Stern projiziert gigantisches Bat-Signal auf kosmischen Nebel

    10. November 2018, 12:02
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    Junger Stern wirft einen Schatten, der 200 Mal so groß wie unser Sonnensystem ist

    foto: nasa, esa, and stsci
    Kosmisches Schattenspiel: Mit viel Fantasie kann man hier Fledermausflügel sehen.

    Bevor sich jemand beschwert: Ja, die Ähnlichkeit ist äußerst vage – aber Assoziationen sind frei und Astronomen stets bemüht, für ihre Entdeckungen griffige Bezeichnungen zu finden. "Bat Shadow" haben sie ein etwa 1.300 Lichtjahre von uns entferntes Verdunkelungsphänomen genannt, das auf eine ganz natürliche, aber nichtsdestotrotz faszinierende Weise zustande kommt.

    Das Hubble-Teleskop hatte zuletzt den Serpens-Nebel ins Visier genommen, der sich im zweiteiligen Sternbild der Schlange nahe dem Himmelsäquator befindet. Die Schlange (Serpens) besteht aus einem "Kopf" und einem "Schwanz", wobei der Nebel im Schwanz liegt.

    foto: nasa, esa, and stsci
    So sieht das neue Hubble-Bild in seiner Gesamtheit aus – es handelt sich dabei übrigens nur um einen kleinen Ausschnitt des Serpens-Nebels.

    Dabei handelt es sich um einen sogenannten Reflexionsnebel. Er leuchtet nicht aus sich selbst heraus, sondern reflektiert beziehungsweise streut das Licht einzelner Sterne in seinem Inneren. Im Serpens-Nebel gibt es hunderte junge Sterne, die ihrerseits noch von protoplanetaren Scheiben aus Gas und Staub umgeben sind – es gibt sie noch nicht lange genug, als dass sich diese Massen zu Planeten hätten verdichten können.

    Einer dieser Sterne ist HBC 672, und seine protoplanetare Scheibe ist fast exakt mit der Kante auf uns ausgerichtet. Daraus ergibt sich laut dem Hubble-Team ein Effekt ähnlich wie bei einem zylindrischen Lampenschirm: Licht dringt nach oben und unten, entlang des Umfangs wird jedoch ein Schatten geworfen.

    Informationsweitergabe im Schatten

    HBC 672 projiziert damit – ob fledermausflügelähnlich oder nicht – zwei riesige kegelförmige Schatten auf den Nebel, insgesamt ist das Phänomen etwa 200 Mal so groß wie unser Sonnensystem. Und das ist für Astronomen ein Glücksfall: HBC 672 ist nämlich zu weit entfernt, um seine protoplanetare Scheibe direkt studieren zu können.

    Der Schatten gibt aber einige Aufschlüsse, nicht nur über die Form, sondern auch über die Zusammensetzung der Scheibe: Farbunterschiede an den Rändern des Schattens – also dort, wo ein Teil des Lichts durchkommt – können darauf analysiert werden, aus welcher Art Partikel die Scheibe zusammengesetzt ist. Und wie jede protoplanetare Scheibe ist auch die um HBC 672 ein Blick in unsere eigene Vergangenheit: Vor etwa 4,5 Milliarden Jahren, als die Sonne erst wenige Millionen Jahre alt war, war auch unser Sonnensystem nicht mehr als eine solche Scheibe aus Staub und Gas. (red, 10. 11. 2018)

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