"Handbuch Datenschutz" appelliert an Hausverstand der Konsumenten

    7. November 2018, 13:09
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    VKI gibt auf knapp 200 Seiten Tipps und Tricks für Privatsphäre – Ratgeber laut Max Schrems "eine Möglichkeit, wie ich mich selber schützen kann"

    Ein neues "Handbuch Datenschutz" bietet Verbrauchern Tipps für die Privatsphäre und regt zum Nachdenken im Umgang mit persönlichen Informationen an. "Es gibt viele Dinge, die mit dem Hausverstand zu tun haben", sagte Autorin Natalie Oberhollenzer bei der Präsentation des Ratgebers vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) am Mittwoch in Wien. Sie riet etwa zur Vorsicht beim Hochladen von Fotos.

    "Hirn einschalten" und "erst denken, dann posten", appellierte auch Mit-Autor Gernot Schönfeldinger. Komplett offline zu gehen ist laut dem Buch jedoch keine Option. "Die Frage ist nicht: wie kann ich anonym bleiben, sondern wie kann ich verhindern, dass ich mehr von mir preisgebe als nötig ist", betonte Schönfeldinger. Das Buch biete Anleitungen, wie bei möglichst geringer Datenweitergabe weiterhin Geräte und Software sowie Angebote im Internet genutzt werden können.

    "Wir haben uns die beliebtesten Internet-Anwendungen angeschaut und sie hinsichtlich des Datenschutzes geprüft"

    Schönfeldinger empfahl, Cookies hin und wieder zu löschen oder Browser-Erweiterungen zu verwenden, um Tracking zu reduzieren. Für Smartphones gebe es ebenfalls spezielle Browser mit verbessertem Datenschutz oder spezielle Erweiterungen. Außerdem empfiehlt sich, die jeweiligen App-Einstellungen zu überprüfen. Auch alternative Suchmaschinen, die keine Daten sammeln, stehen zur Verfügung.

    "Wir haben uns die beliebtesten Internet-Anwendungen angeschaut und sie hinsichtlich des Datenschutzes geprüft", erläuterte Oberhollenzer. Von Amazon und Facebook über Google, Netflix und Runtastic bis YouTube finden sich Informationen in dem Handbuch. Einblicke gibt es in die Themen Smart Home und vernetzte Autos aber auch in Sachen Datenschutz außerhalb des Internets, wie bei Telefonwerbung oder Kundenkarten.

    Rechte auf Auskunft

    Die im Mai in Kraft getretene Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in der EU und etwa die damit verbundenen Rechte auf Auskunft, Löschung oder Datenübertragbarkeit finden ebenfalls Platz in dem knapp 200 Seiten starken Ratgeber. Es gebe einen Anstieg von Beschwerden bei der Datenschutzbehörde, erläuterte Juristin Petra Leupold vom VKI, die die DSGVO als Meilenstein sieht. "Es braucht beides", sagte sie zur Eigenverantwortung des Einzelnen im Umgang mit seinen Daten sowie zu Verbraucherschutzexperten und Gesetzgebern, die den rechtlichen Rahmen vorgeben.

    "Zukünftig wird für die Konsumenten interessant, dass mit Daten mehr gemacht werden kann als Werbung", sagte der Jurist und Datenschutzaktivist Max Schrems, der das Vorwort zum Handbuch verfasst hat. Der Ratgeber biete "eine Möglichkeit, wie ich mich selber schützen kann". Schrems verwies etwa auf Kredit-Scoring und die Ablehnung von Handy-Verträgen bei negativer Bonitätsbewertung. Zum "Wert der Daten" ist in dem Handbuch unter anderem nachzulesen, warum Apple-User mehr zahlen, wieso ein voller Handy-Akku mehr Kreditwürdigkeit bedeutet und wie begehrt Gesundheitsdaten sind. (APA, 7.11. 2018)

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