Teheran erwartet Scheitern der US-Sanktionspolitik

    6. November 2018, 18:09
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    Zarif: "Das iranische Volk hat in den letzten Jahren ähnliche amerikanische Verschwörungen stets neutralisiert"

    Teheran/Washington – Die iranische Regierung geht nicht davon aus, dass die von den USA verhängten Sanktionen zu einem Bruch mit der eigenen Bevölkerung führen. "Das iranische Volk hat in den letzten Jahren ähnliche amerikanische Verschwörungen stets neutralisiert und wird es auch diesmal tun und erneut Geschichte schreiben", sagte Außenminister Mohamed Javad Zarif in einer Videobotschaft am Dienstag.

    "Die Regierung von Herrn (US-Präsident Donald) Trump wird bald einsehen, dass diese feindselige Politik (der Sanktionen) vergeblich ist und scheitern wird", erklärte Zarif. Trump und die Amerikaner würden daher sehr bald die jetzigen Entscheidungen bereuen und ihre Politik gegenüber dem Iran ändern müssen, sagte der iranische Chefdiplomat.

    Kritik aus der Türkei

    Kritik an den US-Sanktionen kam auch aus der Türkei. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sagte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu in Ankara: "Wir finden die Sanktionen nicht richtig. Denn unserer Meinung nach sind das Sanktionen, die darauf abzielen, die Welt aus dem Gleichgewicht zu bringen." Die Maßnahmen der USA verstießen gegen internationales Recht und gegen Regeln der Diplomatie. "Wir wollen nicht in einer imperialen Welt leben." Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte nach Angaben von Anadolu bei einem Besuch in Tokio, er denke, dass Sanktionen zu nichts führten und dass ein Dialog mit dem Iran sinnvoller sei.

    Sanktionen seit Montag

    Die USA hatten am Montag Sanktionen in Kraft gesetzt, um die zentralen Branchen der iranischen Wirtschaft – Ölexport, Finanzen, Verkehr – zu lähmen. Präsident Hassan Rouhani sprach von einem "Wirtschaftskrieg" der USA gegen den Iran. Gleichzeitig signalisierte Rouhani auch Gesprächsbereitschaft mit Trump. Bedingung sei jedoch die Rückkehr der USA zu dem Wiener Atomabkommen von 2015 sowie ein Ende der Sanktionen.

    Schon vor der Wiedereinführung weiterer Sanktionen steckte der Iran in einer akuten Finanzkrise. Die Landeswährung Rial hat mehr als 60 Prozent an Wert verloren. Viele Menschen befürchten, dass die neuen Sanktionen die Wirtschaftskrise verschärfen werden. Beobachter sehen keine wirksamen wirtschaftlichen Mechanismen, um die Krise effektiv zu bewältigen. Für sie wären ein politischer Prozess und Verhandlungen mit den USA die einzige Lösung. (APA, 6.11.2018)

    • Hier sprach Irans Außenminister Mohamed Javad Zarif bei einer Konferenz in Istanbul Ende Oktober.
      foto: reuters/murad sezer

      Hier sprach Irans Außenminister Mohamed Javad Zarif bei einer Konferenz in Istanbul Ende Oktober.

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