Grazer Westen bekommt Gondelbahn über den Plabutsch zum Thalersee

7. November 2018, 16:34
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Geschätzte Investition von 35 Millionen Euro bis 2022, Oppositionsparteien halten nichts davon

Graz – Eine ganzjährig betriebene Gondelbahn auf den rund 750 Meter hohen Plabutsch im westlichen Grazer Bergland soll den Grazer Westen als Naherholungsgebiet aufwerten. Am Mittwoch haben Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) und Vizebürgermeister Mario Eustacchio (FPÖ) die Pläne zur Seilbahn über den Plabutsch bis zum Thalersee vorgestellt. Die Kosten wurden auf rund 35 Millionen Euro geschätzt.

Sieben Minuten zur Bergstation

Bis zum Jahr 1971 führte von einer Talstation in Graz-Gösting ein Sessellift auf den Plabutsch. Ab 2022 soll man mit einer Gondelbahn auf den Hügelzug, der die steirische Landeshauptstadt im Westen begrenzt, hinaufschweben können: in sieben Minuten bis zur Bergstation am westlichen Grazer Hausberg und in weiteren neun Minuten bis zum Thalersee in der Nachbargemeinde Thal (Bezirk Graz-Umgebung). Pro Stunde sollen bis zu 1.600 Personen befördert werden können.

"Es geht um die Attraktivierung eines Lebensraumes, den wir in den letzten Jahren nicht mehr so genutzt haben, und zwar sanft, behutsam und nachhaltig", hob Bürgermeister Nagl hervor. Dafür will die Rathauskoalition nun geschätzte 35 Millionen Euro in die Hand nehmen. Aufgrund der prognostizierten starken Bevölkerungszuwächse im Grazer Westen müssten auch entsprechende Angebote zur Naherholung entwickelt werden, begründete Nagl das Vorhaben: "Es ist wichtig, den Bewohnern vor der Haustüre ein Angebot zu machen", sagte der Bürgermeister. Wichtig sei auch die Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Ausgangspunkt der neuen Seilbahntrasse werde daher eine Talstation in der Peter-Tunner-Gasse im Bezirk Eggenberg sein.

Nahrholungsgebiet

Nagl hatte eine neue Seilbahn auf den Plabutsch bereits im Wahlkampf 2017 wieder zum Thema gemacht, nachdem die Stadt Graz und die Holding Graz im Jahr 2014 ein rund 8.800 Quadratmeter großes Areal rund um den Thalersee westlich des Plabutsch erworben hat. Am Grundstück steht auch ein Restaurant-Gebäude mit 2.000 Quadratmetern Grundfläche, der See selbst gehört zu 60 Prozent der Gemeinde Thal und zu 40 Prozent den Bundesforsten. Seither gab es Pläne, das Areal als Naherholungsgebiet attraktiver zu machen.

"Wir haben hier ein Gebiet, dass wir aus dem Dornröschenschlaf wachküssen und die sanfte Mobilität pflegen", sagte Vizebürgermeister Mario Eustacchio. Über die Straßenbahnlinie 1 und der Buslinie 62 sei die Grazer Talstation "aus ganz Graz leicht erreichbar". Vorgesehen sei auch, dass Fahrräder in die für zehn Personen ausgelegten Gondeln mitgenommen werden können. Ab der Bergstation soll der letzte Teil des Weges nämlich auch über eine Mountainbike-Strecke zurückgelegt werden können. Am Thalersee sollen die Erholungsuchenden spazieren, wandern, Natur erleben, rudern und im Winter eislaufen können.

Die Kosten für die Errichtung der Seilbahn samt Stationen bezifferte Eustacchio mit geschätzten 35 Millionen Euro. Rund drei Millionen Euro seien für Grundstückablösen, -tausche und Dienstbarkeitsverträge reserviert. Die Kosten für den Neubau des Restaurants am Thalersee als künftig neuer Anlaufpunkt der weiteren touristischen Entwicklung wurden mit rund 3,5 Millionen Euro beziffert. Auch gebe es ein Angebot, den Bundesforsten ihren 40-Prozent-Anteil am See abzukaufen.

Umweltverträglichkeitsprüfung

Noch für dieses Jahr stehe ein Grundsatzbeschluss zum Projekt des Gemeinderates an, dann könne die UVP anlaufen. Für 2019 sei die Detailplanung und Start des Restaurantneubaus vorgesehen, wie Michael Krainer, Geschäftsführer der Freizeit Graz GmbH darlegte. Wenn die Ausschreibung für den Seilbahnbau 2020 startet, könne im Frühjahr 2021 mit der Umsetzung des Seilbahnprojektes begonnen werden. Eine Fertigstellung sei dann im Frühjahr 2022 realistisch. "Bei der vorsichtigen Annahme von jährlich 140.000 Besuchern – wie auf der Schöckl-Seilbahn – ist mit einem positiven Ergebnis zu rechnen", zeigte sich Nagl optimistisch.

Kritik der gesamten Opposition

Auf die schwarz-blauen Pläne für eine Gondel über den Plabutsch reagierte die Grazer SPÖ am Mittwoch äußerst skeptisch: Klubvorsitzender Michael Ehmann und Finanzsprecher Gerald Haßler forderten vorweg eine Dateilprüfung durch den Stadtrechnungshof. Ablehnend reagierten auch die NEOS.

Eine "Aufstiegshilfe" auf den Plabutsch sei seit Jahrzehnten auch Forderung der Grazer SPÖ, erinnerte Haßler. Aus Sicht der Grazer SPÖ mangle es bei den am Mittwoch präsentierten Plänen jedoch an der Gesamtkonzeption: "Von einem wohldurchdachten, detaillierten Gesamtplan ist wenig zu sehen. Nur zwischen zwei Gasthäusern hin- und herzugondeln, hat mit Naherholung nichts zu tun – das ist keine 35 Millionen Euro wert", urteilte Ehmann. Seit dem Ankauf des Gasthauses am Thalersee im Jahr 2014 sei "rein gar nichts" geschehen, "und jetzt hören wir wieder nur Schlagworte, Sprechblasen, Worthülsen", kritisierten sie in einer gemeinsamen Aussendung.

SPÖ: "Ausbau bei Öffis notwedig"

"Es gehört dringend auf den Tisch, was auf dem Plabutsch und am Thalersee tatsächlich in Hinblick auf Naherholungsangebote passieren soll, was das im Gesamten kostet und wie es finanziert werden soll", forderten Ehmann und Haßler. Im Grazer Westen seien laut Haßler "großzügige Ausbaumaßnahmen beim öffentlichen Verkehr – etwa eine Tramlinie über Don Bosco bis nach Straßgang und jenseits der Stadtgrenze" notwendig. Straßenbahnverbindungen nach Seiersberg, zur Uni und zu Magna müssten gegenüber einer "Freizeitgondel" auf jeden Fall den Vorrang haben, betonte auch Ehmann.

Neos: "Politisches Denkmal" für Nagl

Das Vorhaben hat auch der Grazer NEOS-Gemeinderat Niko Swatek ablehnend kommentiert. Er unterstellte Bürgermeister Siegfried Nagl, sich ein "politisches Denkmal" setzen zu wollen. "Dafür lässt er dringende Themen wie den Ausbau des öffentlichen Verkehrs oder Verschlechterungen an den Grazer Schulen, links liegen, obwohl die für die Seilbahn geplanten 35 Millionen Euro in diesen Bereichen dringend vonnöten wären", kritisierte er. Mit der Investition steige der Schuldenstand weiter, "ohne nachhaltig in die Zukunft investiert zu haben", wie Swatek darlegte.

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