Die Wissenschaft vom Erfolg auf dem Kunstmarkt

    8. November 2018, 20:00
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    Komplexitätsforscher untersuchten, was die Karriereverläufe von Künstlern bestimmt. Zentral ist demnach vor allem eines: Der Zugang zu exklusiven Netzwerken

    Wien – Künstlern, deren Werke früh im Karriereverlauf in renommierten Museen oder Galerien gezeigt wurden, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit langfristig erfolgreich. In einer Studie im Fachblatt "Science" zeigte ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung, wie stark der Erfolg am Kunstmarkt vom Zugang zu relativ wenigen und exklusiven Netzwerken abhängt.

    Das Forscherteam um Samuel Fraiberger von der Northeastern University (USA), darunter die Komplexitätsforscherin Roberta Sinatra vom Complexity Science Hub (CSH) Vienna, analysierten Daten der Smartphone-App "Magnus". So konnten sie die Ausstellungsgeschichte und die bei Auktionen erzielten Preise von annähernd 500.000 Künstlern im Zeitraum zwischen 1980 und 2016 nachvollziehen. Herausgekommen ist dabei ein weltweites Netzwerk, das zeigt, wie Kunst zwischen den Institutionen kursiert.

    Entscheidender Anfang

    Wenig überraschend finden sich im Zentrum dieses Netzwerks ein illustrer Kreis aus Museen und Galerien in Europa und Nordamerika. Das Ranking dieser "Hochprestige-Institutionen" führen das Museum of Modern Art (MoMA), das Guggenheim-Museum und die Gagosian Gallery (alle USA) an. Mit der Galerie Thaddaeus Ropac (Rang 16), dem Wiener mumok (Rang 17), dem Rupertinum – Museum der Moderne Salzburg (Platz 31), der Albertina (64) und dem Lentos Kunstmuseum Linz (82) listet die Analyse auch fünf österreichische Institutionen unter den 100 einflussreichsten Akteuren in diesem Bereich auf.

    Es zeigte sich, dass diese Institutionen fast ausschließlich Kunst in ihrem engeren Netzwerk kursieren lassen, wie die Wissenschafter schreiben. Für die Künstler bedeutet das im Umkehrschluss, dass der Karriereverlauf stark davon abhängt, wo die Arbeiten am Beginn der Karriere gezeigt werden. Immerhin mehr als die Hälfte aller Künstler schienen lediglich mit einem gezeigten Werk in "Magnus" auf, einige wenige Künstler sind dagegen mit sehr vielen Werken und Ausstellungen vertreten. Künstler, die es schafften, dass eines ihrer ersten fünf gezeigten Werke in einer Institution unter den Top-20-Prozent ausgestellt wurde, hatten besonders gute Chancen, auch weiterhin in "Hochprestige-Institutionen" vertreten zu sein. Diese "Künstler mit hoher Anfangsreputation" fielen auch dementsprechend selten aus dem System.

    Unfaire Bedingungen

    Umso härter ist der Weg von der Peripherie in den inneren Kreis: Die Wissenschafter fanden nur 240 Karriereverläufe, die in Institutionen mit weniger Reputation begannen, denen aber später der Sprung in die erste Riege gelang. Werke von "Künstlern mit hoher Anfangsreputation" wurden insgesamt doppelt so häufig gezeigt wie jene von Künstlern mit einem weniger privilegierten Karrierestart. Bei Auktionen wurden die Arbeiten ersterer 4,7 Mal häufiger verkauft. Sie erzielten dabei überdies 5,2-fach höhere Maximalpreise als Werke von "Künstlern mit niedriger Anfangsreputation".

    Angesichts dieser Ergebnisse empfehlen die Wissenschafter Mechanismen, die für etwas gerechter verteilte Anfangsbedingungen sorgen. Das könnten etwa Lotteriesysteme sein, in denen Plätze in renommierten Häusern verlost werden, oder anonymisierte Auswahlverfahren, analog zum Vorspielen hinter Vorhängen in der klassischen Musik, wie die Studienautoren in ihrer Arbeit schreiben. (APA, red, 8.11.2018)

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