Schule ist wichtigster Wissensvermittler über NS-Konzentrationslager

    8. November 2018, 11:22
    2 Postings

    OGM-Studie: 74 Prozent der Österreicher haben in Schule von Gedenkstätte Mauthausen erfahren, Info-Nachholbedarf bei Pflichtschülern und Lehrlingen

    Wien – Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen ist nahezu allen Österreichern ein Begriff. Laut einer aktuellen Studie kennen 96 Prozent der Befragten das ehemalige Konzentrationslager, wichtigster Wissensvermittler ist die Schule. Bei der Information von Pflichtschülern und Lehrlingen sieht das Mauthausen-Komitee allerdings noch Nachholbedarf. Wenig bekannt sind den Österreichern andere Orte der NS-Verbrechen.

    Laut einer in Zusammenarbeit des Mauthausen-Komitees und der KZ-Gedenkstätte Mauthausen durchgeführten Studie des Meinungsforschungsinstituts OGM ist der Großteil der Befragten (74 Prozent) während der Schulzeit mit dem Thema des KZ Mauthausen in Berührung gekommen. Aber auch aus traditionellen Medien (63 Prozent), über die eigene Familie (45 Prozent) oder über Freunde, Vereine oder Bekannte (20 Prozent) haben die Befragten Näheres dazu erfahren, sagte OGM-Geschäftsführer Christoph Haselmayer bei der Präsentation der vom Zukunftsfonds finanzierten Studie in der neuen Wiener Niederlassung der KZ-Gedenkstätte in Wien-Wieden.

    Schulbesuche ...

    Die Erhebung (508 Telefoninterviews) habe gezeigt, dass die Schulen "unser wichtigster Partner sind in der gesamten Erinnerungsarbeit", sagte die Leiterin der KZ-Gedenkstätte, Barbara Glück. 65 Prozent aller, die die Gedenkstätte schon einmal besucht haben, taten das mit der Schule. Bei den unter 30-Jährigen liegt der Wert sogar bei 83 Prozent.

    Informationsmängel offenbart die Erhebung vor allem bei Pflichtschulabsolventen: Nur 59 Prozent der Pflichtschüler haben in der Schule über das KZ Mauthausen erfahren. Bei Berufsschülern und Absolventen mittlerer Lehranstalten lag der Wert bei 77 Prozent, Maturanten hatten zu 82 Prozent in der Schule Näheres zu dem Thema gehört.

    Insgesamt gaben 61 Prozent an, dass Themen wie die Verbrechen des Nationalsozialismus und Konzentrationslager im Geschichtsunterricht "ausführlich" behandelt werden sollten, 31 Prozent wollen sie "etwas" behandelt sehen. Aber auch das Interesse der Pflichtschüler, sich über das Thema zu informieren, ist laut der Studie durchaus hoch, betonte Staatssekretärin Karoline Edtstadler (ÖVP) bei der gemeinsamen Präsentation: Von diesen gaben 62 Prozent an, das Thema sollte im Geschichtsunterricht "ausführlich" besprochen werden.

    ... mit finanzieller Unterstützung vom Bund

    Die Staatssekretärin trat dafür ein, dass jedem Schüler während seiner schulischen Laufbahn einmal ein Besuch im ehemaligen KZ Mauthausen ermöglicht werden sollte. Derzeit versuche man dies mit verstärkten Informationen an Schulen über die Besuchsmöglichkeiten zu erreichen. Die Frage, ob der Bund dafür extra Geld in die Hand nehmen sollte, bejahte die Staatssekretärin grundsätzlich, dies brauche aber Vorlaufzeit.

    Neben Schülern soll aber auch anderen Gesellschaftsgruppen ein Besuch in Mauthausen ermöglicht werden, betonte der Vorsitzende des Mauthausen-Komitees, Willi Mernyi. Einen Mangel ortete er insbesondere bei Lehrlingen. Hier gelte es auch, die Betriebe zu sensibilisieren, gab er zu verstehen.

    Ein Anliegen ist es Mernyi, neben Mauthausen verstärkt auch über andere Orte der NS-Gräuel in Österreich zu informieren. Laut der Studie sind etwa die mehr als 40 Außenlager des KZ Mauthausen kaum bekannt. Nur 42 Prozent gaben an, andere Orte der NS-Verbrechen zu kennen. Bei Pflichtschülern war dieses Wissen mit 22 Prozent besonders schwach ausgeprägt. "Der Schrecken war nicht in Mauthausen, weit weg von uns – der war in Simmering, der war in ganz Österreich, darauf müssen wir hinweisen", so Mernyi. (APA, 8.11.2018)

    • Jeder Schüler soll einmal das KZ Mauthausen besuchen, findet die Regierung.
      foto: imago / mcphoto

      Jeder Schüler soll einmal das KZ Mauthausen besuchen, findet die Regierung.

    Share if you care.