Kopfpolster: Der Haarreif traut sich aus der Deckung

    Kolumne15. November 2018, 07:00
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    Kate Middleton wurde für das Tragen eines Haarreifs kritisch beäugt. Dabei ist sie ausnahmsweise mal modisch vorneweg

    Es ist nicht immer leicht, die Ehefrau eines Prinzen zu sein. Immer diese öffentliche Beobachtung! Herzogin Kate zum Beispiel: Jede Strumpfhose, jeder Mantel, jeder Augenaufschlag ist imstande, in den Boulevardmedien ein Erdbeben auszulösen. Zuletzt erst ist das wieder während einer öffentlichen Gedenkzeremonie passiert. "Superschick in samtigem Waldgrün", urteilte das deutsche Magazin "Bunte" über das Outfit der Herzogin. "Aber was hat sie da auf dem Kopf?" Woanders wurde ausgeteilt: "Zerstörte Kates Haarreif ihren Look auf der Gedenkfeier?"

    foto: paul grover/pool photo via ap
    Die neuen "Fab Four": William, Harry, Meghan und Kate (mit Haarreif).

    Solch harsche Reaktionen zeugen von wenig Verständnis für modische Experimente. Dabei könnte man doch einfach einmal positiv bemerken: Kate traut sich mit ihrem aufgepolsterten Samthaarreif (gefertigt von der britischen Hutdesignerin Jane Taylor) endlich modisch aus der Deckung.

    Schließlich hat erst im September das italienische Modehaus Prada ähnlich stolze Haarreifen vorgestellt. Sie saßen wie Heiligenscheine oder Krönchen auf den Köpfen der Models. Und erinnerten an die Teile, die sich Hillary Clinton Anfang und Mitte der 1990er-Jahre aufgesetzt hatte. Lange war Clinton für ihren Haarschmuck belächelt worden. Mit der Zeit jedoch wusste man jene Bilder der Politikerin mit all den Bändern und Reifen in der Föhnfrisur zu schätzen, zeugten sie doch von einem gewissen modischen Eigensinn.

    foto: apa/afp/andreas solaro
    Prada trägt seinen Kundinnen für das kommende Frühjahr auf: Tragt Kopfpolster!
    foto: apa/afp/miguel medina
    Dolce & Gabbana hingegen nutzen den flachen Haarreif ganz klassisch zum Festhalten von Krönchen und Schleier.

    So sind es natürlich nicht nur die Italiener von Prada mit ihren beeindruckenden Kopfpolstern à la Hillary, sondern vor allem kleine Labels, die mit den spannendsten Exemplaren um die Ecke kommen. Das französische Hutlabel Benoît Missolin zum Beispiel hat Accessoires im Programm, die auf den ersten Blick wie Haarbänder aussehen, sich aber fest ins Haar stecken lassen.

    Wer glaubt, das sei eine Spinnerei für eine modische Minderheit: Chiara Ferragni, eine der wahrscheinlich einflussreichsten Lifestyle-Influencerinnen der Welt, ist mit dabei. Sie setzte sich bereits im Jänner einen Kopfpolster in Samt auf den Kopf.

    Ihr Posting erntete bis heute 437.212 Likes. Der eine oder andere Follower wird sein Like ernst gemeint haben. (Anne Feldkamp, 15.11.2018)

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