"Polizeiruf 110" aus Rostock: Über dem Gesetz

10. November 2018, 17:00
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So viel Potenzial in der Story und dem Thema läge, so wenig wird zunächst genutzt

Es sind grausliche Dinge, die man am Sonntagabend im Polizeiruf 110: Für Janina (ARD) zu sehen bekommt, und zwar vonseiten der Polizei, wobei nicht einmal körperliche Übergriffe gemeint sind.

Im Präsidium steht eines Tages eine alte Ex-Polizistin aus DDR-Zeiten, die wieder einmal mahnt, bevor sie sterbe, müsse noch der Mord an ihrer Teenager-Tochter im Jahr 1988 aufgeklärt werden.

Bald ist klar: Der, der damals verdächtigt, aber freigesprochen wurde, war es tatsächlich. Er lebt als "braver Bürger" in Rostock, geschützt durch die Strafprozessordnung: Wer freigesprochen wurde, darf wegen desselben Delikts nicht wieder angeklagt werden.

Und weil in der ARD die Themenwoche "Gerechtigkeit" läuft, wollen Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Alexander Buckow (Charly Hübner) den Mann mit anderen Mitteln zur Strecke zu bringen.

Diese sind ärgerlich dümmlich (Gentest), billig (Denunziation) und werden von viel lautem "Fuck, fuck"-Geschrei sowie einer erbärmlich dünnen "Debatte" über den entsprechenden Paragrafen garniert.

So viel Potenzial in der Story und dem Thema läge, so wenig wird zunächst genutzt. Dennoch ist der Film sehenswert, was natürlich am Spiel des Duos Sarnau/Hübner liegt. Auch nach 18 Folgen ist die Geschichte dieser Hassliebe noch nicht langweilig.

Richtig schlimm und doch noch packend wird's am Schluss, als König zur "wütenden Vergeltungspolizistin" mutiert und zum allerletzten Mittel greift, was auch bei Buckow die Hemmungen fallen lässt. Das kann so nicht stehenbleiben. Nie haben ein Polizeiruf oder ein Tatort lauter nach Fortsetzung gerufen als dieser. (Birgit Baumann, 10.11.2018)

  • Alexander Buckow (Charly Hübner).
    foto: ard

    Alexander Buckow (Charly Hübner).

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