Metallerlohnrunde geplatzt, Warnstreiks ab Montag angesetzt

    Video9. November 2018, 06:02
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    Die Gehaltsvorstellungen lagen zu weit auseinander, die Gewerkschaft hat die Lohnrunde in der Nacht abgebrochen und geht in den Kampfmodus

    Wien – Die Metaller haben die Weichen am Donnerstagabend auf Arbeitskampf gestellt. Nach acht Stunden des Feilschens um einen neuen Kollektivvertrag haben die Arbeitnehmervertreter rund um Metallgewerkschaftschef Rainer Wimmer und Karl Dürtscher von der Privatangestelltengewerkschaft GPA gegen 21.30 Uhr den Verhandlungstisch im Hilton-Hotel am Wiener Handelskai verlassen und später das Scheitern der Gespräche bekanntgegeben.

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    Ab Montag wird gestreikt.

    Einige Mitglieder der gut 20-köpfigen Verhandlungsgemeinschaft aus Gewerkschaftern und Betriebsräten der Metallindustrie-Unternehmen mit 130.000 Beschäftigten hatten den Daumen nach unten gedreht, als sie in die bereitstehenden Autos stiegen, um zu Beratungen in die ÖGB-Zentrale ein paar Häuser weiter zu fahren. "Es gibt Brösel", grollte ein Betriebsrat der Voestalpine. Ein telefonisch nachgereichtes verbessertes Angebot der Arbeitgeber konnte die Risse nicht mehr kitten.

    Auf zu Warnstreiks

    Am Montag sollen nun erste Warnstreiks in metallverarbeitenden Betrieben abgehalten werden, wie es im Drehbuch der Eskalation vorgesehen ist. Die Dramaturgie sieht erste stundenweise Warnstreiks in Betrieben der metalltechnischen Industrie vor. Parallel dazu soll mit der Fahrzeugindustrie für deren rund 34.700 Beschäftigte ein Lohn- und Gehaltsabschluss verhandelt werden. Am Dienstag sind Gespräche mit den Eisen- und Stahlerzeugern für deren rund 17.000 Mitarbeiter anberaumt, für die in fünf Gesprächsrunden ebenfalls noch kein Abschluss erzielt wurde.

    foto: apa/robert jaeger
    Die Arbeitnehmer-Chefverhandler Karl Dürtscher von der GPA und Rainer Wimmer von der Produktionsgewerkschaft (rechts) sind sichtlich angefressen auf die Arbeitgeber.

    Was die Kampfbereitschaft betrifft, sind die Arbeitnehmer offenbar nicht ganz einig. Besonders bei einigen Voestlern sei die Bereitschaft zum Arbeitskampf nicht sehr ausgeprägt, verlautet aus der Verhandlungsgemeinschaft. In der Aufzugsbranche hingegen drängt man vehement auf Arbeitsniederlegungen.

    Rückschritte statt Fortschritte

    Über die Gründe für die Eskalation gab es naturgemäß divergierende Angaben. "Wir werden nicht ernst genommen", echauffierte sich Wimmer. Die Industriebosse hätten bereits Zugesagtes wieder zurückgenommen, etwa Geldzuschläge für Arbeit in der dritten Schicht, also zu belastenden Arbeitszeiten, oder Lehrlingszuschläge. "Nach 40 Stunden gab es Rückschritte statt Fortschritte und ein Angebot von 2,3 Prozent – bei vollen Auftragsbüchern. Das ist in Wirklichkeit eine Verarschung."

    foto: apa / robert jäger
    Der Obmann der Metalltechnischen Industrie, Christian Knill, war verärgert über den Abbruch der Lohnverhandlungen durch die Gewerkschaft.

    Die Arbeitgeber rund um Chefverhandler Johannes Collini vom gleichnamigen Voralberger Unternehmen und Sprecher Christian Knill reagierten mit Unverständnis. Man habe ein "faires Angebot" gemacht und ein umfassendes Paket geschnürt, das eine Erhöhung um 2,7 Prozent enthalten habe.

    Inklusive rahmenrechtlicher Vereinbarungen hätte die Erhöhung der Löhne und Gehälter laut Knill über drei Prozent ausgemacht. "Was daran zu wenig sein soll, verstehe ich nicht." Nur in einem Punkt sei man sich nicht einig geworden, räumte er ein. Viele Arbeitnehmer würden sich über den Gesprächsabbruch durch die Gewerkschaft wundern, glaubt er.

    grafik: apa
    Übersicht zu bisherigen Streiks in Österreich

    Hohe Streikkosten

    Den Streik nehme man in Kauf, auch wenn dieser pro Tag Kosten von 30 bis 50 Millionen Euro verursache. Aber man sei bereit für weitere Verhandlungen und warte auf die Rückkehr der Gewerkschaft an den Verhandlungstisch, hieß es. Blicken ließ sich von den sonst angriffigen Unternehmern sonst niemand.

    foto: apa/robert jaeger
    Rainer Wimmer (SPÖ) während einer Betriebsversammlung der Aufzugsmonteure am Dienstag.

    Die fünf Fachverbände verhandeln sehr zum Ärgernis der Gewerkschaft seit Jahren nicht mehr in der Globalrunde, sondern getrennt nach Fachverbänden. Die Speerspitze geben die Metallverarbeiter und Maschinenbauer. Sie sind mit rund 133.000 Beschäftigten der größte Einzelverband innerhalb der gesamten Metallindustrie mit insgesamt 192.000 Beschäftigten. (Luise Ungerboeck, 8.11.2018)

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