Leopold, der Fromme unter den Heiligen

    15. November 2018, 13:43
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    Schüler in Wien und Niederösterreich und niederösterreichische Beamte haben am Donnerstag frei. Wegen wem eigentlich?

    Der heilige Leopold hat vielleicht nicht seinen Mantel geteilt wie der heilige Martin. Er war auch kein verruchter Außenseiter wie der heilige Benedikt Joseph, der in seiner Pilgerschaft dreißigtausend Kilometer zurückgelegt haben soll. Und so geheimnisvoll wie der heilige Niklaus von Flüe, der mit 50 beschloss, Frau und Kinder zu verlassen und als Einsiedler zu leben, war der heilige Leopold auch nicht.

    Was er aber war: ein eifriger Klostergründer. Das Stift Heiligenkreuz geht auf ihn zurück, genauso das Kloster Klein-Mariazell. Und auch die Münzprägestätte in Krems und der dadurch entstandene Kremser Pfennig sind ihm zu verdanken. Am bedeutendsten aber – für den heiligen Leopold selbst und jene, die seiner gedenken – ist das Stift Klosterneuburg.

    Ein Schleier, ein Busch und viele Kinder

    Dass er dieses erbauen ließ, ist seiner Konsequenz geschuldet: Als der Schleier seiner Frau Agnes bei einem Jagdausflug am Leopoldsberg verweht wurde – so sagt es die Legende –, gelobte er, an der Stelle, an der er ihn wiederfindet, ein Kloster zu erbauen. So kam es, 1108 wurde das Stift unter seiner Schirmherrschaft gegründet.

    foto: apa
    So soll er ausgesehen haben, der Landespatron von Österreich, Wien, Niederösterreich und, gemeinsam mit dem heiligen Florian, von Oberösterreich.

    Seitdem wird Agnes' Schleier dort verehrt, noch heute ist er im Stift ausgestellt. Man ließ ihn forensisch untersuchen: Verfallsmessungen und die Analyse von Blütenstaub auf dem Schleier legen nahe, dass er aus der Zeit Agnes' und Leopolds stammt, eine teure Goldfassung, wie sie sich damals nur Adelige leisten konnten, erhärtet den Verdacht. Ebenfalls aufbewahrt wird ein Stück eines Holunderbuschs, dessen Herkunft allerdings ist weitaus weniger geklärt.

    Friede unter den Nachfahren

    Nur unzureichend geklärt ist auch, wie viele Kinder der heilige Leopold in die Welt setzte, eine Zahl zwischen 16 und 18 wird diskutiert. Einige der potenziellen Nachfahren liegen im Stift Heiligenkreuz, genetische Untersuchungen in den 80ern konnten ihren Stammbaum allerdings nicht restlos verifizieren.

    Der heilige Leopold, eigentlich ein Markgraf aus dem Hause der Babenberger, auch der Milde oder der Fromme genannt, war ein friedfertiger Mann. Aus großen politischen Auseinandersetzungen hielt er sich heraus, weitete dennoch in Ruhe sein Territorium aus. Um einen Nachfolgestreit unter der unbekannten Anzahl seiner Söhne zu vermeiden, soll er 1125 sogar auf die römische Kaiserkrone verzichtet haben.

    Heute ist der heilige Leopold Schülern aus Wien und Niederösterreich und Beamten aus Niederösterreich vor allem wegen einer Sache bekannt: Dank ihm ist der 15. November für sie ein freier Tag. (red, 15.11.2108)

    • Im Stift Kremsmünster wird zum Leopoldifest um den 15. November, dem Tag des Landespatrons Leopold, das Fasslrutschen veranstaltet.
      foto: apa

      Im Stift Kremsmünster wird zum Leopoldifest um den 15. November, dem Tag des Landespatrons Leopold, das Fasslrutschen veranstaltet.

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