Wie Österreich Investoren aus China umgarnt

    7. November 2018, 07:41
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    Die Regierung will sich mehr für das Asien-Geschäft heimischer Firmen starkmachen. Dabei setzt sie auf eine Senkung der Unternehmenssteuern

    Dino Ma ist sichtlich zufrieden. Der Investitionschef des Kranbauers aus der Yangtse-Stadt Suzhou mit dem leicht irreführenden Namen Eurocrane hat sich soeben eine österreichische Perle geschnappt. Viele Jahre hätten die beiden Eigentümerinnen des Trauner Kranherstellers Voith einen Käufer gesucht, nie habe es geklappt. "Dann kamen wir und machten ein Angebot, das alle überzeugte", sagt Ma. "Tolles Unternehmen, sehr profitabel", setzt er nach, bevor er weiter das Fleisch aus seiner Krabbe schlürft.

    Zu dem Essen in Schanghai mit Österreich-Investoren und solchen, die es noch werden könnten, lud die Austria Business Agency (ABA) am Montag. Anlass war der Besuch von Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP). Sie lockte bei vielen Treffen die chinesischen Unternehmer mit teils vertrauten Anreizen nach Österreich: Die Forschungsprämie von 14 Prozent wird stets hervorgehoben. Die weit über 100 "Hidden Champions" im Land, Unternehmen die in Europa Marktführer oder weltweit unter den besten drei sind, werden angepriesen. Auch das Österreich als idealer Hub in Zentraleuropa diene und ein Tor zu Osteuropa und auf den Balkan sein.

    Steuersenkung im Jahr 2020

    Doch Schramböck betonte im Austausch ganz im Sinne der Schwarz-Blauen-Pläne auch Vorzüge, die bisher kaum im Repertoire der heimischen Standortvermarkter auftauchten: "Wir werden die Steuern 2020 senken, vor allem für Unternehmen" kündete Schramböck am Dienstag im voll besetzten Raum eines Investorenforums am Rande der ersten Mega-Importmesse in Schanghai an. Auf welches Niveau die Körperschaftssteuer von derzeit 25 Prozent gesenkt wird, ist noch unklar. Außerdem senkt die Regierung auch die Lohnkosten. Schließlich wird die ABA umgebaut und künftig ein One-Stop-Shop. Also ein einzelner Ansprechpartner für interessierte Investoren, um behördliches Wirrwarr zu vermeiden. Insgesamt soll die ABA die Zahl der Betriebsansiedlungen in Österreich um 30 Prozent steigern.

    Hinzu kommt eine neue Einheit in der ABA, die sich um die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland bemüht. Priorität haben EU-Länder, wie Polen. "Die Autobahn der Experten geht momentan an Österreich vorbei" sagt Schramböck im Gespräch mit dem STANDARD. Zusätzlich soll die neue Einheit sich um Fachkräfte aus Drittstaaten kümmern. Um das zu erleichtern will die Regierung die Rot-Weiß-Rot-Card reformieren. "Ein Nachweis über eine ortsübliche Unterkunft ist nicht notwendig", sagt die Ministerin. Gesprächspartner in Asien hätten sich ebenfalls darüber beklagt.

    Aus für Zettelwirtschaft

    Auch das Punkte-System, das Ältere bei der Auswahl benachteiligt soll weg. Vor allem soll die RWR-Card künftig online zu beantragen sein, statt der bisherigen Zettelwirtschaft. Für diese neuen Aufgaben wird gerade über zusätzliches Budget für die ABA verhandelt. Derzeit erhält die Agentur rund vier Millionen Euro.

    Mitte Dezember will Schramböck eine neue Außenwirtschaftsstrategie präsentieren. Auch auf Wunsch der Unternehmen, wird ein Schwerpunkt auf Asien und insbesondere China gelegt, wie Schramböck auf ihrer Reise auch betont. Zu dem Zweck wurde auch eine Sinologin ins Kabinett geholt, die für die neue Strategie zuständig ist.

    Als kleines Land Chinas Wirtschaft auf sich aufmerksam zu machen, ist nicht immer leicht. Wichtig ist, in der Branche hervorzustechen. Wie hat Dino Ma den oberösterreichischen Kranbauer gefunden? "Ein Freund von einem Freund hat mir davon erzählt", sagt er schmunzelnd. Künftig sollen mehr solcher Tipps aus dem Standortministerium kommen.

    Die Reise fand auf Einladung des Wirtschaftsministeriums statt. (Leopold Stefan aus Schanghai, 7.11.2018)

    • Die Zeiten der Billigstproduktion sind vorbei. China sucht weltweit Partner, die Qualität produzieren.
      foto: apa

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