Salzburg: Antihelden und Alpinmusiker bei Bergfilmfestival

    8. November 2018, 09:54
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    Filmgespräche und Musik zum 25. Jubiläum im Das Kino – Thomas Huber eröffnet das Vortragsprogramm in Hallein

    Salzburg – Das Salzburger Bergfilmfestival "Abenteuer Berg, Abenteuer Film" feiert heuer sein 25-jähriges Jubiläum. Das Festival, das von kommendem Mittwoch bis 25. November läuft, ist ein Branchentreff von Alpinismusgrößen und Abenteurern und zieht jährlich viele Berg- und Filmbegeisterte aus Westösterreich und Bayern an. 200.000 Besucher und Besucherinnen kamen im vergangenen Vierteljahrhundert zu den Filmabenden und Veranstaltungen.

    Am kommenden Mittwoch legt das Festival mit einer Branchengröße den Auftakt hin. Der ältere der beiden Huber-Buam, Thomas Huber, präsentiert zur Eröffnung in Hallein seinen neuen Vortrag "Steinzeit". Der Bergsteiger nimmt die Besucher mit auf eine Reise zwischen Familie, Rock 'n' Roll und Alpinismus. Er erzählt vom Durchstieg einer 1.500 Meter hohen Granitwand im indischen Kaschmir, spektakulären Erstbesteigungen und seiner Stoner-Rock-Band Plastic Surgery Disaster.

    foto: timeline production
    Thomas Huber auf der Latok-Expedition.

    Bei der Jubiläumsausgabe kommt mit "Film und Gespräch" auch eine neue Reihe ins Festivalprogramm. Die Gäste können mit den Filmemachern und den Protagonisten in Dialog treten und nachfragen, was hinter den Bildern steckt. Dabei wird es heuer auch musikalisch. Etwa bei der Filmpremiere von "Parasol Peak", bei dem der Regisseur Johannes Aitzetmüller den Hang-Spieler Manu Delago und ein sechsköpfiges Ensemble beim Musizieren auf steilen Hängen in den Bergen Tirols begleitet hat. Am 18. November wird Delago mit einigen Kollegen im Das Kino aufspielen.

    foto: weisleitner
    Die Instrumente mussten zuerst in die Berge gebracht werden, um dort dann ganz neue klangliche Räume zu erschließen.

    Einer der erfolgreichsten Musiker Österreichs wird am 20. November mit dem Publikum über Musik und Reisen sprechen. Hubert von Goisern verließ die Enge seines Heimattals, ohne dessen musikalische Tradition zu vergessen. Die Dokumentation "Brenna tuat's schon lang", die die Lebensgeschichte des Hubert von Goisern erzählt, wird im Anschluss gezeigt. Marcus Rosenmüller begleitete für den Film den Musikrevoluzzer zwischen Salzkammergut, Timbuktu und Donaudelta.

    foto: apa/ herbert pfarrhofer
    Hubert von Goisern musiziert auch auf Reisen – die Klänge seines Heimattals immer im Gepäck.

    Am 23. November bekommen die Zuschauer eine Mischung aus Text, Musik und Film geboten. Der Schriftsteller Bodo Hell liest, Stubnblues-Schlagzeuger Peter Angerer schlagwerkt dazu live. Anschließend wird der Film "Snow/Schnee" des Dokumentarfilmers Manfred Neuwirth gezeigt.

    foto: thomas neuhold
    Bodo Hell bringt Kunst und Natur in seinen Texten in Einklang.

    Im Vortragsprogramm sind auch heuer wieder Stammgäste wie die Bergsteigerlegende Kurt Diemberger (17. November) und der Fotograf und Bergführer Herbert Raffalt (19. November) vertreten. Doch auch die Frauenpower darf beim Bergfilmfestival nicht fehlen. Die erste Österreicherin, die alle 4.000er in den Alpen bestiegen hat, ist am 22. November zu Gast. Die Journalistin Marlies Czerny hat in zehn Jahren zusammen mit ihrem Seilpartner Andreas Lattner die 82 höchsten Alpengipfel erklommen, nun erzählt sie davon.

    foto: lattner
    Marlies Czerny hat sich den 4.000ern der Alpen verschrieben und dafür den Bürostuhl links liegengelassen.

    Die neue Chefin des Sonnblicks, Elke Ludewig, kommt am 21. November mit ihrem Vortrag "Klimabotschafter Sonnblick" ins Das Kino. Die 31-jährige Meteorologin, Geophysikerin und Ozeanografin leitet seit zwei Jahren das Wetterobservatorium auf 3.100 Metern Seehöhe. Bevor sie ihren Arbeitsplatz an der Forschungsstation auf dem Sonnblick antrat, überwinterte Ludewig 2015 ein halbes Jahr lang auf einer Forschungsstation in der Antarktis.

    foto: thomas neuhold
    Elke Ludewig arbeitet auf der Wetterwarte am Sonnblick.

    Der vielfach ausgezeichnete Bergsteiger, Filmemacher und Fotograf Sepp Friedhuber entführt die Besucher am 24. November nach Afrika. Auf 70 Expeditionen und Reisen nach Afrika hat Friedhuber ein besonderes Naheverhältnis zu dem Kontinent entwickelt und erzählt über die großen drei – Kilimandscharo, Mount Kenia und Ruwenzori –, die Virunga-Vulkane und die Rückzugsgebiete der Gorillas.

    foto: friedhuber
    Eine Karawane in der Danakil-Senke, eingefangen von Sepp Friedhuber.

    Am 24. November ehrt das Bergfilmfestival mit einem Gedenkabend die langjährige Wegbegleiterin des Festivals und Bergsteigerin Helma Schimke. Die Pionierin des Frauenbergsports ist im April im Alter von 92 Jahren verstorben. Im Mittelpunkt des Abends steht der Film "Über allem der Berg", den Anette Mäser und Ulli Gschwandtner 2002 über Schimke gedreht haben. Erinnert wird an dem Abend auch an den 2017 verstorbenen Norman G. Dyhrenfurth mit der Präsentation seines postum erschienen Buches "Wozu ein Himmel sonst".

    foto: griffith
    Fotograf Jon Griffith war für den Film "Link Sar West" zu dem 7.000 Meter hohen Gipfel in Pakistan unterwegs. Bei seinen vorangegangenen Versuchen musste er dreimal umkehren.

    Das Filmprogramm bewegt sich heuer abseits der großen Heldengeschichten – vom Weltklassekletterer, der Schwächen zeigt, über Durchschnittsalpinisten auf den höchsten Bergen der Welt bis hin zu Ski- und Radamateuren, die mit großer Leidenschaft an ihre Grenzen gehen. Wie jedes Jahr ist auch den Local Heros ein eigenes Programm gewidmet. Auch ein aktuelles Salzburger Streitthema kommt aufs Tapet: die Wölfe. Neben dem Film "Das Tal der Wölfe" wird es am 21. November eine Diskussion mit Hubert Stock, dem Wolfsbeauftragten beim Land Salzburg, geben. (Stefanie Ruep, 8.11.2018)

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