der Vermissten bei Bränden in Kalifornien auf 1.000 gestiegen

    Ansichtssache17. November 2018, 08:22
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    Es wurden acht weitere Leichen gefunden. Beim "Camp"-Feuer handelt es sich um das tödlichste Feuer in Kaliforniens Geschichte

    Los Angeles / Paradise – US-Präsident Donald Trump will am Samstag nach Kalifornien reisen, um sich mit Betroffenen der schweren Waldbrände zu treffen. Das teilte das Weiße Haus am Donnerstag (Ortszeit) mit. In dem Westküstenstaat wüten seit der vergangenen Woche zwei große Brände.

    Das "Camp"-Feuer im Norden hat nach neuesten Angaben mindestens 71 Menschen das Leben gekostet. Noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen in Kalifornien sind so viele Menschen bei einem Feuer in dem Bundesstaat gestorben. Die Zahl der Vermissten stieg unterdessen nach einer Neuauswertung aller Notrufe drastisch von rund 200 auf mehr als 1.000, wie der Sheriff von Butte County, Kory Honea, nach Angaben des Senders CNN am Donnerstagabend mitteilte.

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    Ein Video über die schlimmsten Waldbrände in Kalifornien bisher.
    foto: apa/afp/javier tovar

    In der fast völlig abgebrannten Ortschaft Paradise ging am Donnerstag in den Häuserruinen die Suche nach Vermissten weiter.

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    foto: imago/joel angel juarez

    Hunderte Helfer in weißen Schutzanzügen und speziell ausgebildete Spürhunde suchten in den Trümmern weiter nach möglichen sterblichen Überresten. Angehörige stellten DNA-Material zur Verfügung, um bei der Identifizierung von Überresten zu helfen. Viele der geborgenen Leichen sind bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.

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    foto: ap/john locher

    Die Feuerwehrleute machten unterdessen Fortschritte, die Brände zu löschen. Die Flammen im Raum Paradise waren am Donnerstag nach Angaben der Behörden zu 40 Prozent eingedämmt.

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    foto:ap/noah berger

    Rehe in Paradise.

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    apa/afp/frederic j. brown

    Im Süden Kaliforniens, wo das "Woolsey"-Feuer nahe Malibu zwei Menschenleben forderte, konnten die Brände zu fast 60 Prozent umzingelt werden. Dort waren zwei Menschen in den Flammen umgekommen. Für Südkalifornien teilte der nationale Wetterdienst mit, man hoffe, dass die Bedrohungslage an diesem Freitag abnehme. Beide Feuer haben zusammen hunderte Quadratkilometer Wald und tausende Häuser zerstört.

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    foto: imago/zuma press

    In vielen Teilen Kaliforniens waren die Auswirkungen der Katastrophen zu spüren. Die Behörden warnten vor gefährlicher Rauchbelastung und schlechter Luftqualität. In San Francisco etwa wurde am Donnerstag der Betrieb der beliebten Cable-Car-Bahnen eingestellt. Statt der offenen Bahnen würden Busse eingesetzt, teilte die Verkehrsbehörde in einem Tweet mit.

    In Südkalifornien fraßen sich die Flammen durch die pittoreske hügelige Gegend rund um den Promiwohnort Malibu. Tausende Bewohner mussten sich in Sicherheit bringen und ihre Häuser verlassen. Auch die Villen mehrerer in und um Malibu ansässiger Stars brannten ab – darunter die Häuser von Popstar Miley Cyrus und ihrem Lebensgefährten Liam Hemsworth sowie von Schauspieler Gerard Butler und TV-Moderator Thomas Gottschalk.

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    foto: apa/afp/frederic j. brown

    Stars, teils selbst betroffen, riefen zu Spenden für die Feuerwehr und andere Hilfsorganisationen auf. Das Paar Cyrus/Hemsworth spendete eine halbe Million Dollar für die Brandopfer. Auch Schauspieler Til Schweiger spendete mit seiner Familie über die Plattform Go Fund Me insgesamt umgerechnet 11.500 Euro an die Feuerwehr in Malibu. Seine Ex-Frau Dana und Tochter Emma (16) mussten aus ihrem Haus in Malibu flüchten. US-Popstar Lady Gaga versorgte Menschen in einer Notunterkunft mit Pizza.

    Einen fragwürdigen Beitrag zur Malibu-Gemeinschaft leistete Carey Hart, Ehemann der Sängerin Pink: Er sorgte mit einem Instagram-Foto für Aufregung, das ein Dutzend bewaffnete Männer vor einer Wohngegend zeigte. Sie posierten vor einem Schild mit der Aufschrift "Plünderer werden an Ort und Stelle erschossen".

    Unter dem Post warnte er etwaige Kriminelle, "sich zweimal zu überlegen, noch einmal nach Malibu zu kommen". Das Sheriff-Büro des Los Angeles Countys sagte dem "Los Angeles Magazine", dass es bisher nicht zu Plünderungen in Malibu gekommen sei, und rief die Bürger auf, den Schutz der Bevölkerung und ihrer Besitztümer den Einsatzkräften zu überlassen.

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    foto: reuters/terray sylvester

    Ein Sohn und seine Mutter aus Paradise, die wegen der Brände ihr Zuhause verlassen mussten, in einem Übergangslager für durch das Feuer obdachlos gewordene in Chico.

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    foto: terray sylvester

    Ein Mann, der sein Haus in Paradise verloren hat, steht neben einem Zelt des Evacuation Center in Oroville.

    Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown äußerte sich schockiert über das Ausmaß der Zerstörung. "Es sieht aus wie ein Kriegsgebiet", sagte er. US-Innenminister Ryan Zinke, der die betroffenen Regionen am Mittwoch (Ortszeit) besuchte, sprach von einer verheerenden Tragödie und betonte: "Das ist das schlimmste Feuer, das ich je gesehen habe."

    Derzeit sind viele Menschen in Notunterkünften untergebracht. Die Behörden sind besorgt, dass sich dort Krankheiten schnell ausbreiten könnten. Die Gesundheitsbehörde im Butte County rief die Bevölkerung auch auf, sich und besonders Kinder vor der rauchverschmutzten Luft zu schützen und drinnen zu bleiben. (APA, 16.11.2018)

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