Entführte Drusen offenbar aus IS-Haft in Syrien befreit

    8. November 2018, 16:56
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    Angehörige von Minderheit waren Ende Juli in Suweida verschleppt worden

    Damaskus – Gut drei Monate nach ihrer Verschleppung durch die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) im Süden Syriens hat die syrische Armee offenbar alle entführten Drusen befreien können. Die 19 Geiseln seien bei einem Angriff auf die IS-Miliz befreit worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana am Donnerstag. Die Extremistengruppe hatte Ende Juli nach einer Serie von blutigen Anschlägen in der südlichen Provinz Suweida dutzende Frauen und Kinder in die Wüste verschleppt.

    Während Sana von einer gewaltsamen Befreiung der Drusen sprach, sagte der Journalist Nur Radwan in Suweida der Nachrichtenagentur AFP, die Frauen und Kinder seien im Zuge einer Vereinbarung mit der IS-Miliz freigelassen worden. Bereits Ende Oktober seien sechs Geiseln freigelassen worden, dabei habe es sich um den ersten Teil eines Deals gehandelt, sagte Radwan. Nun sei der zweite Teil der Vereinbarung erfüllt worden.

    Anschläge im Juli

    Bei der Serie koordinierter Anschläge auf die Provinzhauptstadt Suweida und umliegende Dörfer waren am 25. Juli mehr als 250 Menschen getötet worden, die meisten von ihnen Angehörige der religiösen Minderheit der Drusen. Es waren die blutigsten Angriffe im syrischen Bürgerkrieg auf die Religionsgemeinschaft, die sich in dem Konflikt um eine Position der Neutralität bemüht, teils aber auch auf Seite von Machthaber Bashar al-Assad kämpft.

    Bei den Angriffen wurden aus einem Dorf bei Suweida 16 Frauen und 20 Kinder entführt. Mehreren Frauen gelang laut örtlichen Medienberichten die Flucht, während eine erschossen wurde und eine weitere auf dem Marsch in die Badija-Wüste an Erschöpfung starb. Während Russland mit der IS-Miliz über die Freilassung der Geiseln verhandelte, wurden Anfang August und erneut Anfang Oktober jeweils eine Geisel ermordet.

    Austausch kam nicht zustande

    Mit den Anschlägen in Suweida wollte die IS-Miliz ihren bedrängten Mitkämpfern in der südlichen Provinz Daraa Luft verschaffen. Nach der Verschleppung der Geiseln boten die Jihadisten den Austausch der Drusen gegen eingeschlossene IS-Kämpfer an, doch kam dies nicht zustande. Schließlich verlor die Gruppe ihre Bastion in Daraa; heute kontrolliert sie nur noch einige Gebiete in der Wüste und an der irakischen Grenze.

    Die Drusen sind ein Abspaltung des schiitischen Islam. Mit 700.000 Angehörigen stellten sie vor dem Krieg in Syrien rund drei Prozent der Gesamtbevölkerung. (APA, 8.11.2018)

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