Benkos Signa-Holding steigt via Funke-Mediengruppe bei "Krone" und "Kurier" ein

    12. November 2018, 11:21
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    Signa würde nach dem Sanktus der Kartellbehörden durchgerechnet 24,22 Prozent am "Kurier" und 24,5 Prozent an der "Krone" halten

    Wien – Die Signa-Holding von René Benko steigt über die deutsche Funke-Mediengruppe ins Mediengeschäft ein, konkret bei der "Kronen Zeitung" und beim "Kurier": Signa übernimmt dazu von Funke einen Anteil von 49 Prozent an der WAZ Ausland Holding GmbH, die wiederum an der "Kronen Zeitung" und dem "Kurier" beteiligt ist, teilte das Unternehmen am Montag mit.

    Signa investiert damit erstmals neben Immobilien und Handel auch in das Mediengeschäft. Die Funke-Gruppe hält über die WAZ Ausland Holding GmbH 50 Prozent an der "Kronen Zeitung" und knapp 50 Prozent am "Kurier". Die übrigen Anteile an der "Krone" gehören der Familie Dichand. Mitgesellschafter beim "Kurier" ist die Raiffeisen-Gruppe.

    Stillschweigen über Kaufpreis

    Die Zusammenarbeit starte "nach Freigabe durch die zuständigen Kartellbehörden". Signa hielte dann durchgerechnet 24,22 Prozent am "Kurier" und 24,5 Prozent an der "Krone". Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. "Krone" und "Kurier" wiederum sind über die Mediaprint, das gemeinsame Anzeigen- und Vertriebsdach, verbunden.

    Die neuen Eigentumsverhältnisse

    grafik: apa

    Der Einstieg ins Mediengeschäft ist Benkos nächster großer Coup. Im Juni kaufte die Signa-Holding des Tiroler Immobilieninvestors von Steinhoff die Möbelkette Kika/Leiner. Erst am Freitag gab zudem das deutsche Bundeskartellamt grünes Licht für die Fusion von Benkos Warenhausriesen Karstadt und Kaufhof.

    Regionalmedien und Magazine

    Die Funke-Gruppe gehört zu Deutschlands größten Verlagshäusern. Der Fokus liegt auf Regionalmedien mit den Tageszeitungen "Berliner Morgenpost", "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" und "Hamburger Abendblatt" sowie Frauen- und Programmzeitschriften. Zum Portfolio gehören etwa "Hörzu", "Gong", "TV Digital", "Bild der Frau", "Frau im Spiegel" und "Myself".

    "Kronen Zeitung" und Funke-Gruppe streiten seit Jahrzehnten über gesellschaftrechtliche Belange und die strategische Ausrichtung. Die Fälle landen regelmäßig vor den Schiedsgerichten – Streitpunkte waren etwa die beim Einstieg der Deutschen vereinbarten Vorrechte für die Dichands, vor allem eine Gewinngarantie. Die Funke-Gruppe ist seit 1987 bei der "Kronen Zeitung" an Bord, weil Kurt Falk damals seine "Krone"-Anteile an die Deutschen verkaufte. Seit 1988 ist die Funke-Gruppe auch am "Kurier" beteiligt – damals firmierte der Konzern noch als Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ).

    Dichands Verlassenschaft geregelt

    Die erste Ausgabe der "Neuen Kronen Zeitung", wie sie damals hieß, ging am 11. April 1959 unter der Führung Hans Dichands in Druck. Der langjährige "Krone"-Chef starb im Jahr 2010. Sein Sohn Christoph ist seit 2003 Chefredakteur des Boulevardblatts. Hans Dichands Verlassenschaft ist erst seit Ende September geregelt. Helga Dichand und ihre drei Kinder Michael, Johanna und Christoph sind laut der Rechercheplattform "Dossier" zu gleichen Teilen (12,5 Prozent) Gesellschafter des Krone-Verlags.

    Trotz kontinuierlich sinkender Leserzahlen ist das Kleinformat nach wie vor die mit Abstand größte Tageszeitung Österreichs. Die Media-Analyse wies der "Krone" zuletzt eine Reichweite von 28 Prozent beziehungsweise 2,091 Millionen Leser aus.

    Benko: Strategisches Investment

    René Benko begründet seinen Einstieg bei der "Krone"- und "Kurier"-Beteiligungsgesellschaft mit seiner Strategie, "einer der führenden Multichannel-Anbieter in Europa zu werden": "Die Digitalisierung löst die Grenzen zwischen traditionellen Geschäftsmodellen auf. Handel, Information und Unterhaltung, aber auch das Wohnen und die moderne Welt der Arbeit – diese Bereiche lassen sich schon heute nicht mehr trennen."

    Funke-Geschäftsführer Michael Wüller sieht in Signa einen "starken Partner für unsere verlegerischen Aktivitäten in Österreich". Beide strichen in der gemeinsamen Aussendung die Herausforderung für die Branche durch die Digitalisierung hervor. Benko werde sein Know-how "in der Transformation starker Marken" in die Partnerschaft einbringen.

    Raiffeisen gelassen, kein Kommentar von Dichand

    Die Raiffeisen werde im "Kurier" weiterhin "die klare Mehrheitsposition von 51 Prozent" haben, und es werde sich somit nichts ändern, sagte der Chef der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien und "Kurier"-Aufsichtsratschef Erwin Hameseder am Montag der APA.

    Die Raiffeisen sei von der Vereinbarung zwischen Funke und Signa kurzfristig informiert worden, sagte Hameseder. Aber: "Meines Wissens ist es so, dass nach wie vor Funke selbst in der Österreich-Holding die alleinige Kontrolle hat. Unter dieser Voraussetzung ändert sich nichts." Ebenso wichtig sei, "dass es mit der 'Krone' in der Mediaprint weiterhin eine sehr gute Zusammenarbeit gibt".

    Keinen Kommentar gibt es von Christoph Dichand, hieß es am Montag auf APA-Anfrage im Büro des "Krone"-Chefredakteurs und -Herausgebers, der die Familie im Gesellschafterausschuss vertritt. (red, APA, 12.11.2018)

    Hinweis: Der Artikel wird laufend aktualisiert.

    • Immobilien-Investor René Benko steigt groß ins Mediengeschäft ein.
      foto: apa/techt

      Immobilien-Investor René Benko steigt groß ins Mediengeschäft ein.

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