"Aber meine Freunde dürfen das!" – Andere Familien, andere Regeln

Blog16. November 2018, 07:00
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Wie man als Elternteil umgeht, wenn Kinder argumentieren, dass andere etwas dürfen oder nicht machen müssen

Die Teenager Marie, David und Martin ärgern sich schon zum wiederholten Mal, dass ihre kleine sechsjährige Schwester Hanna so lange fernsehen und aufbleiben darf. Aus Sicht der Älteren durften sie damals, als sie noch jünger waren, bestimmte Sendungen nicht sehen und mussten deutlich früher im Bett sein. Immer wieder beschweren sie sich darüber bei ihren Eltern.

Mustafa, acht Jahre, löchert seinen Vater, weil er unbedingt ein Handy haben möchte. Sein Freund hat vor kurzem eines zum Geburtstag bekommen. Mustafas Eltern sind sich jedoch einig, dass er jetzt noch kein Smartphone braucht und auch keines bekommt.

Die Freundinnen Sonja und Andreja (beide 13) sind zu einer Geburtstagsparty eingeladen. Während Sonja bis Mitternacht bleiben darf, muss Andreja schon um 22 Uhr heim. Das Mädchen ist wütend, frustriert und schimpft, dass ihre Eltern unfair seien und alle anderen viel länger dort bleiben dürften.

Auch im Forum erzählt ein User, wie anstrengend es für Eltern ist, bezüglich Erziehungsregeln mit anderen verglichen zu werden:

Unterschiedlicher Umgang mit Geboten und Verboten

Haben Eltern und Bezugspersonen früher damit oftmals kurzen Prozess gemacht und Argumente wie "Aber mein Freund darf das...!" mit "Das ist mir egal" oder "Bei uns ist das aber nicht so" abgeschmettert, wird heutzutage eher darauf geachtet, dass dem Nachwuchs auch erklärt wird, warum es in unterschiedlichen Familien verschiedene Regelungen gibt und diese spezielle Regel in der eigenen Familie gültig ist.

Manchmal stellt sich heraus, dass andere Kinder gar nicht wirklich das dürfen oder tatsächlich machen, was die eigene Tochter oder der eigene Sohn so behauptet. Mitunter ist es nur ein Versuch des Nachwuchses, Druck aufzubauen, dem die Eltern und Bezugspersonen irgendwann nachgeben. Die Jugendlichen wollen damit argumentieren, dass sie als Einzige anders handeln müssten als alle anderen.

Meist geht es nicht darum, eine Regel zu hinterfragen, sondern darum, eine Regel zugunsten der Kinder und Jugendlichen zu verändern und anzupassen. Die Kinder und Jugendlichen probieren ihre Grenzen aus, um für sich das Bestmögliche zu erreichen. Diese Stabilität von Vereinbarungen wollen und brauchen Kinder und Jugendliche, aber sie brauchen auch die Chance, sich daran zu reiben.

"Aber die anderen dürfen das ..."

Regeln setzen, Regeln lockern

Klar ist, dass sich Kinder und Jugendliche verändern, älter und reifer werden, und sie sind mit der Zeit immer weniger auf die Familie und mehr auf die Freundesgruppe fokussiert. So beobachten sie, dass manches in verschiedenen Familien anders funktioniert, dass es mitunter andere Regeln gibt und sich daraus Konsequenzen ableiten.

Wenn die Frage, warum andere Verschiedenes dürfen, mehr bekommen oder augenscheinlich mehr Freiheiten haben, zum Thema wird, ist es wichtig, plausibel zu erklären und als Eltern Position zu beziehen. Es ist in der Erziehung grundsätzlich wichtig, seine eigenen Positionen und Regelungen zu überdenken, aber Regeln aufzustellen ist in jedem Fall notwendig. Man kann durchaus das Kind oder den Jugendlichen in die Aufstellung von Regeln miteinbeziehen.

Da kann es schon vorkommen, dass die Bestimmungen doch gelockert und die Grenzen dem Alter und den Kompetenzen des Nachwuchses entsprechend erweitert werden sollten und müssen.

Kinder sind von Beginn an mit Regeln konfrontiert und wachsen damit auf. Sie lernen von klein auf, diese auszuhandeln und Kompromisse zu finden. Diese erlernte Kompromissfähigkeit können Familien fördern. Es geht nicht um autoritäres Entscheiden, sondern um gemeinsames Finden von Lösungen für die Einhaltung von wichtigen Regeln, und es geht und nicht darum, Regeln über Bord zu werfen.

Nicht immer ist es notwendig, dem Wunsch des Kindes oder Jugendlichen nachzugeben. Auch wenn der Nachwuchs vielleicht deshalb verstimmt ist, kann es wichtig und notwendig sein, eine bestehende Regelung aufrechtzuerhalten, weil dies dem Schutz des Kindes oder Jugendlichen dient oder weil der Nachwuchs die Konsequenzen seines Tuns nicht abschätzen kann. Die Enttäuschung des eigenen Kindes müssen Erziehende aber auch aushalten.

Mit anderen Austauschen

Als Elternteil und Bezugsperson ist man gefordert, sich seine Gedanken darüber zu machen, was man selbst für seine Kinder für wichtig und richtig hält. Es braucht eine gehörige Portion Selbstbewusstsein und Stärke, seiner Überzeugung in der Erziehungsarbeit treu zu bleiben. Es macht wenig Sinn, die Erziehung und den Umgang anderer Eltern und Bezugspersonen mit ihren Kindern zu kopieren, weil das eigene Kind es "cooler" findet.

Eltern und Bezugspersonen können sich von den Wünschen der Kinder anregen lassen, über die Sinnhaftigkeit von Regelungen nachzudenken. So können sie sich eventuell mit anderen austauschen, wie diese mit bestimmten Forderungen, Wünschen nach mehr Autonomie, Selbstbestimmung und Freiheiten der Kinder und ihren eigenen Vorstellungen darüber umgehen.

Schlussendlich muss aber jeder Erziehende und jede Bezugsperson eigene Entscheidungen treffen und darauf bedacht sein, dass diese für alle Beteiligten zwar vielleicht nicht angenehm, aber gut sind.

Ihre Erfahrung?

Wie gehen Sie damit um, wenn anderen Kindern offensichtlich mehr erlaubt wird, als Sie Ihren eigenen Kindern gestatten? Was veranlasst Sie, bestehende Regelungen zu verändern? Über welche Regelungen lassen Sie nicht mit sich reden? Posten Sie Ihre Erfahrungen, Fragen und Ideen im Forum! (Andrea Leidlmayr, Christine Strableg, 16.11.2018)

Andrea Leidlmayr und Christine Strableg bloggen auf derStandard.at/Familie und geben Eltern Tipps für den täglichen Erziehungsalltag.

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