Italiens Ökomafia verdient im Müllgeschäft Milliarden

    7. November 2018, 13:00
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    Starker Nachholbedarf bei Abfalltrennung – Österreicher holen sich Aufträge in Sizilien

    Sizilien ist bei der Abfalltrennung und -verwertung im Vergleich zu anderen Regionen Italiens im Verzug. Nur 17 Prozent des Stadtmülls von Palermo werden getrennt. Im landesweiten Schnitt liegt die Recyclingquote bei 62 Prozent. Eine der größten Müllverwertungsanlagen der Stadt, Bellolampo, droht stillgelegt zu werden. Bei dem kommenden Gipfeltreffen zwischen Libyen und der EU Mitte November in Palermo könnten die Teilnehmer über den Straßenmüll stolpern, befürchtet die Mailänder Zeitung Il Sole 24 Ore.

    Tatsache ist, dass die Finanzierung für Trennungs- und Verwertungsanlagen von 110 Millionen Euro der vergangenen zehn Jahre, die zum Teil aus EU-Mitteln, zum Teil aus regionalen Fonds erfolgte, an der prekären Situation kaum etwas änderte. Die Stadt produziert täglich 1000 Tonnen Abfall, wovon knapp 900 Tonnen nicht getrennt werden. Palermos Bürgermeister Leoluca Orlanda verspricht nun Sondermaßnahmen.

    Altmetalle und Altglas

    Besser sieht die Situation in Westsizilien, rund um die Stadt Marsala, aus. Dort ist es dem Gründer der Firma Sarco, Antonio Spanò, gelungen, durch Nutzung von Altmetallen und Altglas die Recyclingquote auf 32 Prozent zu erhöhen. Immerhin verwertet das Unternehmen mittlerweile 75.000 Tonnen jährlich und beliefert unter anderem einen nahegelegenen Flaschenhersteller, die US-Gruppe O & I Manufacturing. Mit dem Markenzeichen "Flasche 100 Prozent Sizilien" hat Sarco großen Erfolg. Österreich punktet bei Sarco mit dem Einsatz der Ecotechnologie von Redwave. Sarco will demnächst weitere 400 Millionen Euro investieren. "Natürlich werden wir neue Redwave-Maschinen erwerben", sagte Sarco-Chef Spanò dem STANDARD. Auf die Frage, ob – wie oftmals in Sizilien üblich – Schutzgeld gezahlt werden müsse, antwortete er: "Uns wurde bislang nicht gedroht, aber Schwierigkeiten haben wir schon."

    Ökomafia dominiert Geschäft

    Denn die Ökomafia dominiert Italiens Müllgeschäft. Mit illegaler Abfallentsorgung wurden hier im Vorjahr 14 Milliarden Euro ergaunert. Heuer sollen es schätzungsweise 16 Milliarden sein. Die kürzlich erfolgte Freisprechung des "Padrone" Manlio Cerroni, der die römische Abfallwirtschaft und die der gesamten Region Latium kontrollierte und der angeblich mit der Müllmafia eng verbunden war, verschafft dem organisierten Verbrechen neuen Spielraum.

    Nachdem China die Plastikabfalllieferungen aus der EU einbremste, hat die Ökomafia weiterhin an Macht gewonnen. Denn jahrzehntelang verkaufte Italien einen großen Teil seines Plastikmülls nach China – damit er dort sortiert und zum Teil verwertet werde. Eine gültige Alternative zu China wurde bisher nicht gefunden. Allein in den letzten Monaten setzte die Ökomafia sieben Mülldepots in Brand, in den vergangenen sechs Jahren waren es 280 Müllhalden. Es ist ein gigantisches Geschäft, denn durch Brandstiftungen werden die teure Sortierung und Verwertung umgangen. (Thesy Kness-Bastaroli aus Palermo, 7.11.2018)

    • Italien bekommt den Müll nicht in den Griff.
      foto: reuters/max rossi

      Italien bekommt den Müll nicht in den Griff.

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