Telekom-Vorstand wollte Telekom selbst kaufen

    12. November 2018, 17:13
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    Die Staatsanteile der TA hätten 2006 per Management-Buy-out an Rudolf Fischer und Boris Nemšić gehen sollen. Der Plan ging nicht auf

    Gräbt man in der Vergangenheit der Telekom Austria (TA), wie das der laufende Strafprozess mit sich bringt, lassen sich durchaus neue und interessante Fundstücke zutage befördern. Etwa der Umstand, dass die damaligen TA-Manager Rudolf Fischer (Festnetz) und Boris Nemšić (Mobilfunk) im Jahr 2005 daran arbeiteten, die noch in Staatseigentum stehenden Anteile der TA per Management-Buy-out (MBO) zu erwerben. Auch Ron Sommer, bis Juli 2002 Chef der Deutschen Telekom, spielte dem Vernehmen nach eine gewichtige Rolle. Er sollte als eine Art Aushängeschild fürs Konsortium dienen, das den Deal ausgetüftelt und aufgesetzt hatte und dann auch finanzieren sollte.

    Streng geheim

    Eingeweiht in das streng geheime Vorhaben rund um die teilstaatliche TA war auch Lobbyist Walter Meischberger. Er soll die Koordinierungsgespräche geführt haben, Finanzminister war ja noch Karl-Heinz Grasser, der ebenfalls Bescheid gewusst haben und involviert gewesen sein soll.

    Er habe in der Sache vor allem auch Kontakt zu Julius Meinl V. gehabt, wie es damals Involvierte erzählen. Wie Julius Meinl ins Spiel gekommen ist? Er soll die Idee (mit)entwickelt haben, operativ war allerdings ein anderer Meinl-Banker zuständig. Die Wiener Meinl Bank war denn auch eine der drei Investmentbanken, die das MBO federführend finanzieren sollten. Zudem an Bord: Goldman Sachs und Hedgefonds Blackstone. Dessen Berater: Sommer.

    Privatisierungspläne

    Zur Erinnerung, wie die Telekom damals aufgestellt war: Der Staat – in Form seiner Industrieholding ÖIAG – hielt noch rund ein Viertel an der Telekom, die 2000 an die Börse gebracht worden war. Auch das letzte Viertel (genau genommen waren es über eine Umtauschanleihe 30 Prozent) sollte auch noch privatisiert werden, so der Plan der ÖVP-FPÖ-Regierung unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP). Und: Es wurde heftig gestritten, quasi jeder gegen jeden.

    Als potenzieller TA-Käufer galt damals unter anderen das Konsortium rund um die Unternehmer Josef Taus (Ex-ÖVP-Obmann), Martin Schlaff und Herbert Cordt – ihnen blies aber Gegenwind ins Gesicht. Die drei hatten 2002 um rund 800 Millionen Euro den bulgarischen Handynetzbetreiber Mobiltel erworben, den sie der TA 2005 um rund 1,6 Milliarden Euro weiterverkauften. Lobbyiert haben bei diesem aufsehenerregenden Weiterdreher angeblich Walter Meischberger und Peter Hochegger. Ein Verkauf der staatlichen TA-Anteile an das Taus-Schlaff-Cordt-Konsortium fand 2005 jedenfalls keine Unterstützung, weder bei den Kapitalvertretern der ÖIAG noch im TA-Aufsichtsrat, der allerdings keine Entscheidungskompetenz hatte.

    Umso bessere Chancen malte sich das Konsortium rund um die Meinl Bank aus. Sogar einen Finanzchef hatte man dem Vernehmen nach schon im Auge, diesen Job sollte der Österreicher Thomas Winkler übernehmen. Er war die rechte Hand von Sommer und Finanzvorstand der T-Mobile International in Bonn.

    Risiko für die Wahlen

    Geworden ist aus dem potenziell milliardenschweren Deal, an dem auch noch 2006 gebastelt wurde, genauso wenig wie aus einem Verkauf an Swisscom. Zum einen gab es Leute, die Fischer und Co davon abrieten, letztlich scheiterte er 2006 an Kanzler Schüssel. Damals standen im Herbst Nationalratswahlen an, Schüssel befürchtete (wohl nicht zu Unrecht), dass die überraschende Telekom-Vollprivatisierung hohe Wellen schlagen und das Wahlergebnis belasten würde.

    Zur Erinnerung: Noch heute gehören dem Staat rund 28 Prozent der TA, 51 Prozent hält die mexikanische América Móvil, der Rest steht in Streubesitz. (Renate Graber, 12.11.2018)

    • Ein Geheimplan hätte die Telekom-Manager Rudolf Fischer (links) und Boris Nemšić zu Miteigentümern gemacht.
      foto: apa/neubauer

      Ein Geheimplan hätte die Telekom-Manager Rudolf Fischer (links) und Boris Nemšić zu Miteigentümern gemacht.

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