Experiment zeigt, wo die Werkzeugbaukünste von Kakadus enden

    8. November 2018, 06:30
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    Wiener Forscher schickten wieder einmal ihre Goffinkakadus ans Werk

    foto: goffin lab, university of veterinary medicine vienna
    Aus dem bereitgestellten Rohmaterial wird flugs ein Werkzeug herausgeschnitten.

    Wien – Die indonesischen Goffinkakadus standen lange Zeit im Schatten prominenterer – und größerer – Vertreter der Kakadu-Verwandtschaft. Die weißen und mit 30 Zentimeter Länge eher kleinwüchsigen Vögel wurden erst relativ spät entdeckt, weil sie nur auf den zu den Molukken gehörenden Tanimbarinseln vorkommen.

    In jüngerer Vergangenheit sind sie jedoch regelmäßig zum Thema der Berichterstattung geworden, was in erster Linie am Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien liegt, wo Goffinkakadus für Experimente zur tierischen Intelligenz herangezogen werden. Obwohl die Tiere in der Natur keine Werkzeuge verwenden, erweisen sie sich in den Experimenten der Wiener Forscher ein ums andere Mal als bemerkenswert erfinderisch.

    Das Experiment

    Das Forschungsteam um Alice Auersperg hat nun in einem neuen Experiment, dessen Ergebnisse im Fachjournal "Plos One" veröffentlicht wurden, die Vögel mit verschiedenen Versuchsaufbauten konfrontiert. Um an die von ihnen heiß begehrten Cashew-Nüsse zu gelangen, mussten die Kakadus einmal mehr Werkzeuge konstruieren.

    Es galt, aus einem Stück Pappendeckel mit dem Schnabel schmale Streifen abzutrennen. Diese Streifen mussten durch die kleine Öffnung passte, hinter der die Belohnung lag. Die Vögel mussten also sowohl die Länge als auch die Breite des Werkzeugs richtig einschätzen, damit es durchpasste und bis zur Nuss reichte. Das klappte gut – aber nicht in allen Belangen.

    Die Ergebnisse

    Es zeigte sich, dass die Distanz für die klugen Vögel kaum eine Herausforderung darstellt. Sie fertigten deutlich längere Kartonstreifen, wenn eine Belohnung weiter entfernt war, und kürzere Streifen, wenn die Futtergabe dem Loch der Testbox näher lag, berichten die Forscher. Zu kurze Werkzeuge wurden entsorgt, bevor die Tiere überhaupt versuchten, sie zu verwenden.

    foto: goffin lab, university of veterinary medicine vienna
    Durch dieses Loch soll die "Angel" bitteschön passen.

    Die Flexibilität bei der Werkzeugherstellung deutet laut Auersperg darauf hin, dass die Kakadus lernen können, auf unterschiedliche Bedingungen zu achten. "Längere Kartonstreifen erfordern mehr parallele Beißmarken, was eine steigende, zeitliche Investition in der Herstellung bedeutet. Die Studie zeigt jedoch, dass die Kakadus ihren Aufwand reduzieren konnten", so die Wissenschafterin.

    Nach einiger Zeit stellten die Vögel hauptsächlich längere Hilfswerkzeuge her. Das könnte den Forschern zufolge darauf hindeuten, dass sie entweder ihre eigene Fertigungsmethode verbesserten oder das Risiko minimieren wollten, zu kurze Streifen herzustellen.

    Es gibt Limits

    Das Experiment zeigte aber auch, dass die Flexibilität der Tiere Grenzen hat: Wurde der Durchmesser des Lochs, durch das das Werkzeug passen sollte, verändert, stellten die Tiere dennoch immer wieder Streifen mit ähnlicher Breite her. Die Wissenschafter vermuten, dass die Kakadus durch ihre Schnabelform beim Werkzeugbau eingeschränkt sind. (red, APA, 8. 11. 2018)

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