Blasphemiegesetz in Pakistan: Vom Mob getrieben

Kommentar8. November 2018, 18:50
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Wer nach nach dem Blasphemiegesetz angeklagt ist, wird oft schon während des Prozesses umgebracht

Die Geschichte von Asia Noreen, medial bekannt als Asia Bibi, ist ein einziger Albtraum. Die nach einem dummen Nachbarschaftsstreit wegen angeblicher Beleidigung des Propheten Mohammed nach dem pakistanischen Blasphemiegesetz angeklagte Christin wurde 2010 zum Tode verurteilt. Vor kurzem hat das pakistanische Oberstgericht das Urteil revidiert – worauf von der islamischen Partei TLP verhetzte Menschenmassen mit ihren Protesten gegen den Freispruch das halbe Land lahmlegten. Asia Bibis Anwalt musste ins Ausland fliehen.

Asia Bibi hat nun nach Jahren das Gefängnis verlassen und ist laut pakistanischen Behörden an einem sicheren Ort. Da die Regierung von Imran Khan dem Mob jedoch offenbar zugesagt hat, dass der höchstrichterliche (!) Freispruch nicht in Stein gemeißelt sei, beruhigt das nur wenig. Es gibt widersprüchliche Angaben darüber, ob die Frau Pakistan, wo sie dem Tod geweiht wäre, überhaupt verlassen darf.

Erst wenn Asia Bibis Flugzeug im Ausland gelandet sein wird, ist die pakistanische Regierung vom Vorwurf rehabilitiert, einer Gruppe primitiver Fanatiker zu erlauben, die öffentliche Ordnung und die Justiz auszuhebeln. Zwar wird das Blasphemiegesetz ohnehin kaum exekutiert: Aber wer nach diesem angeklagt ist, wird oft schon während des Prozesses umgebracht. Asia Bibi ist zum Symbol für diesen Wahnsinn geworden und ihr Schicksal zum Gradmesser für den Zustand Pakistans – und der islamischen Welt. (Gudrun Harrer, 8.11.2018)

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