Homeless World Cup: Österreichs Team startet nach Mexiko

    8. November 2018, 07:34
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    Schon zum zweiten Mal ist Mexiko Gastgeber der Straßenfußball-WM. Der Sport soll Menschen am Rand der Gesellschaft unterstützen

    Wien – Am Samstag reist die österreichische Mannschaft zum 16. Homeless World Cup (HWC) nach Mexiko-Stadt, wo 47 Nationen vom 13. bis 18. November beim Straßenfußball aufeinandertreffen. Für den Ex-Fußballprofi Gilbert Prilasnig ist es das 15. Mal, dass er als Teamchef dabei ist. Schon 2012 hat das österreichische Team mit ihm den siebenten Platz in Mexiko belegt. Die damalige Zahl von 100.000 Zusehern soll dieses Jahr laut den Organisatoren überboten werden.

    foto: caritas
    Gilbert Prilasnig ist seit 2004 Teamchef der österreichischen HWC-Mannschaft.

    Der Homeless World Cup will "Menschen vom Rand der Gesellschaft über Fußball in die Mitte holen und Außenseiter zu Innenseitern machen", sagte Caritas-Präsident Michael Landau bei einem Pressegespräch. Auch Teilhabe an der Gesellschaft soll ermöglicht werden. Teamgoalie Thomas Zwölfer bestätigt, dass ihm das Fußballspielen mehr Selbstsicherheit im Leben gebe und man durch den Sport mehr ausgepowert sei und dadurch besser schlafe.

    Der 31-Jährige blickt auf eine Vergangenheit mit Drogen, Alkohol und Obdachlosigkeit zurück. Beim HWC dürfen nämlich nicht nur wohnungslose Menschen spielen, wie der Name andeutet, sondern auch Asylwerber, Personen mit Alkohol- und Suchtproblemen oder Verkäufer von Straßenzeitungen. In der Vergangenheit versuchte Zwölfer "alles zu verdrängen und zu betäuben". Durch seine Sucht blieb ihm keine Zeit für das Fußballspielen, jetzt kickt er wieder regelmäßig, ist Spieler bei der Gruft, und "ich spüre mich selbst wieder".

    foto: caritas
    Tormann Thomas Zwölfer spielt seit zwei Jahren bei der Gruft Wien und wurde durch seinen Trainer zum HWC vermittelt.

    Für die Zukunft der Spieler, sagt Prilasnig, sei vor allem die Zeit nach dem Homeless World Cup entscheidend. Dabei könne man auf einige Erfolgserlebnisse von Spielern zurückblicken. Diese hätten dadurch ihr Leben anders in die Hand genommen und gesehen, "das schaffe ich", und seither auch leitende berufliche Funktionen übernommen.

    Jährlich neues Team

    Das Team wird jedes Jahr aus neuen Spielern zusammengestellt, was Herausforderungen mit sich bringt. Heuer wohnen die meisten Spieler in Ostösterreich, also in Wien und Niederösterreich, einer in Kärnten. In Westösterreich fehlen laut Prilasnig die Netzwerke und dafür auch die Ressourcen. Aus 50 Spielern wurden bei Sichtungstrainings im März in Wien und im April in Graz 14 ausgewählt, die dann an der Vorbereitung und einem Trainingslager in Zeltweg im Juni teilnahmen. Bei der Auswahl achtet Prilasnig darauf, ein homogenes Team zu bilden, auch sprachliche Verständigung und Therapiestatus spielen eine Rolle.

    Das Wichtigste sei für die Spieler die Vorbereitung, sagt der Coach – nicht nur die sportliche, sondern auch die mentale. Acht von ihnen werden nach Mexiko fahren, einer kann aufgrund einer Verletzung, ein anderer wegen beruflicher Verpflichtungen nicht teilnehmen. Beim "Wroclaw Cup" in Polen und beim "Goal Open" in Graz konnte sich das Team schon auf das Event vorbereiten.

    Mit Fußball "etwas Positives machen"

    Spieler und auch Trainer schätzen den Meistertitel als eher unwahrscheinlich ein. Während Prilasnig es für realistisch hält, unter die besten 24 zu kommen, und hofft, so nahe wie möglich an den letztjährigen neunten Platz oder den siebenten Platz vom Turnier in Mexiko 2012 heranzukommen, setzt sich Spieler Niamat Mohammadi das Ziel der Top Ten. Mohammadi: "Jeder wird das Beste geben, um weiterzukommen."

    Mohammadi ist erst 17 Jahr alt, kommt wie auch viele andere Spieler aus Afghanistan und wohnt seit vier Jahren in Niederösterreich. Fußball war schon immer Teil seines Lebens, den Traum vom Fußballspielen konnte er sich jedoch aufgrund des Krieges in seinem Land nicht verwirklichen. Mit der Teilnahme am HWC will er "etwas Positives machen", sich integrieren und dem Umstand entgegenwirken, dass alle Flüchtlinge in einen Topf geworfen werden, nur weil einzelne "schlimme Sachen machen".

    foto: caritas
    Der 17-jährige Niamat Mohammadi hat schon letztes Jahr versucht, in die HWC-Mannschaft zu kommen. Dieses Jahr hat es geklappt.

    Österreichisches Frauenteam 2019 beim HWC

    Ursprünglich kommt die Idee aus Österreich: Die erste Obdachlosen-WM fand 2003 im Rahmen des europäischen Kulturhauptstadtjahrs auf dem Grazer Hauptplatz statt. Initiator war der kürzlich verstorbene Harald Schmied, damals Chefredakteur der Straßenzeitung "Megaphon", gemeinsam mit dem Schotten Mel Young. Mittlerweile haben sich 73 Partnerorganisationen weltweit dem Projekt angeschlossen.

    Seit drei Jahren wird auch ein österreichisches Frauenteam aufgebaut, das 2019 am Homeless World Cup in Cardiff in Wales teilnehmen soll. Dieses Jahr kann der HWC durch professionelle Live-Übertragungen auf der Website der Homeless World Cup Foundation erstmals auch von zu Hause aus verfolgt werden. (Laura Schwärzler, 7.11.2018)

    • Die österreichische HWC-Mannschaft fliegt am Samstag nach Mexiko.
      foto: caritas

      Die österreichische HWC-Mannschaft fliegt am Samstag nach Mexiko.

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