Stimmen geschätzt statt ausgezählt: Mysteriöses Wahlergebnis in Hessen

    8. November 2018, 17:22
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    Die CDU will wegen einer Computerpanne bis zum amtlichen Endergebnis am 16. November mit der Aufnahme von Koalitionsgesprächen warten

    Frankfurt – Hessens CDU verschiebt wegen einer Computerpanne bei der Auszählung von Wählerstimmen ihre Entscheidung, mit welcher Partei sie Koalitionsgespräche aufnehmen wird. "Aus Respekt vor dem Wähler werden wir das amtliche Endergebnis abwarten, um zu entscheiden, in welche Richtung wir Koalitionsverhandlungen führen", sagte CDU-Generalsekretär Manfred Pentz am Donnerstag. Dieses soll am 16. November vorliegen. Eigentlich wollte die CDU laut Ministerpräsident Volker Bouffier bereits am Wochenende entscheiden, mit wem sie künftig regieren will.

    Medienberichten zufolge wurden in einigen Wahlbezirken gravierende Mängel bei der Stimmenauszählung festgestellt. So seien Ergebnisse vertauscht, Zahlen verdreht und ganze Stapel mit Stimmzetteln vergessen worden, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf eine Sitzung des Kreiswahlausschusses. Außerdem sollen in einigen Bezirken die bisher übermittelten Ergebnisse "nur geschätzt" worden sein, die ausgezählten Stimmen würden erst für das amtliche Ergebnis übermittelt.

    Bis zu 2.000 Stimmen betroffen

    Laut einem Bericht der "Welt" soll es in mehreren Kleinsprengeln auffällig niedrige Ergebnisse für CDU und AfD gegeben haben.

    Die Korrekturen könnten zu einer Verschiebung der Kräfteverhältnisse führen. Die Grünen haben nach dem bisherigen Wahlergebnis nur 94 Stimmen Vorsprung auf die SPD. Insgesamt gehe es aber bei den Ungereimtheiten um bis zu 2.000 Stimmen.

    Derzeit eine Stimme Mehrheit

    Die als wahrscheinlich geltende Koalition von CDU und Grünen – es wäre eine Neuauflage der bisherigen Regierung – hätte nach derzeitigem Stand eine Mehrheit von einer Stimme. Das würde bislang auch für eine Koalition der CDU mit den Sozialdemokraten gelten. Rein rechnerisch wären auch ein Jamaika-Bündnis aus CDU, Grünen und FDP sowie eine Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP möglich. Die FDP hat eine Regierungsbeteiligung unter einem grünen Ministerpräsidenten aber ausgeschlossen.

    Nach dem vorläufigen Endergebnis erreichte die CDU 27,0 Prozent (2013: 38,3). Die SPD rutschte ab auf 19,8 (30,7) Prozent. Die Grünen verbesserten sich auf 19,8 (11,1) Prozent, die FDP auf 7,5 (5,0) und die Linkspartei auf 6,3 (5,2). Die AfD zog mit 13,1 (4,1) Prozent erstmals in den Landtag ein. (Reuters, 8.11.2018)

    • Ob es in Hessen erneut zu einer Koalition von Volker Bouffiers (links) CDU und den Grünen unter Tarek Al-Wazir (rechts) kommt, ist noch offen. Wegen einer Computerpanne vertagte die CDU Gespräche vorerst.
      foto: apa/dpa/arne dedert

      Ob es in Hessen erneut zu einer Koalition von Volker Bouffiers (links) CDU und den Grünen unter Tarek Al-Wazir (rechts) kommt, ist noch offen. Wegen einer Computerpanne vertagte die CDU Gespräche vorerst.

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