Antibiotikum aus Baumwanzen verspricht neuartige Wirkung

    15. November 2018, 16:12
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    Das natürliche Antibiotikum Thanatin verhindert den Aufbau der Schutzhülle gramnegativer Bakterien. Das Prinzip hat für die Entwicklung neuer Medikamente Potenzial

    Immer mehr Bakterien werden immun gegen bewährte Antibiotika. Die weltweite Ausbreitung von antibiotikaresistenten Bakterien stellt eine wachsende Bedrohung für die menschliche Gesundheit dar. Auf der Suche nach Alternativen sind Forscher der Universität und der ETH Zürich nun auf ein Antibiotikum mit einem bisher unbekannten Wirkmechanismus gestoßen. Produziert wird es von Baumwanzen.

    Dieses natürliche Antibiotikum namens Thanatin stammt von einer nordamerikanischen Baumwanze und wirkt gegen sogenannte gramnegative Bakterien. Dazu gehören zum Beispiel krankmachende Stämme des Darmbakteriums Escherichia coli. Die Schweizer Forscher haben konnten entschlüsseln, wie genau dieses Antibiotikum die Bakterien eliminiert.

    Blockierte Membranbildung

    Wie John A. Robinson und Kollegen im Fachblatt "Science Advances" berichten, verhindert Thanatin den Aufbau der Schutzhülle der Bakterien. Genauer gesagt: Sie unterbinden die Bildung der äußeren von zwei übereinanderliegenden Zellmembranen, welche die Erreger umgeben. Die äußere Membran hat eine wichtige Abwehrfunktion und verhindert, dass für das Bakterium toxische Substanzen ins Zellinnere gelangen.

    Beim Aufbau der äußeren Zellmembran werden die dafür benötigten Fett-Zucker-Bausteine (Lipopolysaccharide) über eine Art Brücke aus sieben verschiedenen Proteinen von der inneren Membran zur äußeren befördert. Thanatin blockiert den Bau dieser Brücke, indem es die Wechselwirkung zwischen den beteiligten Proteinen stört. So gelangen die Lipopolysaccharide nicht an ihren Bestimmungsort, die äußere Zellmembran kann nicht ausgebildet werden. Ohne diese Schutzhülle sterben die Bakterien ab.

    "Dieser Wirkmechanismus ist bisher beispiellos und öffnet neue Perspektiven für die Entwicklung zukünftiger Antibiotika-Klassen gegen gefährliche Keime", sagte Robinson. "Ein weiteres neuartiges Antibiotikum, das auf andere gramnegative Erreger abzielt, wäre eine wichtige Ergänzung bei der Entwicklung von dringend benötigten antibakteriellen Therapien." (red, APA, 15.11.2018)

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