SRF-Sender sollen auf Meinungsjournalismus verzichten

    11. November 2018, 15:17
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    Nachrichtenbeiträge sollen nur noch abbilden und nicht mehr bewerten, sagt neue Chefin Nathalie Wappler

    Bern – Die Sender des Schweizer Radio und Fernsehens SRF sollen künftig auf Meinungsjournalismus verzichten. Nachrichtenbeiträge sollen bloß noch abbilden, nicht mehr bewerten, sagte die designierte neue SRF-Direktorin Nathalie Wappler im Interview mit der "NZZ am Sonntag".

    "Wir müssen ein Programm machen, das informiert, aber nicht polarisiert. Wir müssen keinen Meinungsjournalismus machen", sagte die 50-Jährige, die im Frühjahr 2019 Nachfolgerin von SRF-Direktor Ruedi Matter wird. Wappler ist derzeit Programmdirektorin des Mitteldeutschen Rundfunks in Halle.

    "Wenn wir in einem Beitrag einen Politiker zu Wort kommen lassen und wenn der Journalist dann den Eindruck erweckt, er wisse es besser, provoziert das einen Vertrauensverlust." Der Sender war wiederholt von Politikern der stärksten Schweizer Partei, der SVP, kritisiert worden.

    Journalistenpools

    Wappler kündigte weiter an, künftig mit privaten Medien und Verlegern zusammenarbeiten zu wollen. Ihr schweben gemeinsame Journalistenpools in den Regionen vor, über die kleine Redaktionen das Knowhow von SRF anzapfen dürften. "Die BBC hat mit Regionalmedien ein Netzwerk von Lokaljournalisten erstellt, auf das kleinere Redaktionen zurückgreifen können. So stärkte sie den Lokaljournalismus." Solche Modelle könnten auch für die Schweiz interessant sein.

    Stärken will Wappler die Kultur, sie werde diese keinem Quotenausdruck aussetzen. "Unsere Beiträge müssen auf Youtube nicht 16 Millionen Mal angeschaut werden. Vielmehr möchte ich eine Methode finden, mit der man Relevanz messen kann." Kulturbeiträge würden oft über die Zeit eine respektable Reichweite erhalten. Kultur vermittle Werte und sei wichtig für den Zusammenhalt einer Gesellschaft.

    Da die SRG ab 2019 jährlich 100 Millionen Franken einsparen muss, wird Wappler laut eigenen Angaben bei SRF voraussichtlich 47 Stellen abbauen müssen. Wo sie den Hebel konkret ansetzen will, dazu äußerte sie sich im Interview nicht. (APA, 11.11.2018)

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