Spielerfrauen: Das Wagnis der Wags

    9. November 2018, 18:50
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    Ein Instagram-Kommentar von Lisa Müller, der Angetrauten von Bayern-Stürmer Thomas Müller, rief den Begriff Spielerfrau in Erinnerung. Die Reflexe erwiesen sich als verlässlich und sehr wertbeständig.

    Wie Lisa Müller auf eine Niederlage des FC Bayern in Dortmund am Samstag reagieren würde, ist schwer abzuschätzen. Das hinge wohl auch davon ab, wie sehr ihr Ehemann, Stürmer Thomas Müller, beteiligt ist. Vermutlich würde sie nicht so reagieren wie vor Wochenfrist während des Ligaspiels der Münchner gegen Freiburg (1:1) auf die späte Einwechselung des Göttergatten. "Mehr als 70 Minuten, bis der mal nen Geistesblitz hat", schrieb Frau Müller auf Instagram, ohne den damit gemeinten Coach und Müller-Vorgesetzten Niko Kovac zu nennen.

    Die Kritik ging, obwohl nach nur 50 Minuten wieder gelöscht, viral, wie man so sagt. Mehr hat die erfolgreiche Dressurreiterin, vom Boulevard wegen ihrer zurückhaltenden Art eigentlich zähneknirschend gelobt, nicht gebraucht. Abgesehen vom üblichen Social-Media-Echo, das im nettesten Fall zum Einkauf mit des Mannes Kreditkarte und im Übrigen zum Mundhalten riet, entspann sich auch in der Szene selbst eine muntere Debatte. Nicht nur professionelle Fußballkommentatoren wie Ewald Lienen missbilligten Müllers Halbsatz. Der ehemals als linksintellektueller Querdenker titulierte Ex-Profi urteilte auf Sky bemerkenswert: "Das ist ein absolutes No-Go, lächerlich. Von einer Spielerfrau sowieso."

    Ausmischen

    Auch unter den Begriff Spielerfrauen fallende Partnerinnen von Fußballern versorgten Medien mit Steilpässen. "Ich finde, es steht mir nicht zu, mich in das Business meines Mannes einzumischen. Er mischt sich bei mir auch nicht ein", sagte Cathy Hummels, die als Moderatorin und Kolumnistin wirkte, unter anderem mit einem Videotagebuch von der WM 2014 für bild.de.

    Anlässlich von Turnieren wie Europa- oder Weltmeisterschaften wird das Thema Spielerfrauen regelmäßig aufgenommen, sogar in Österreich, wo zumindest bisher die Rolle der Lebenspartner im Fußballalltag weniger zur Diskussion gestellt wurde. Mit schöner Regelmäßigkeit wird da die Frage erörtert, wie die Männer die lange Trennung von den Lieben wegstecken sollen, ohne Leistungsvermögen einzubüßen. Oder anders herum – wie viel Kontakt der Leistung überhaupt zuträglich ist.

    Am Beispiel England und WM 2006 in Deutschland wurde die Frage für die Öffentlichkeit beantwortet. Nicht zuletzt den Wags (Wives And Girlfriends) um Victoria Beckham und deren verschwitzt kommentierten Auftritten bei den "Krauts" ("Wags went wild in Baden-Baden") wurde das Scheitern der Three Lions schon im Viertelfinale (natürlich im Elferschießen) angelastet.

    Während Coleen Rooney, die mit dem Buch Welcome to My World über ihre Transformation zur Stilikone reüssierte, erst durch ihre, nun ja, turbulente Beziehung mit dem späteren englischen Rekordtorschützen bekannt wurde, brachte Victoria zuerst weltweite Prominenz in die Familie Beckham ein. Sie lernte vom brillanten Kicker nicht das Fußballspielen, er aber vom Spice Girl das Spiel auf der Öffentlichkeitsklaviatur und Modegeschmack.

    Mitmischen

    Immerhin hat Victoria Beckham die Ehe mit ihrem Fußballer ebenso nicht geschadet wie dem kolumbianischen Popstar Shakira der Bund mit Barcelonas Abwehrantiquität Gerard Piqué. In beruflichen Belangen genützt haben schon viele Frauen ihren Fußballern – als Managerinnen etwa. Gaby Schuster und Martina Effenberg waren höchst erfolgreiche deutsche Beispiele. Weniger bekannt, aber nicht weniger effizient: Conny Schachner, mit Österreichs Ex-Teamstürmer und Trainer Walter Schachner verheiratet.

    Dass zuweilen und überhaupt in der schönen neuen Welt des Influencertums die Frauen ihre Fußballer in den Schatten stellen, beweist zum Beispiel Shannen Jai Jeggo, die James Jeggo, dem australischen Legionär der Wiener Austria angetraut ist. Der 24-jährigen Modebloggerin folgen auf Instagram derzeit 326.000 Menschen. Um einen Vergleich einmal ordentlich hinken zu lassen: Der Verein ihres Mannes kommt nicht einmal auf ein Zehntel.

    Die Polemik um Lisa "Lieschen" Müller brach in einer Zeit aus, in der sich für den finanziellen Erfolg des Fußballs Verantwortliche mehr Stadionbesucherinnen wünschen. Wenn sie denn zahlen und zur Sache schweigen, könnte man polemisieren. (Sigi Lützow, 9.11.2018)

    • Die Müllers.
      foto: imago/revierfoto

      Die Müllers.

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